Die Orsons – What’s Goes // Review

Die-Orsons-Whats-Goes

(Chimperator/Universal)

Wertung: Viereinhalb Kronen

Klebrige Schlümpfe, süß-saure Apfelringe, geile eklig-salzige Salzheringe und lauter kunter­bunte Jelly Beans. Nichts hat sich geändert bei den Orsons. Auch das vierte Album des Chaoten-Kollektivs aus BaWü schmeckt wie eine bunte Tüte Süßes: Häufig toll, irgendwie aber auch nach »Guilty Pleasure«, und ab und zu viel zu überzuckert. Nichts hat sich geändert. Obwohl? Da ist schon was. Denn tatsächlich ist »What’s Goes« die erste Platte der Orsons, die man am Stück und ohne Verschnauf­pausen angenehm genießen kann. Im Klartext: Album Nummer vier ist eindeutig das stärkste in der gemeinsamen Diskografie von Maeckes, Kaas, Tua und Bartek. Zu verdanken haben wir das zuallererst Tua, der diesmal musikalisch eindeutig die Fäden in der Hand zu halten scheint. Seine Regie resultiert in großartig verfremdeten Vocal-Samples von Hinz (aka Jay Z) und Kunz (aka Oettinger), zeitgeistigen Details, typischen Tua-Störeffekten, abwechslungsreicher Rhythmik, komisch perfekten Tempowechseln innerhalb der Stücke und Drums und Bässen, die so perfekt abgemischt sind, dass jeder Soundfetischist im Quadrat springt. So, ein Satz der Huldigung noch, dann können wir auch weiter im Text: Tua ist ein Visionär! Ansonsten gilt bei den Orsons noch immer: »Everybody dos, as he pleases«, wie Günther Oettinger zu Beginn des Albums verkündet. Im schlimmsten Fall resultiert das in dem gnadenlos überzuckerten Stück »Sunrise 5:55 am«, auf dem Kaas seinen inneren Back­street Boy entfesselt. Klamauk-Rap, wie MC Bomber sagen würde. Zum Ende des Albums zählt man aber zum Glück nur drei fehlgeschlagene und 14 geglückte Experimente, die man so auf keinem anderen Album zu hören bekommt. »Chillen« mit Maxim ist ein gut beobachtetes, nachdenkliches Stück über Vergänglichkeit, Lethargie und Weltverdruss. »Ventilator« sowie »Tornadowarnung« ergeben hervorragende Rap-Abfahrten, wie man sie sich von den Orsons wünscht. »Seitdem« wiederum ist ein verkopftes, wunderschönes Stück Tua-Musik ohne Vergleichsparameter. So wie »What’s Goes« hätte bereits »Das Chaos und die Ordnung« klingen sollen. Noch was? Ach ja: Diese Produktion!

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