Big Sean feat. Kendrick Lamar & Jay Electronica – Control (Track)

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Eine Atombome in den Redaktionsräumen. Angesichts der Ankündigung von Big Sean als »…this is not no radio shit…straight rap…« wirkt das Statement fast wie Blasphemie. »Control« ist ein Überhit, ein mieses Brett, bereitgestellt von No I.D., das (neben Big Sean) zwei der größten Lyricists unserer Zeit vereint: Kendrick Lamar und Jay Electronica. Augenhöhe? Nix is‘. Kendrick rasiert so unantastbar, dass Jays meditative Soja-Schnitzel-Rhetorik zu Kinderpoesie verkommt.

 

 

 

K. Dot beginnt gospelartig, schwarz gekleidet und bissig. Ein schwarzer Beatle? Oder doch ein Marley? Definitiv die Antithese zu Elvis. Lyrisches Anger Management. Gefühlte 100 Bars, die sich dramaturgisch steigern und jeden erdenklichen Superlativ rechtfertigen. Man müsste wohl eine Magisterarbeit anfertigen, um dem Genius, der hier dargeboten wird, gerecht zu werden. Es folgt eine Aufzählung der vermeintlich besten Rapper derzeit – Jermaine Cole, Big K.R.I.T., Wale, Pusha T, Meek Mill, A$AP Rocky, Drake, Big Sean, Jay Electron‘, Tyler, Mac Miller. Dann ein kurzer Ausraster: »I got love for you all but I’m tryna murder you niggas«. Die Blogs rätseln, nicht ganz unberechtigt, ob gerade der Verse des Jahres online ging. »Tell Flex to drop a bomb on this/So many bombs ring the alarm like vietnam in this shit.« Boooom! Kendrick killt Big Seans Album, ohne darauf vertreten zu sein.

 

Man kann davon ausgehen, dass Jay Electronica die Parts seiner Vorredner nicht vorliegen hatte, als er sich an die Zeilen setzte. »I Earth, Wind & Fire’d the verse«. Ernsthaft? Warum alle anderen mindestens doppelt so lange rappen? Der umtriebige Schamane, der mittlerweile Kate Rothschild datet, bleibt »one tough miracle«. Big Sean wird da schon konkreter, stapelt Frauen aufeinander und führt das Leben eines 80-Jährigen im Körper eines Mittzwanzigers. Dass mit den Sex-Wortspielen kann er, du weeeißt. »Control« ist das krasse Gegenteil eines Album-Leftovers. Und doch werden die acht Minuten Ausnahmezustand wegen Problemen beim Klären des Samples nicht auf »Hall Of Fame« vertreten sein.

 

 

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