»Jesus Is King«: Kanye West und die Religion // Feature

Kanye Wests religiöse Mission findet in den »Sunday Services« und »Jesus Is King« eine Vollendung, die in seiner Musik immer präsent war. Ein Blick auf den spirituellen Weg von Yeezus.

»I Am A God« und der Protest durch Selbsterhöhung

»I just talked to Jesus/ He said ‚what up, Yeezus’«. Kanye Wests stärkster Glauben war seit jeher der in seine eigene Genialität. In seinem rohen und aggressiven Album »Yeezus« schlug sich diese Selbsterhöhung am deutlichsten nieder. Als direkter Nachfolger von Jesus präsentierte sich Ye nun als Yeezus, ließ sich mit Dornenkranz auf dem Cover des Rolling Stone Magazins ablichten, einen Jesus-Double auf Konzerten auftreten und proklamierte mit »I Am A God« seinen Status als Schöpfer und Influencer der modernen Rap-Musik.

»I Am A God«

In einem Interview mit BBC Radio 1 erklärte West, dass er die Inszenierung seiner selbst als Gott nicht nur zur Unterstreichung des eigenen Erfolgs wählte, sondern zugleich als Statement des gewonnen Selbstbewusstseins der Black-Community sah: »Would it have been better if I had a song that said I was a gangsta? Or if I had a song that said I was a pimp? All those colors and patinas fit better on a person like me, right? But to say you are a god, especially when you got shipped over to the country you’re in, and your last name is a slave owner’s, how could you say that?«. Die religiöse Selbsterhöhung Kanyes zeigte sich auch in der »Cruel Summer«-Single »New God Flow«, auf der sich der G.O.O.D head mit seinem Label-Kollegen Pusha-T zeigte.

Die Folgen der gott-gleichen Inszenierung Kanyes führen 2014 zur anonymen Gründung einer Glaubensgemeinschaft namens »Yeezianity«, der sich im Internet zahlreiche Fans anschließen. Der darin vertretene Glauben stützt sich auf die folgenden fünf Säulen:

1. All things created must be for the good of all
2. No human being’s right to express themselves must ever be repressed
3. Money is unnecessary except as a means of exchange
4. Man possesses the power to create everything he wants and needs
5. All human suffering exists to stimulate the creative powers of Man

»Ultralight Beam« – Ruhm und Erleuchtung

Mit »Life Of Pablo« brachte Kanye 2016 sein Album mit dem wohl stärksten religiösen Ausschlag. Ye selbst betitelte das Album als ein Gospel Album und zeigte mit der Planung zum Bau einer eigenen Kirche, wie auch mit der Taufe seiner Tochter Sainth West in Jerusalem, eine Hinwendung zur christlichen Religion. Die ersten Worte Kanyes auf seinem siebten Studioalbum unterstreichen dies, mit dem ihnen inneliegenden religiösen Pathos: »I’m tryna keep my faith / We’re on a ultralight beam/ This is a god dream / This is everything«. Auf dem von Rick Rubin und Chance The Rapper produzierten Song sind die drei markantesten Charakteristika der Inszenierung von Religion in Kanyes Kunst zu erkennen: Da wäre als erstes die bereits bei »Jesus Walks« und »I Am A God« festgestellte Verknüpfung des Themas Religion mit der eigenen Person, in diesem Fall die im Song erzählte Verknüpfung von Kanyes Alter-Ego Pablo mit der Geschichte des Apostel Paulus.

»I’m tryna keep my faith.«

Zum anderen zeigt sich die Verwendung des Licht-Motivs. Dieses war für Ye schon immer Ausdruck für Prominenz und Ruhm (»All Of The Lights«, »Flashing Lights«, »Highlights«, »Low Lights« und »Streetlights«) und zugleich Motiv seiner Spiritualität (»Ultralight Beam«), in Form des auf ihn fallenden göttlichen Lichts. Das dritte Charakteristika ist das wohl am wenigsten streitbare: der schon immer dagewesene Einfluss von Gospel-Musik auf Kanyes Schaffen, der in »Ultralight Beam« durch den Gesang des Pastors, Gospel-Grammy-Gewinners und Freund Kanyes Kirk Franklin verkörpert wird.

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