Pedaz & BK – »Ihr könnt mich alle am Arsch lecken« [Interview]

__PEDAZ-BK1
 
Ruhrpott trifft auf Frankenland, hart schuftender Lokalpatriot auf einstigen Teilnehmer von Sidos Reality-Format »Blockstars«: Vordergründig betrachtet könnten Pedaz und BK als Typen kaum unterschiedlicher sein. Aber es gibt sie doch, die Gemeinsamkeiten, sowohl in der Musik als auch im Bezug auf Werte und Moralvorstellungen. »Straight sein« lautet das oberste Credo. Was im konkreten Fall bedeutet, dass man ein Jahr nach der ersten Zusammenarbeit die Kernaussage des Tracks »Deutsch«, sich fürs Deutschsein nicht schämen zu müssen, trotz reichlich Kritik weiterhin verteidigt. Doch während man mit der gemeinsamen LP »100% Macher« die Kollaboration auf Albumlänge fortsetzt, liegt der Fokus dabei nicht auf der Thematisierung der eigenen Nationalität. Vielmehr geht es ums Kräftebündeln, sich als Tag-Team ergänzen und um harte Ansagen. Aber auch um die kleinen Geschichten des Alltags, vom einfachen Leben, das hin und wieder schwierig werden kann, oder vom Urlaub auf Balkonien, Ruhrpottromantik inklusive.
 
Letztes Jahr habt ihr beide eure Debütalben veröffentlicht. In dieser Combo habt ihr zum ersten Mal auf Pedaz‘ Platte zusammengefunden. Jetzt setzt ihr eure Zusammenarbeit mit »100% Macher« fort. Hat es zwischen euch beiden so gut geklappt?
PEDAZ: Wir haben uns damals in Berlin über unseren gemeinsamen Bekannten Liquit Walker kennengelernt. Dort haben wir dann diesen »Deutsch«-Song gemacht, der gut ankam. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und ein bisschen Party gemacht. Viele Leute aus unserem Umfeld haben uns anschließend gesagt, dass wir gut zusammenpassen. Der Gedanke war dann: Vom Bekanntheitsgrad befinden wir uns auf derselben Stufe, von daher können wir uns beide gegenseitig pushen.
 
Pedaz, du bist absoluter Lokalpatriot, was du auch immer wieder in deiner Musik thematisierst. Wie passen der Ruhrpott und Würzburg zusammen?
BK: Uns verbindet die Mentalität, ein gerader Mensch zu sein, nicht der Wohnort. Es gibt viele verschiedene Leute, mit manchen versteht man sich, mit manchen nicht. Ich bin jetzt auch nicht der typische Franke, deswegen würde ich das nicht an Würzburg oder Essen festmachen.
PEDAZ: Ich finde, wir passen musikalisch sehr gut zusammen. Wir ergänzen uns bei den Aufnahmen und haben viel voneinander gelernt.
 
Was macht denn euer gemeinsames Album aus?
BK: Wir haben richtig energische Beats, starke Produzenten und flow- und raptechnisch richtig auf die Kacke gehauen.
PEDAZ: Wir haben verschiedenste Themen. Ich würde auch behaupten, wir haben mit dem Track »100% Macher« in Deutschland das erste Mal auf einen Trap-Beat richtig Mucke gemacht.
 

 
Und wo würdet ihr sagen, liegt euer thematischer Schwerpunkt?
BK: Zerlegen.
PEDAZ: Wir machen technisch anspruchsvollen Punchline-Rap. Gerade BK hat flowmäßig einiges auf dem Kasten. Ansonsten haben wir auch ein, zwei deepe Dinger. Ein Sommersong ist auch dabei.
BK: Pedaz ist eigentlich aus der Punchline- bzw. Battlerap-Ecke. Ich mache eher Themensongs. Also haben wir beides verbunden.
 
Die Features auf der Platte kommen u.a. von RAF Camora, PA Sports, Fard, Witten Untouchable und Jonesmann. Wie haben sich diese Kooperationen ergeben?
PEDAZ: Mit Witten Untouchable zu arbeiten war für mich natürlich ein Kindheitstraum. Lakmann ist im Pott eine Legende, nicht nur hier, aber im Ruhrpott besonders. Er hat den Pott früher auf die Karte gebracht. Der Rest hat sich so ergeben. Wir haben auch noch Twin drauf, auf einem Song namens »Gardemaß«. Da hat Twin dann auch mit seinen körperlichen Attributen gut draufgepasst.
BK: Wir haben das Album in nur wenigen Tagen geschrieben und aufgenommen. Das waren die Leute, mit denen wir zu der Zeit in Kontakt standen.
PEDAZ: Ich wollte eigentlich gar nicht so viele Features drauf haben. Aber dadurch, dass es jetzt doch so viele geworden sind, sind richtige Songs entstanden. Wir haben auf einem Track beispielsweise zwei verschiedene Sänger und noch einen anderen Rapper. Das ist ein bisschen 2001-Style geworden, würde ich schon fast behaupten. Das war aber eigentlich unabsichtlich.
 
Lasst uns mal über euren Titel »Deutsch« sprechen, der Track, der euch erstmalig in dieser Formation vereint hat. Welche Motivation steckte dahinter, einen solchen Track zu schreiben?
BK: Ist ganz klar, das haben wir auch schon tausendmal erklärt. Als Deutscher kann man nicht sagen, dass man deutsch ist. Und wir haben gesagt: Ich bin deutsch.
PEDAZ: Wenn meine Jungs ihre Libanon-Flagge im Video hochhalten, dann ist das alles cool und die Leute feiern es total. Und wenn man eine Deutschland-Flagge hochhält, wird man direkt abgestempelt. Ich meine, es war WM, wir sind Weltmeister geworden, da hatte jeder seine Fahne draußen.
 
