Pusha T: »Trump ist der schlechteste Präsidentschaftskandidat aller Zeiten.«

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Selbst mit The Clipse hat Pusha T nie Millionen von Alben verkauft, aber heute respektiert man ihn, als gehörte ihm die ganze verdammte Bank. Kanye West bezeichnet den 38-Jährigen als »Herz der HipHop-Kultur« und ernannte ihn Ende 2015 zum Präsidenten seines Labels G.O.O.D. Music. Großproduzenten rennen Pusha T die Studiotür ein, wenn der Mann aus Virginia Beach ein neues Album plant. Nun gibt es sogar zwei: Das unlängst veröffentlichte Warmup-Programm »Darkest Before Dawn: The Prelude« und das für April geplante Hauptwerk »King Push«. Wird sich der ewige Kritikerliebling damit endgültig zum Superstar krönen?

Pusha T hat nicht viel Zeit, aber er hat Bock. Schon bevor er sich kurz vor Jahresfrist den Job als Labelchef von G.O.O.D. Music aufhalste, fehlte es ihm nicht an Beschäftigung. Der Mann, der als Terrence Thornton geboren wurde und von Mitte der Neunziger- bis Mitte der Nullerjahre gemeinsam mit seinem Clipse-Bruder Malice den Ton im Coke-Rap angab, ist inzwischen eine Art gutes HipHop-Gewissen; eine moralische Instanz, bei der von Kanye West bis Diddy alle großen Männer vorsprechen, die an der Szene- und Straßentauglichkeit ihrer Entscheidungen zweifeln; ein Vorbild für junge MCs – nicht nur wegen seines gut dokumentierten Aufstiegs vom Drogendealer zum Drogendeal-Rapper, sondern auch wegen der unbestechlichen Integrität, mit der er noch bis 2010 allerlei Plattenfirmenmist ertragen hat.

Seitdem ist Pusha T bei G.O.O.D. Music, und seitdem läuft es in der Tat, nun ja, good. Selbstverständlich war das nicht: Die Phase der Orientierungslosigkeit und Entschlussschwäche, mit der die Musikindustrie in den Jahren nach der Napster-Revolution lange zu kämpfen hatte, hat einigen ähnlich -talentierten Rappern die Karriere verhagelt – auch Pusha T hätte durchs Raster fallen können. Mit The Clipse landete er nach einigen Plattenfirmen-Irrwegen beim Charts-Pop-Label Jive, dessen notorisch schlechtes HipHop-Marketing seit jeher branchen-bekannt ist. Trotz wegweisender Neptunes-Produktionen und Pusha Ts Charisma gelang The Clipse deshalb nie der breitenwirksame Durchbruch, der mit Hits wie »Grindin’« und »Mr. Me Too« eigentlich drin gewesen wäre.

 
Aber geschenkt. Pusha T hat sich durch die schweren Jahre gebissen, dann kam der Assist von West, und nun hat er Rückenwind wie seit dem offiziellen Clipse-Debüt »Lord Willin’« nicht mehr. Gleich zwei neue Soloalben feiern diesen Umstand: das bereits veröffentlichte »Darkest Before Dawn« und das für April angekündigte »King Push«. Auf ersterem gefällt sich Pusha T in Triumphgesten; es ist eine boshafte, höhnische Platte, die sich nicht nur am eigenen Überleben erfreut, sondern mehr noch an jedem anderen Rapper, der auf der Strecke geblieben ist. Pusha T begleicht alte Rechnungen, geht schlechte Ratschläge ehemaliger Geschäftspartner durch und berauscht sich an seiner Unfehlbarkeit. Es gab schon Rapalben, die einem mehr zu Herzen gegangen sind, aber es gab lange keins mehr, das sein düsteres Programm so konsequent durchgezogen hat.

Deshalb: Pusha T hat Bock. Wir sprachen Mitte Januar nach einer Gym-Session mit ihm über seine neuen Alben, sein Verständnis von Verletzlichkeit und Liebeskummer sowie die Männer in seinem Leben: Kanye West, Timbaland, Diddy, Q-Tip, Präsident Barack Obama und Möchtegern-Präsident Donald Trump.

Pusha T, für »Darkest Before Dawn« fährst du das größte Staraufgebot an Produzenten in deiner bisherigen -Karriere auf: Kanye West ist dabei, Timbaland, Diddy, Q-Tip und so weiter. Und dann hast du diesen Leuten gesagt, sie sollen dir das düsterste Zeug geben, das sie machen können. Wie kam das an?
Nun, ich denke nicht, dass ich irgendeinen meiner Produzenten gezwungen habe, völliges Neuland zu betreten. Sie alle haben diese düstere Energie, die du ansprichst, und die mir für »Darkest Before Dawn« vorschwebte, schon mit ihrer früheren Arbeit angezapft. Und weißt du, es macht Spaß, diese Energie anzuzapfen – gerade wenn man als Produzent eher für seine Hits bekannt ist und die Leute nicht mehr unbedingt von einem erwarten, dass man etwas so Hartes macht, wie du es auf meiner neuen Platte hörst. Wenn Timbaland etwas Neues herausbringt, erwarten die Leute einen Hit. Ich habe ihm und den anderen gesagt: »Scheißt drauf! Tragt einfach euren Teil zu diesem Gesamtkunstwerk bei! Schlagt euch auf die dunkle Seite! Macht kompromisslose, unverfälschte Rapmusik!«

Du hast diesen Hit–Produzenten gesagt, dass sie keine Hits produzieren sollen?
Nein, nein. Ich wollte nur nicht, dass sie mit dem Gefühl an die Sache herangehen, Hits machen zu müssen. Und auf diese Arbeitsweise sind alle meine Kollaborateure angesprungen. Wenn nun doch ein Hit dabei herumkommen sollte – nun, dann hätte ich auch nichts dagegen.

Wie viel streitest du dich mit diesen Produzenten, die du größtenteils seit vielen Jahren kennst und wahrscheinlich zu deinen Freunden zählst? Ist Reibung wichtig für das Ergebnis?
Gar nicht. Im Studio gibt es bei mir keine Machtspielchen, kein Ringen um Kontrolle. Schau dir die Leute an, mit denen ich zusammenarbeite: Das sind Superproduzenten. Am Ende des Tages bin ich ihr Schüler, und das ist okay. Ich habe meine Vorstellungen und Wünsche, aber mein Ego ist nicht so groß, dass ich den Produzenten bei jedem Detail reinreden würde.

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