Plan B

 

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Die Orsons: Eher die Krusty-Clowns der ­deutschen Rap-Szene als die nächsten bös dreinblickenden Stiernacken mit Hang zum Gangbang. Zum Glück. Zwar ist Plan B sicherlich auch ein Spaßvogel, der sich perfekt in die humoristische Konstellation der Band von der Farm einfügt. Dennoch gibt es da auch noch den Mensch hinter Plan B. Ein Gespräch mit Bartek Nikodemski über Theater, Literatur und das Leben eines Künstlers.

 

Die Orsons schließen sich für die Aufnahmen am Album gemeinsam in einer Wohnung ein. Wie hat man sich das vorzustellen?
Wir haben in einem kleinen Zimmer dieser Wohnung unser Studio errichtet, inklusive der besten Orgel dieser Welt, die auf dem Album auch eine tragende Rolle spielt, und dann haben wir in diesen Räumlichkeiten alles gemacht: geschrieben, aufgenommen, gechillt, gekocht. Es hatte zwar jeder von uns schon vorher einige Ideen, aber eigentlich ist das Album in dieser Wohnung entstanden. Tua und Maeckes haben alles produziert, und dann haben wir alle Ideen für die Texte in einen Topf geworfen und losgelegt. Dadurch sind dann mehr als 20 Tracks entstanden, und die besten zwölf haben es jetzt aufs ­Album geschafft.

 

 

Wie kam es zur Coverversion von Soulja Boys “Turn My Swag On”?
Eigentlich ist der Song bereits auf Tour entstanden. Kaas hat uns diesen Song gezeigt und dann wurde es unser Tourlied. Weil’s halt einfach gute Laune macht und eben auch irgendwie dumm ist. Maeckes hat immer auf ­seiner Gitarre rumgeklimpert, aber weil wir nicht wussten, was wir singen sollten, haben wir eben genau diesen Song in einer langsamen Version darüber gesungen. Und das hat super gepasst. Kaas kam dann auf die Idee dieser Verbindung zwischen dem Namen Soulja Boy und der Kindersoldaten-Thematik. Dieser Idee sind wir nachgegangen und jetzt macht das auch alles Sinn.

 

Wo siehst du dich eigentlich selbst im Bandgefüge der ­Orsons?
Bei diesem Album hätte ich mich lieber mehr beim Gesang eingebracht. Das hat mich ein wenig an mir selbst angekotzt. Aber ich konnte noch schlechter als alle anderen singen, daher ist daraus nichts geworden. Es hat eben Spaß gemacht, aber ich denke nicht, dass ich das vertiefen werde. Mein Soloalbum wird definitiv kein Gesangsalbum.

 

Wie steht es um dieses Soloalbum?
Grob geplant ist es für April. Textlich weiß ich genau, in welche Richtung es gehen wird. Was den Sound anbelangt, bin ich noch nicht ganz sicher. Ich habe schon fünf Lieder gemacht. Und wenn ich so weiter mache wie bei diesen Liedern, dann wird es ein ganz ernstes Album. Damit das nicht passiert, habe ich es erstmal ­liegen gelassen.

 

Warum willst du nicht, dass es ein ernstes Album wird?
Na ja, es kann schon ernst werden, aber jetzt ist es noch zu ­melancholisch, zu traurig. Ich will ja nicht, dass sich die Hörer ­danach vom Haus stürzen. Dafür bin ich einfach auch zu oft ein lustiger Kerl. Es ist eben schwer. Wenn man zum Beispiel sieht, was Dennis Lisk gemacht hat, den man ja auch eher als lustigen Typen kennt. Ich weiß nicht, ob ich mit so einer Art von Musik ­etwas anfangen möchte. Ich bin mir eben nicht sicher.

 

 

Du bist zusammen mit Maeckes auch auf den Theater­bühnen Deutschlands zu Hause. Steht da etwas Neues an?
Wir schreiben gerade ein Stück über Schillers Jugend, da 2010 sein 205. Todesjahr ist. Das war ein Auftrag, damit sind wir aktuell beschäftigt. Und vielleicht finden Maeckes und ich danach Zeit, das nächste große, lange Stück zu schreiben. Bock haben wir auf alle Fälle.

 

Wie kann man sich einen normalen Tagesablauf bei dir ­vorstellen?
Dieses Jahr hatte ich eigentlich keinen “normalen” Tagesablauf, da immer Projekte oder Touren anstanden. Aber ansonsten gehe ich selten vor drei, vier Uhr nachts schlafen, da ich nachts viel Musik höre und lese. Im Sommer bin ich zum Lesen immer mit dem Fahrrad in den Park gefahren. Und sonst gibt es ja die üblichen Pflichten: Einkaufen, Kochen.

 

Würdest du dich selbst als Eigenbrötler bezeichnen?
Ich bin schon eher ein Einzelgänger. Natürlich mache ich gerne was mit meinen Kumpels und gehe feiern, aber ansonsten nutze ich den Tag doch eher zum Musik hören, schreiben und lesen. Die Phase, in der ich diese fünf Lieder aufgenommen habe, war zum Beispiel super! Ich habe jeden Tag nur geschrieben, in meiner ganzen Wohnung lag alles voll mit Songskizzen und Ideen – es war verrückt. Ich habe mein Handy ausgemacht, das Internet ausgemacht – also wirklich ausgemacht! – und habe mich von nichts ablenken lassen.

 

Von welchen Büchern hast du dich denn zuletzt inspirieren lassen?
Zuletzt habe ich von Oscar Wilde “Das Bildnis des Dorian Gray” gelesen, das ist unfassbar gut. Normalerweise lese ich nicht so ganz alte Klassiker, aber das war jetzt ein sehr guter Griff. Aktuell lese ich “Gegen den Strich” von Joris-Karl Huysmans, liebe aber zum Beispiel auch alle Bücher von Milan Kundera. Und was die Inspiration anbelangt: Auch wenn man nur im Freibad die Rutsche ­runterrutscht – es könnte ein Song daraus werden. Als Künstler arbeitet man eben immer.

Interview: Amadeus “Ama” Thüner

 

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