Bushido: »Es bedeutet mir was, wenn die Leute mir Respekt geben.« // Titelstory

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Als Bushido vor knapp einem Jahr sein »Sonny Black«-Album veröffentlichte, ging ein Ruck durch die hiesige HipHop-Szene. Denn nach Jahren künstlerischer ­Desorientierung hatte der King Of Kingz durch die Rückbesinnung auf die »Ich scheiß auf alle«-Mentalität seiner Anfangsjahre endlich wieder zu sich selbst gefunden. Der Schlüssel lag darin, den Kopf frei zu bekommen und sich auf das zu besinnen, was den Rapper Bushido nicht nur stets aus-, sondern ihm auch am meisten Spaß ­gemacht hat: pöbeln, großspurig die Fresse aufreißen und auf alles und jeden ­scheißen. Doch besagte Rückbesinnung – und damit verbunden die Auferweckung seines Alter Egos Sonny Black – war erst der Anfang. Denn im Februar veröffentlicht Bushido endlich den langerwarteten vierten Teil der legendären »Carlo Cokxxx Nutten«-Reihe, um die sich gefühlt mehr Spekulationen ranken als um den Tod oder Nicht-Tod von ­Tupac ­Shakur. Grund genug also für ein ausgiebiges Gespräch mit Deutschlands ­bekanntestem ­Rapper, der »CCN3« auf seinen Social-Media-Kanälen bereits mit dem ­verheißungsvollen Slogan angekündigt hat: »#ccn3kommtundzerficktsoeinige«.

Die Veröffentlichung von »Sonny Black« liegt nun etwa ein Jahr zurück. Bist du nach wie vor zufrieden damit?
Absolut. Allerdings finde ich es immer ­schwierig, über meine eigene Musik zu urteilen. Ich habe schon viel gemacht, was ich heute nicht mehr so gut finde – meine Fans aber schon. Ich glaube, man muss sich selbst davon befreien, nur Sachen zu machen, die man selbst für grandios hält.

Also versuchst du nicht, stets das für dich beste Album abzuliefern?
Natürlich muss jede Platte gewissen ­subjektiven Ansprüchen genügen. Aber ab wann ist etwas »das Beste«? Wer beurteilt das? Bestimmst du das als Künstler? ­Beurteilen das die Fans? Oder verraten das erst die Verkaufszahlen? Ich finde es jedenfalls blauäugig, wenn Musiker behaupten, ihnen würde es stets nur darum gehen, das für sie bestmögliche Album aufzunehmen.
 

Aber das ist doch ein legitimer ­künstlerischer Ansatz.
Trotzdem muss man auch die wirtschaftliche Komponente mitdenken, damit man als Künstler ein Level erreicht, um sich seine Kunst auch erlauben zu können – und das ist bei mir mittlerweile der Fall. Es gab auch eine Zeit, in der ich versucht habe, den Leuten zu gefallen – und das war der größte Fehler, den ich je gemacht habe. Erst mit »Sonny Black« habe ich wieder darauf geschissen. Das konnte ich mir erlauben, weil ich keinen wirtschaftlichen Druck hatte. Ob ich von einer Platte 10.000 oder 100.000 Einheiten verkaufe, ist mir egal. Also bin ich wieder zurück auf dem Anti-Film, und den ziehe ich durch: Ich gehe nicht mehr in Talkshows und rede nicht mehr mit dem Feuilleton. Ich ­mache nur noch die Musik, die ich machen will – auch wenn ich für das, was ich sage, auf den Deckel bekomme. Ich habe keine Angst vor den ­Konsequenzen. Und das honorieren die Leute. Ich merke auf den Konzerten, wie sie plötzlich wieder sämtliche Hooks mitrappen. Ich weiß nicht, warum sie das tun. Ich saß jedenfalls nicht im Studio und habe ­konzentriert darüber nachgedacht, wie ich sie dazu bekomme – ich habe einfach asozial drauflosgerappt.

Wahrscheinlich ist genau das der Grund: Die Leute merken, dass du den Kopf wieder frei hast.
Ja, das denke ich auch. Und im Zuge ­dessen sind viele Songs primitiver ­geworden, regelrecht ­stupide. Wenn ich jetzt im Studio sitze und an »Carlo Cokxxx Nutten«-Songs arbeite, schüttle ich manchmal selbst nur mit dem Kopf. Deshalb seid gewarnt: Das wird keine Kopf-hoch-Musik, das wird so richtig asozial.

Wann hast du dich entschlossen, »CCN3« anzugehen?
Eigentlich wollte ich direkt nach »Sonny Black« damit loslegen. Ich hatte sogar schon mit möglichen Partnern geredet – mit einem von denen sogar fast angefangen. Aber dann fingen die Leute im Internet an so zu tun, als wüssten sie schon längst, wer mein »CCN«-Partner wird – und das hat mich abgefuckt.

Aber das Spielchen kennst du doch mittlerweile.
Ja, trotzdem wurde mir das irgendwann zu viel. Guckt mal: Ich mache gerade ein Album, von dem bekannt ist, dass ich mir einen Kollabo-Partner zur Seite stelle. Da liegt für die Öffentlichkeit natürlich auf der Hand: Der hat das mit Fler gemacht und mit Saad auch – jetzt macht er’s mit Shindy. Dann werden plötzlich ganz neue Namen diskutiert: Ich habe ein Haftbefehl-Feature gemacht, mit Kollegah und Farid hatte ich einen guten Kontakt, Saad hat sich selbst ins Spiel gebracht und Fler wäre als große Überraschung natürlich auch eine Möglichkeit gewesen. Die Liste ist lang, obwohl ich mich dazu nie selbst geäußert habe. Ich wollte aber nicht, dass die Ratten am Ende aus ihren Löchern kriechen und sagen können: »Siehste, wusste ich’s doch!« Diese Genugtuung wollte ich denen nicht geben. Deshalb bin ich erst mal wieder zurückgerudert und habe Shindys Album auf den Weg gebracht. Aber jetzt, nachdem wir damit Gold gegangen sind und die »Sonny Black«-Tour beendet haben, führte kein Weg mehr daran vorbei: Jetzt kommt »CCN3«.

