»If you’re reading this …« – 15 Lieblingsbücher über HipHop // Liste

Die Checkliste für Rap-Leseratten: 15 Lieblingsbücher von, für und mit HipHop. »Read more, learn more, change the globe«.

Triksta: Life And Death And New Orleans Rap (2005)

Nik Cohn
(Vintage)

Den louisianischen Sumpf kennt der gemeine Alman heutzutage ja vor allem aus der ersten »True Detective«-Staffel. Ein Umstand, der sich auch in Sachen Rap widerspiegelt: Das, was die ehemalige französische Kolonie während der letzten 25 Jahre zum HipHop-Kanon beigetragen hat, wird von deutschen Rap-Fans im besten Falle sträflich unterschätzt, im schlechtesten schlichtweg missverstanden. Dabei haben Künstler wie Juvenile, Mystikal, Mannie Fresh und natürlich Lil Wayne, aber auch Mogule wie Master P und die Williams-Brüder viel dafür getan, Rap mit Cajun-Flavor auch außerhalb der Mardi-Gras-Metropole New Orleans salonfähig zu machen. In Übersee klappte das, sehr zur Freude der Buchhaltungsabteilungen von No Limit und Cash Money Records, spätestens ab Ende der Neunziger bestens. In Deutschland, wo der Begriff »Trap« erst seit 2014 zum Vokabular des Durchschnitts-Rap-Fans gehört und der Terminus »Bounce« in erster Linie für Ahnungslosigkeit sorgt, ist Nachhilfe vonnöten. Die kommt im Falle von »Triksta« von Musikjournalistenlegende Nik Cohn. Cohn, Jahrgang 1946, aufgewachsen im nordirischen Derry, verliebt sich bereits als Jugendlicher in den Sündenpfuhl, den sie verheißungsvoll »The Big Easy« nennen. Bis er Ende des vergangenen Jahrtausends anfängt, sich mit der dortigen Rap-Szene auseinanderzusetzen, ist er bereits jenseits der fünfzig, hat Rocklegenden wie The Who auf US-Tour begleitet, sich Hepatitis C und eine Anklage wegen des Schmuggels von indischem Heroin im Wert von vier Millionen US-Dollar eingefangen. Klar, der alte weiße Mann ist ein Eindringling in Calliope, Magnolia und den anderen Projects, deren Überreste in den Jahren nach Hurrikan Katrina endgültig dem Erdboden gleichgemacht wurden. Und doch schafft er es, sich einen Namen als der Europäer mit Industriekontakten zu machen. So begleitet er im Laufe einer mehrjährigen Phase die Karrieren aufstrebender Rapper, ohne dass ihm oder seinen Protégés der ganz große Erfolg vergönnt ist. Cohns subjektive Schreibe ist bisweilen anstrengend, wirkt mal arrogant, mal selbstgefällig – aber »Triksta« ist eben keine strikte Chronologie des New-Orleans-HipHop, sondern eine Beschreibung vieler Einzelschicksale – in der überarbeiteten Version von 2007 übrigens mit einem Epilog, der sich mit den Folgen von Katrina auseinandersetzt.

Text: Jakob Paur

Check The Technique: Liner Notes For Hip-Hop Junkies (2007)

Brian Coleman
(Villard)

Linernotes auf der Rückseite von Schallplatten sind in der Historie von Musikveröffentlichungen vor allem im Jazz oder Rock eine Ebene, auf der dem Fan von Fachleuten häufig die Musik und der Künstler eingeordnet wird – auch vor dem musikgeschichtlichen Hintergrund und Zeitgeist. Es können aber auch Essays sein, eine Sitte, die allerdings weitgehend ausgestorben ist. Diesen Extraschritt der Wertschätzung gegenüber von Alben zu gehen, haben sich ab der Mitte des letztens Jahrhunderts aber immer mehr Plattenfirmen gespart – es kostete einfach zu viel Arbeit und Geld. Was übrigblieb, waren die Credits darüber, wer welchen Song produziert hat plus ein paar persönliche Worte und Shout-Outs vom Künstler. In den Achtzigern und Neunzigern waren Credits auf Rap-Platten wichtige Indizien, um neue Künstler zu finden oder eine bisher unbekannte Verbindung zu entdecken – quasi ein analoges Internet. Spätestens ab dem Beginn der Mp3s gingen aber auch diese Informationen weitgehend unter. In diese Lücke stößt der US-Autor Brian Coleman vor, zunächst mit seinem Buch »Rakim Told Me«, für das er damals keinen Verlag fand und dann kurzerhand selbst veröffentlichte. Ausgehend von diesem Band wurde seine Arbeit später als »Check The Technique: Liner Notes For Hip-Hop Junkies Vol. 1 & 2« ergänzt und wiederveröffentlicht. Hierfür führte Coleman detaillierte Interviews zu Klassikeralben der Neunziger mit Künstlern wie A Tribe Called Quest, Wu-Tang Clan, Beastie Boys, Ice Cube, The Fugees, Pete Rock & CL Smooth oder Mos Def & Talib Kweli. Aber auch legendäre Alben von Achtzigergrößen wie Eric B. & Rakim, Run-DMC, Public Enemy oder der »Wild Style«-Soundtrack erfuhren eine ausführliche Beleuchtung und bekamen hier ihren lang verdienten Respekt gezollt. Es sind die Hintergrundinfos zu den besten der besten Alben des »Golden Era«-Raps. Eingeleitet wird jedes Album mit einem Essay von Coleman, gefolgt von einem Interview und einer Track-by-Track-Erläuterung der Musiker. Dabei werden verschiedenste Einflüsse wie die Umgebung, Studioausrüstung, besondere Tricks der Produzenten und Toningenieure erläutert. Von Sample-Quellen und Klanginspirationen über gelöschte Verses, Skate-Rampen im Studio bis hin zu #4080-Plattenfirmen-Abfucks und skurrilen Erlebnisse mit Bringdiensten wird hier der Wahnsinn hinter den Meisterwerken aufgezeigt. Eine Chronologie aus Siegen und Niederlagen, die alle ihren Teil dazu beitrugen, diese ikonoklastischen Alben des HipHop-Kanons zu erschaffen.

Text: Falk Schacht

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