Earl Sweatshirt feat. Frank Ocean – Sunday (Track)

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Der Kendrick-Kater steckt noch tief in den Knochen. Was zur Hölle ist da gestern passiert? Ein HipHop-Moment von historischer Reichweite. Weltverändernd, mindestens – am ehesten noch vergleichbar mit Fiddys »How To Rob«-Freestyle oder Jay Zs »Dear Summer«-Rant. Einer, der in der Todesliste von Kendrick völlig zu unrecht unerwähnt bleibt, ist Earl Sweatshirt. Sein Album »Doris«, das am 20. August erscheint, wird trotzdem großartig. Ein weiteres Beweismittel: »Sunday« mit Frank Ocean.

 

Auf knapp dreieinhalb Minuten verdichtet sich hier die Atmosphäre von »Channel Orange« mit den weit zurückgelehnten Raps des Mixtape-Debüts von Earl. Stumpfe Drumsounds, Kirchenorgeln, vereinzelte Piano-Licks und eine verzerrte Gitarren tragen die Folk-artige Melodie, die entfernt nach einem Überbleibsel aus den Studio-Sessions von Frank und Om’Mas Keith klingt. Die Fleetwood-Mac-Referenz macht hier absolut Sinn: »Super Rich Kids« 2.0 quasi.

 

Ein Sonntag in Zeitlupe. Zeit für Gefühle, große Gefühle: Versagensängste gegenüber der Freundin, das schwierige Verhältnis zu seiner Mutter, der plötzliche Fame – Abgewandelt von Earl in technischer Perfektion über gefühlte 60 BPM. Das Leitmotiv: »Everything is better when you’re high«. Kein Pot zu rauchen, lässt die Träume verblassen und macht die Alpträume lebendiger.

 

Wer nach den 20 Bars einen zuckersüßen Frank Ocean erwartet, wird enttäuscht. Typ kann spitten. Und wie. Auf »Blue Whale« hat er schon seine Doubletime-Fähigkeiten gezeigt, jetzt zielt er auch. Das Opfer: Chris Brown. Der soll ihn während ihrem medial breitgetretenen Aufeinandertreffen eine Schwuchtel gennant haben. Bester Konter: »I mean how anal am I gonna be, when I’m aiming my gun«. Mit seinem »Outing-Brief« hat er einen Paradigmenwechsel eingeleitet und führt diesen nun konsequent weiter – Danke, Frank Ocean!

 

»Sunday« wird wohl weniger Shitstorms als Kendricks Part auslösen, ist von seiner musikalischen Bedeutung aber nicht weniger relevant. Eine besondere Woche für HipHop, in einem ohnehin schon verrückten Jahr für die Kultur, hat gerade erst begonnen.