Haiyti – Mieses Leben // Review

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Wertung: Fünfeinhalb Kronen

Oops – she did it again. Haiyti ist schon wieder zurück und hat nicht mal eine Pause gemacht. Ihr neues Album »Mieses Leben« ist ohne Ankündigung als Überraschungsrelease erschienen und knüpft an den konstanten Output der letzten Monate an, in denen sich die Hamburgerin zwischen dreckigem Hustle auf der Straße und überdrehtem Leben als Trapstar bewegt. Haiyti wurde das Star-Sein oft abgesprochen. Das Feuilleton berichtet dank ihrer außergewöhnlichen Kunst über sie, in Szenemedien wird sie gefeiert, doch der Sprung auf das Level der großen Deutschrap-Stars erfolgte bisher noch nicht. Dieses Level wird aktuell vor allem in Zahlen gemessen, Playlist-Platzierungen und monatliche Hörer*innen auf Spotify sorgen für die schnelle Einordnung. Dass sich Haiyti an diesen Maßstäben nicht unbedingt messen lassen will, hat sie schon auf ihren letzten Alben durchscheinen lassen. »Mieses Leben« erzählt ausführlicher ihren Erfahrungen mit der Musikindustrie in den letzten Jahren. Direkt im Intro stellt sich Haiyti die Frage »Warum hatt‘ ich diesen Dream/Trapstar, All Day, Red Cups und Lean?« und lässt ihre bisherige Karriere Revue passieren. Nach den Anfängen unter dem aka »Robbery« geht der Traum eigentlich mit dem Release ihres Albums »Montenegro Zero« auf, das beim Major Label Universal erscheint. Glücklich wird Haiyti damit allerdings nicht – du kriegst sie von der Straße, doch die Straße nicht aus ihr. Anders als die Konkurrenz, will die Trapqueen nicht mehr nach oben: »Man ich bin da schon gewesen und ich fand’s nicht so toll« (»Was noch«). Stattdessen zieht sie ihr eigenes Ding durch und hat vielleicht den idealen Weg dafür gefunden. Wenn die Releases ihrer früheren EPs und Mixtapes eher spontan und willkürlich daherkamen, wirken die letzten Alben samt Hitsingles wie der perfekt orchestrierte Plan, um zu beweisen, wie einzigartig ihre Stellung in der Szene ist. In den vergangenen zehn Monaten erschienen die drei Alben »SUI SUI«, »influencer« und »Mieses Leben« mit insgesamt 52 Songs, die so viele verschiedene Facetten und Überraschungen aufweisen, dass eine eindeutige Kategorisierung des Stils unmöglich ist. Haiytis dauerhafter Output ist zu ihrem Trademark geworden, passt perfekt ins Streaming-Zeitalter und verweigert sich gleichzeitig den Verwertungslogiken der Industrie. Dank experimenteller Produktionen und abwechslungsreichen Flow-Pattern zwischen melancholischen Hooks und aggressivem Geballer klingt dieser Output auch beim dritten Album in Folge noch aufregender als der vielgeklickte Playlist-Rap. Dieses Kunststück funktioniert – und wer zum Teufel möchte das jetzt noch bestreiten – weil Haiyti die aktuell beste Rapperin (Männer mitgemeint) des Landes ist.

Text: David Regner

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