Action Bronson – Mr. Wonderful

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(Vice/Warner)
 
Armer Action Bronson. Was auch immer der Rapper aus Queens, New York im vergangenen Jahr versuchte, sein Major-Label-Debüt wollte einfach nicht fertig werden. Mal gab es rechtliche Probleme mit Samples. Mal störte sich die Plattenfirma an seinen weniger appetitlichen Charaktereigenschaften. Hinzu kam Bronsons Lebenswandel zwischen permanenter Wax-Bedröhnung und All-You-Can-Eat-Buffet, der, freundlich ausgedrückt, nicht unbedingt zur Verlässlichkeit beitrug. Als »Mr. Wonderful« dann doch zu aller Überraschung fertig wurde, kamen Drake, Kendrick und Earl dem neuen Warner-Bros.-Zugpferd mit angeblich spontan veröffentlichten Alben zuvor, die Bronsons von langer Hand geplante Platte in den Schatten stellten. Schlimmer noch: Die Alben der Konkurrenz sind einen kleinen Deut besser als »Mr. Wonderful«. Immerhin wiederholt Bronson aber nicht den Fehler seiner EP »Saaab Stories«, die den begnadeten Shitkicker und Trashtalker 2013 in allzu düstere Gefilde führte. Vielmehr forciert er auf »Mr. Wonderful« jede Menge musikalische Ambitionen. Bronson singt mehr als je zuvor, es gibt Blues-Gitarren, längliche Klavier-Outros und sogar schüchterne Erinnerungen an die albanische Prog-Rock-Vergangenheit seines Vaters. In der Mitte des Albums entfaltet sich ein mehrteiliges Storytelling-Epos, mit dem sich Bronson schwermütig wie selten gibt. Kann und sollte man alles machen. Wird nur problematisch, wenn es auf Kosten der Punchlines, gehässigen Beleidigungen und charmant schrottigen Beats geht, die Bronson auf seinen »Blue Chips«-Mixtapes zusammenbrachte. Der stolze Amateur, der sich alles selbst beigebracht hat, ist und bleibt die Paraderolle des 31-jährigen Riesenbabys. Kaum ein »Mr. Wonderful«-Track ist deshalb unterhaltsamer als der formvollendet vor die Wand gefahrene Opener »Brand New Car«. Hier und im angenehm hirnrissigen »Easy Rider« gelingt es ihm, die Unberechenbarkeit seiner Shows auf Platte einzufangen. Das macht auch die Stücke wett, die sich um Leichtigkeit bemühen. Denn sich bemühen, das war noch nie Bronsons Stärke.
 

 

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