IAMNOBODI – German Beat Export // Future Beats (Pt. VI)

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Die Schlüsselmomente – IAMNOBODIs Karriere hat sie wie jeder andere halbwegs erfolgreiche Werdegang auch. Da wären die Erinnerungen daran, wie sein Vater, damals noch Sänger und Gitarrist einer Blues-Band, die Küche ihrer Düssel­dorfer Wohnung mit seinen Songs füllt. Oder der Homie, der dem pubertierenden IAMNOBODI die Produktionssoftware Reason zeigt und dafür sorgt, dass der junge MC Stift und Papier bald beiseite legt und sich die Zeit lieber am Rechner vertreibt.
 
Der große Game Changer lässt jedoch noch einige Jahre auf sich warten: Die verspätete Teilnahme an einem Remix-Contest des dänischen Electro-Soul-Duos Quadron entpuppt sich für den heute 27-Jährigen als Türöffner. »Ich war eigentlich viel zu spät dran, um überhaupt noch mitzumachen. Aber dann habe ich den Remix zu ‚Average Fruit‘ doch noch fertiggemacht und an Quadron geschickt.« Die in Los Angeles lebenden Skandinavier sind so begeistert, dass sie den Track prompt über ihre Kanäle teilen. »Das Feedback war, zumindest für meine damaligen Verhältnisse, wirklich groß«, erinnert sich IAMNOBODI. Die Resonanzen bestärken ihn gleichzeitig in dem Glauben, einen Signature Sound gefunden zu haben: warme Neo-Soul-Anleihen treffen auf einen Uptempo-Bounce, der in gleichen Teilen von Dilla, Timbo, Madlib und Pharrell inspiriert scheint und mittlerweile Partys auf der ganzen Welt zum Kochen bringt.
 

 
Auch auf dem Radar des Kollektivs ­Soulection taucht er mithilfe von »Average Fruit« auf. Gründer Joe Kay kontaktiert IAMNOBODI via Soundcloud und signalisiert Interesse an einer Zusammenarbeit. Seine Debüt-LP »Elevated« erscheint im Oktober 2013 über die kalifornische Geschmacksinstanz. Heute ist seine Verbindung zur Westküste nicht unerheblicher Baustein eines weltweiten Following, das die Like-Zahlen der meisten deutschen Beat-Kollegen zwergenhaft erscheinen lässt. »Wegen diesem einen Remix spiele ich jetzt eine US-Tour«, konstatiert IAMNOBODI in einem Anflug von Sentimentalität bei einem Spaziergang durch Kreuzberg, wo er seit Mitte 2014 wohnt. Auch die Zusammenarbeit mit seinem Manager, dem Jakarta-Records-Gründer Jannis Stürtz, öffnet dem Neuberliner ab August 2013 zahlreiche Türen. In den vergangenen Monaten platziert er seine Produktionen auf den Alben von Kool Savas, Afrob und Schwesta Ewa, und arbeitet zeitgleich mit den britischen Newcomern Little Simz und Jay Prince. »Wenn ich meinem Twitter-Feed glauben schenke, produziere ich am Tag fünf Tracks für irgendwelche Rapper, von denen ich noch nie gehört habe«, fügt er mit einem Lächeln hinzu. »Letzten Endes sehe ich das als Wertschätzung meiner Arbeit.«
 
Der Nachfolger von »Elevated« soll zu 65 Prozent fertig sein. Ohne strikte Deadline oder Vertrag ist der Sommer 2015 als loses VÖ-Datum angepeilt. »Oft mache ich was, höre es mir an und bin total zufrieden. Drei Tage später höre ich wieder rein und finde es scheiße. Das ist Fluch und Segen zugleich«, beschreibt er den Schaffensprozess. »Mein Anspruch ist eine gewisse Musikalität. Es ist schwer, das diplomatisch zu formulieren, ohne dass sich Kollegen davon abgefuckt fühlen. Aber ich sehe mich nicht zwingend als Beatmaker, sondern eher als Produzent und als Musiker.«
 
Illustration: Bastian Wienecke
 
Hier geht’s zu den ersten fünf Teilen unserer Future Beats-Serie:
Kaytranada – The MonTrillest // Future Beats (Pt. I)
STWO – Around The World // Future Beats (Pt. II)
Mura Masa – Konichiwa, Bitches // Future Beats (Pt. III)
Ta-ku – Future Classics From Down Under // Future Beats (Pt. IV)
Mr. Carmack – Deaf Jams // Future Beats (Pt. V)
 
Dieses Feature ist erschienen in JUICE #166 (hier versandkostenfrei nachbestellen)
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