Pusha T – Darkest Before Dawn // Review

pusha-t-cover

(Def Jam/Universal Music)

 
Seit Pusha T sich mit »My Name Is My Name« 2013 endgültig aus der The-Clipse-Schablone freischlug und immer mehr auch Props außerhalb von Auskennerkreisen einheimst, wartet die Welt auf jene LP-Großtat, welche sich in Form von »King Push« im April 2016 offenbaren soll. Dessen bewusst, doziert man nun wohl mit »King Push – Darkest Before Dawn: The Prelude« einen musikalischen Vorbereitungskurs aus Left-Overs und Lückenfüllern, die sich auf die Kernkompetenzen des Prototyp Kaltblüters konzentrieren. Lies: Dealer-Quotes, Verdichtungs-Delivery und Doppeldeutigkeiten. »Leave your conscience at the door«, mahnt er bereits mit einem Warnschild in seiner narrativen Bösewicht-Inbrunst auf dem unterkühlt-stampfenden »Intro«. Die Monster wachen gerade erst auf. Seine obligatorischen Anekdoten aus dem Koksticker-Biz bebildert Pusha diesmal aber sogar mit politischen Ansagen, wie etwa auf dem Pro-Black-Pamphlet »Sunshine« an der Seite von Jill Scott: »Brenda’s baby next door to the candy lady/Same project as Candy Man where they still doing hand-in-hands«. »Darkest Before Dawn« ist vordergründig aber eher eine Vergangenheitsbewältigung, werden doch die drug-slanging Clipse-Ansätze mit dem alleinherrschenden »My Name Is My Name«-Selbstverständnis fusioniert, was Diddys und Mario Winans’ (!) »Momma I’m So Sorry«-Update »Crutches, Crosses, Caskets« oder das Neptunes-2000er-Remake »Got Em Coverd« verdeutlichen. So wirken die zehn Reduktions-Maßnahmen von Tracks wie ein Destillat der Y2Ks: Kanye reanimiert seine »MBDTF«-Phase, Timbo holt seine 2000er Acid-Drums hervor und irgendwo dazwischen shuffelt Q-Tip Rumpel-Drums. Doch so intensiv die reservierte Stahlstadt-Atmosphäre von »Darkest Before Dawn« Pushas Stärken hervorhebt, so kurzweilig wirken der »Numbers on the Board«-Aufguss »Untouchable« oder die teilnahmslose Hookline von »M.P.A.«. Sei’s drum. Dieser Jahresabschlussbericht hat sich immerhin noch unter die stärksten Rap-Releases 2015 gemischt. Und auf dieses Album-vor-dem-Album folgt ein köderndes Verlangen nach mehr. Ein Businessmove wie aus dem Dealer-Handbuch.

Text: Fionn Birr

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