Also machst du »CCN3« alleine?
Ich weiß noch nicht, wann ich die Katze diesbezüglich aus dem Sack lasse. Und wer weiß: Vielleicht ist das am Ende gar keine so unglaublich große Überraschung. Momentan halte ich halte das aber noch geheim, sollen die Leute doch reden. Und Fler, der soll mal richtig krass sterben vor Verwirrtheit. (grinst)


 

Steht ihr eigentlich noch in Kontakt?
Wir haben vor ein paar Wochen zumindest telefoniert. Aber das Telefonat war echt ­unschön, richtig grausig.

Inwiefern?
Fler meinte, ich könne »CCN3« mit niemand anderem ­machen außer ihm – ansonsten müsse ich ihm den Namen abkaufen. Der war echt auf 180, total unschön, dabei hätten wir nach langer Zeit endlich mal wieder ­entspannt ­telefonieren können. Ich bin ganz sachlich ­geblieben und habe ihn nicht mal ­beleidigt. Ich habe ihm nur gesagt: »Erzähl, was du willst. Ich habe mir den Namen ‚Carlo Cokxxx Nutten‘ schon vor langer Zeit patentieren lassen, also brauchen wir überhaupt nicht weiterzudiskutieren.« Fler kam dann wieder mit: »Aber ich hab das damals in Schöneberg gesprüht« – und das mag sein. Trotzdem kann ich mit dem Namen machen, was ich will. Die Rechte daran gehören mir.

Verstehst du denn, dass es ihn verletzt, wenn du »CCN3« ohne ihn machst?
Ich kann mich schon in seine Lage hineinversetzen, wenn ich will. Will ich aber nicht. Außerdem ging es mir ja nie darum, seine Gefühle zu verletzen. Seine Gefühle sind mir echt egal. Fler ist mir egal. Und wo wir gerade darüber reden, kann ich zumindest schon mal so viel verraten: Mit Fler mache ich »CCN3« nicht.

Ein Name ist also immerhin aus dem Spiel.
Fler wollte sein Soloalbum ja ­ursprünglich ­sogar am selben Tag rausbringen wie »CCN3«. Dazu meinte ich zu ihm nur: ­»Perfekt, dann haben wir den direkten Vergleich. So können alle unmissverständlich sehen, wie unerfolgreich du bist.«

Nervt es dich, dass Fler ein Album als Frank White, also unter seinem einstigen CCN-Alter-Ego, angekündigt hat?
Nein, das ist okay. Überhaupt: Fler nervt mich nicht. Zumindest nicht mehr als eine Fliege, die dich morgens im Schlafzimmer nervt, weil sie ständig an deinem Ohr vorbeifliegt – in dieser Größenordnung tangiert mich Fler. Der existiert für mich nicht mehr, genauso wie eine Ex-Freundin für mich nicht mehr existiert.

Du meintest eben, dass du bereits über mögliche Kollabo-Partner für »CCN3« nachgedacht, sämtliche Gedankenspiele aufgrund des Geredes im Netz dann allerdings wieder ad acta gelegt hättest. Also hast du Außenstehende Einfluss nehmen lassen auf deinen künstlerischen Schaffensprozess.
Nein, denn das war nicht der Hauptgrund dafür, das Projekt kurzzeitig ruhen zu lassen. Ich möchte das jetzt aber nicht individuell aufdröseln oder Details ausplaudern – auch aus Respekt vor den Leuten möchte ich keine Namen nennen. Fakt ist hingegen, dass ich »CCN3« ohne »Sonny Black« vermutlich nie gemacht hätte. Erst 2012 mit »AMYF« habe ich gemerkt, dass mir das, was ich da musikalisch gemacht habe, nicht mehr gefallen hat. Dann kam die Kay-Therapie, »Leben und Tod des Kenneth Glöckler« und mein Part auf »30-11-80« von Sido, den alle gefeiert haben. So habe ich mich wieder in diese asoziale Richtung zurückentwickelt mit all den Beleidigungen gegen Leute, die ich gerne beleidigt habe und auch immer wieder beleidigen möchte. Mit »Sonny Black« habe ich sozusagen eine Tür aufgemacht, die ich nun mit »CCN3« einrennen werde. »CCN3« ist so krasse Asi-Musik, meine Frau schüttelt da nur noch mit dem Kopf.

Wenn »Sonny Black« also der Zwischenschritt zu »CCN3« war, wäre es dann nicht konsequent, »CCN3« ohne Partner zu machen, weil außer dir selbst sonst niemand diesen Asi-Film fährt?
Diese Theorie ist jedenfalls nicht die ­schlechteste, wäre eine logische ­Schlussfolgerung und wohl auch die Option, mit der ich am wenigsten Stress hätte. Und: Es wäre ein Statement an jeden, der das Album gerne mit mir machen würde. So nach dem Motto: »Bevor ich es mit dir mache, ­mache ich es lieber alleine.« Es gibt eben auch nicht viele Leute, die meinen derzeitigen Film fahren. Deshalb kann ich auch mit Shindy kein »Carlo Cokxxx Nutten« machen, das würde nicht passen – egal wie verlockend das aus wirtschaftlicher Sicht wäre. Aber: Früher oder später werden Shindy und ich noch ein Album zusammen machen – aber nicht unter dem »Carlo ­Cokxxx Nutten«-Banner.

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