Ta-ku – Future Classics From Down Under // Future Beats (Pt. IV)

Ta-ku-Basti-Wienecke
Regan Matthews aus Perth ist der Star der weltweiten Beatblase und mehr ­Entrepreneur als verschlossener Bedroom-Producer: Er hält Online-Geschäfte, einen Barbershop und seinen hyperventilierenden Soundcloud-Account am Laufen und nimmt sich so viel Zeit für seine Frisur und sein Instagram-Profil wie für seine neo-boombapigen Beatcollagen. Am Telefon erweckt der Macher den Eindruck eines grundsympathischen, nerdigen Freigeists. 2008, kurz nachdem er das erste Mal mit Fruity Loops experimentiert und versucht, die Ästhetik von Pete Rock, Premo und Dilla nachzubauen, wird er zur Red Bull Music Academy nach Barcelona eingeladen. Als Alumni im Jahrgang von Dorian Concept, Hudson Mohawke und Onra erschließt sich ihm in Europa ein neuer Zugang zu instrumentalem HipHop: »Für mich ist dort ein kreativer Knoten geplatzt. Ich hatte keinerlei Vorwissen und war nur damit beschäftigt, all diesen Talenten über die Schulter zu schauen. Der Aufenthalt und die Künstler dort haben mein Leben verändert.«
 

 
Ta-ku generiert zunächst Klicks auf Myspace durch Remixe und Edits und schart mit den Tribut-Beattapes »50 Nights For Dilla« und »25 Days For Nujabes« schon früh eine große Followerschaft um sich. Mit der globalen Beat-Elite bandelt er über die kalifornischen Geschmäckler-Imprints Soulection und HW&W, das Berliner Frickler-Forum Project: Mooncircle und die Kölner Beat-Instanz Melting Pot Music an: »Ich bin einfach mit vielen guten Menschen befreundet, die viele gute Labels betreiben. Und ich genieße es, formlose Verträge zu schließen.« Seine engsten Musik-Kumpels aus der Heimat sind Chet Faker und Flume, die sich alle gegenseitig remixen und in Australien mittlerweile Hallen füllen. 2015 gibt es kaum Musiker aus Down Under (Iggy Azalea ausgenommen), die einen größeren Hype erfahren als das Kreativ-Trio Ta Chet Flu. Ein gemeinsames Projekt steht im Raum, der Weltruhm der Solokünstler dem jedoch vorerst im Weg.
 
Matthews hingegen tourt nur ungern, zieht sich mit seiner Familie zurück und bereist die Welt lieber im Auftrag von Sneakermarken und Kameraherstellern, die sich um Endorsement-Deals mit dem Global-Beat-Player und Hobbyfotografen reißen. Anfang des Jahres überschreitet sein Soundcloud-Profil die 30 Millionen-Klick-Marke. Längst hat sich die nächste Generation das Potenzial des Musikportals zu eigen gemacht. Auch die musizierenden Kinder von Will Smith werden Fans: Erst berappt Willow ungefragt, später ihr 15-jähriger Bruder Jaden nach Absprache die samplelastigen und souligen Instrumentals von Ta-ku.
 
Nicht wenige Meinungsmacher behaupten, dass die Zukunft des Beats bei Ta-ku in guten Händen liegt: »Die Beat-Produzenten sind der Popwelt immer einen Schritt voraus und machen die verrücktesten Dinge im Untergrund, die später adaptiert werden. Es macht einfach Spaß, zu sehen, wie sich die Szene ständig neu erfindet und sich zu einer Art innovativer Speerspitze von guter Musik entwickelt.« Sein noch für dieses Jahr angekündigtes Debütalbum veröffentlicht Ta-ku über Future Classic – das australische Label, das bereits mit seinen Brudis Chet Faker und Flume alles richtig gemacht hat.
 
Illustration: Bastian Wienecke
 
Bereits erschienen:
Kaytranada – The MonTrillest // Future Beats (Pt. I)
STWO – Around The World // Future Beats (Pt. II)
Mura Masa – Konichiwa, Bitches // Future Beats (Pt. III)
 
Dieses Feature ist erschienen in JUICE #166 (hier versandkostenfrei nachbestellen)
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