Die Kritik war sowohl positiv als auch negativ. Würdet ihr sagen, dass ihr euer Anliegen auf eine angemessene Art und Weise mitgeteilt habt? Würdet ihr das wieder so machen?
BK: Auf jeden Fall.
PEDAZ: Eine Sache hätte ich vielleicht anders gemacht. Diese Line in der Hook: »Auch wenn es diesen Hitler einmal gab«, das ist ja schon fast wieder entschuldigend. Ich meine, das ist ein Bastard gewesen, ganz klare Kiste. Ich habe selbst Deutschland immer damit verbunden, und das ist auch das, was die Leute machen. Das ist das Doofe. Vielleicht hätte ich die Line einfach weglassen sollen, aber im Großen und Ganzen ist alles cool.
BK: Ich finde die Line hat es schon erklärt.
 

 
Knapp 70 Jahre ist das Ende des Zweiten Weltkriegs her. Keine so lange Zeit. Findet ihr nicht, dass wir vielleicht nicht die Generation sind, die diesen Anspruch des Deutschseins erheben sollte und das auch kundtut?
BK: Wer hat denn das Auto gebaut, in dem du fährst? Warum darf ich denn nicht sagen, dass ich deutsch bin? Wer ist denn Weltmeister geworden?
 
Aber aufgrund unserer Geschichte ist es auch heute ein noch ziemlich sensibles Thema.
BK: Warum darf ich sagen, »ich bin Amerikaner«, wenn ich Amerikaner bin? Die führen auch Kriege, trotzdem dürfen sie es sagen.
PEDAZ: Dort ist es auf jeden Fall hart mit dem Patriotismus, das ist richtig krass. Und die bringen auch Leute um.
BK: Jeder Krieg ist komplett für den Arsch. Wir distanzieren uns komplett davon. Das hat nichts mit dem Krieg zu tun. Wir haben persönlich nichts damit zu tun.
PEDAZ: Wir machen ja nicht so eine Hurensohn-Musik wie diese braune Scheiße, diese Rechtsrock-Kacke.
 
Könnt ihr das andersherum dann nachvollziehen, wenn gewisse Leute euch als Nazis bezeichnen?
BK: Nö.
PEDAZ: Ja klar, ich kann das verstehen. Die haben vielleicht nicht so weit gedacht oder keine Ahnung. Die müssen einfach mal ein bisschen weiterdenken. Vielleicht müssen die auch mal ihre Scheuklappen abnehmen. Dann verstehen sie das.
BK: Ich sag dazu: »Ihr könnt mich alle am Arsch lecken.«
 
Patriotismus spielt ja in manchen Tracks eine große Rolle für euch. Warum ist es euch überhaupt so wichtig, eure Nationalität in dieser Form zu thematisieren?
PEDAZ: Ich weiß nicht, wie BK das sieht, aber ich habe die Reaktionen gesehen und amüsiere mich auch teilweise über die Leute. Dann spielt man natürlich auch gerne mal damit. Ich sag auch klipp und klar: Es gibt auch für den deutschen Jugendlichen ohne Migrationshintergrund keine Musik, die die deutsche Identität so wirklich aufgreift. Also keine gute Musik. (lacht)
 
Und da habt ihr gesagt: Das machen wir jetzt mal richtig?
PEDAZ: Ja, hab ich gesagt. Ich weiß nicht, wie BK das sieht.
BK: Ich bin teilweise in Amerika aufgewachsen. Wo ich gewohnt habe, war ich der einzige Weiße und hab da Probleme gehabt, weil ich eben weiß bin. Ich bin dann hierher gekommen, mit vielen Ausländern und auch mit vielen Deutschen aufgewachsen. Aber wir haben uns nie was gefallen lassen. Ich bin so aufgewachsen, dass ich mir nichts gefallen lassen muss. Auch damit, dass ich mir nicht vorwerfen lassen muss, was vor 100 Jahren mal war. Es interessiert mich alles nicht, das hat nichts mit mir zu tun. Wenn hier jeder sagen kann, dass er stolz auf seine Herkunft ist, dann kann ich das auch.
 

 
Ist das vielleicht auch so ein bisschen das, was euch zusammengebracht hat? Auf dem aktuellen Album gibt es den Track »Zwei Deutsche, ein Gedanke«. Den könnte man quasi als Fortsetzung von »Deutsch« verstehen.
BK: Das war auf jeden Fall eine Idee.
PEDAZ: Ja, das kann schon als Fortsetzung gesehen werden. Der Titel klingt ein bisschen brachial, ist aber abgeleitet von »Zwei Dumme, ein Gedanke«. Wir hatten damals beide die Idee zu diesem »Deutsch«-Song und da dachten wir: Zwei Dumme, ein Gedanke. Und dann waren wir besoffen im Studio und dachten uns, wir nennen ihn »Zwei Deutsche, ein Gedanke« und machen einfach eine Fortsetzung. Da erklären wir auch eigentlich nochmals die Situation. Das ist aber ja auch der einzige Song, der in diese »Deutsch«-Richtung geht.
 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here