Cozz: »Ich habe Angst, mein Momentum nicht nutzen zu können« // Feature

Ein junger Mann, der mit geschlossenen Augen über dem Boden schwebt. Dann eine ­Straßenecke: W 106th Street, Ecke Denker Avenue. Gäbe es einen Ort, an dem man Cozz’ Karriere­start verorten könnte, wäre es besagte Kreuzung in L.A., South Central. Denn mit diesen Einstellungen beginnt Cozz’ Clip zu »Dreams«, durch den sein Mentor J. Cole auf ihn aufmerksam wurde und ihn kurze Zeit später bei Dreamville unter Vertrag nahm. Das war 2014. Und dabei hatte Cozz erst 2013 ernsthaft mit dem Rappen begonnen.

Als Cody Osagie, wie Cozz mit bürgerlichem Namen heißt, sich eines Sommers nach der Schule mit seinen Freunden traf, beschlossen sie, dass jeder von ihnen für den nächsten Tag einen Vers verfassen sollte. Er blieb die ganze Nacht wach und feilte an seinen Bars, einzig mit dem Ziel, seine Freunde zu übertrumpfen. Als sie sich am kommenden Tag wieder trafen, hatte allein er einen Sechzehner im Gepäck – ein geschenkter Sieg also. Der wahre Gewinn indes war der, dass er eine Ausdrucksform gefunden hatte. »Ich habe immer eine Art an mir gehabt, die andere vielleicht als kalt oder unsensibel empfunden haben. Durch Musik kann ich nun meine Emotionen zeigen, ohne mich ­verstecken zu müssen«, erklärt er am Telefon.

So schreibt Cozz von nun an seine Empfindungen in Bars auf Beats und arbeitet an seinem ersten Mixtape. Um für die Studiozeit bezahlen zu können, jobbt er bei einer Frozen-Yogurt-Kette. »On that nine to five job shit, fuck that/I’d rather go comic and go to Gotham/And meet with Batman and start robbin’«, macht Cozz auf »Dreams« deutlich, dass dieser Job kein Dauerzustand sein wird. Es ist wohl die Schuld des Internets, dass ein einziges Video eine so transformierende Wirkung
auf eine Künstlerkarriere haben kann: Durch das Dreamville-Signing wird aus dem geplanten Mixtape ein Album (»Cozz & Effect«), die Leidenschaft zur Profession und aus dem Vorbild J. Cole ein Mentor.

Natürlich sei es für Cozz erst mal schwer zu begreifen gewesen, dass Cole seine Musik feiert. Schließlich war er schon Fan, noch bevor der Dreamville-Gründer seinen Superstarstatus erreicht hatte. Doch aus fast fünf Jahren der Zusammenarbeit habe sich eine Freundschaft entwickelt. Dennoch: »Cole hat wirklich hohe Erwartungen an mich«, erzählt Cozz. »Es treibt mich an, hart zu arbeiten, zumal ich ein Perfektionist bin. Das zwingt mich dazu, alles zu geben. Ich habe einfach Angst. Angst davor, jetzt mein Momentum nicht nutzen zu können.«

Mit seinem aktuellen Album »Effected« lieferte Cozz eine LP ab, die diese ­Ängste unbegründet erscheinen lässt. Zumal man beim Blick auf die Features an einem Namen hängen bleibt: Kendrick Lamar. Cozz habe ihn zufällig auf dem Flur des Studios getroffen. Da sie ein­ander keine Unbekannten sind, unterhielten sie sich kurz. Cody habe ihn eingeladen, einmal in sein Album reinzuhören. »Dreißig Minuten später war er da, ich habe ihm ‚Hustlas Story‘ vorgespielt. Er fragte, ob er einen Part beisteuern könne – vollkommen surreal«, berichtet er vom Zustandekommen der Gaststrophe. Doch Cozz ist weit mehr als nur der Lieblingsrapper deiner Lieblings­rapper. For real.

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #186. Back-Issues können versandkostenfrei im Shop nachbestellt werden.

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