Review: Bushido – Sonny Black

Bushido-Sonny-Black-Cover
 
(bushidoersguterjunge/Sony Music)
 
Ganz gleich, wie sehr sich der hiesige HipHop in der letzten Dekade verändert hat – der bekannteste Protagonist unserer Kultur ist Anis Mohamed Youssef Ferchichi bis heute. Oder wie er es selbst formuliert: »Auf dem Bild-Titelblatt, seh‘ wie Osama aus/jeder kennt mich und dein Obernazi-Großvater auch.« Nach wie vor repräsentiert Bushido den deutschsprachigen Gangsta-Rap im Mainstream wie kein Anderer – mal inszenierte er sich als ignoranten Provokateur, mal als mustergültiges Vorbild und Fleisch gewordenem Gegenentwurf zum weit verbreiteten Klischee des nicht integrierbaren Arabers. Eine Herausforderung für unsere Gesellschaft, und zwar in vielerlei Hinsicht, war er jedoch zu jeder Zeit. Mit seinem neuen Soloalbum hat er sich nun wieder ganz bewusst in der Rolle des absoluten Außenseiters begeben – und dafür hat er Respekt verdient.
 
»Sonny Black« ist der erwartete, riesengroße Stinkefinger an jeden geworden, der Bushido in der jüngeren Vergangenheit an den Karren gefahren ist: Klaus Wowereit, Kay One, Alice Schwarzer, und auch deine spießige Oma. Sie bekommen hier genau den Bushido, den sie sich in ihren Alpträumen ausgemalt haben. Eine gute Nachricht ist das vor allem für die Fans des Bushido-Frühwerks. Vorbei die Zeit der Karel-Gott-Duette, des Satt-Seins, der integrativen Selbstfindungsphase. Stattdessen gibt es wieder Pöbeleien satt mit der Schussfrequenz einer AK-47. Auf die Stigmatisierung als ewiger Bösewicht reagiert Bushido, indem er es mit der politischen Unkorrektheit auf die Spitze treibt. Thematisch ist »Sonny Black« leicht zusammengefasst: Der kriminelle Protagonist tickt und konsumiert weißes Pulver und regiert Berlin mit eiserner Hand, er ist »der letzte echte Cowboy – John Wayne.«
 
Wenn ich heute, als 26-Jähriger, dieses Album höre, fühle ich mich wieder wie damals, als ich jeden Morgen auf dem Weg zur Schule »Vom Bordstein bis zur Skyline« hörte. Ich bin unweigerlich beeindruckt von der selbstherrlichen Arroganz, mit der Bushido seine Zeilen vorträgt; gleichzeitig aber auch eingeschüchtert von dem relaxt-bedrohlichen Grollen, mit dem Sonny Black seine Hasstiraden abfeuert. Dieses Album vermag es ganz hervorragend, die Erinnerung an dieses Gefühl von damals wieder frisch wirken zu lassen. Natürlich bleibt »VBBZS« am Ende trotzdem unerreicht, dennoch vermag »Sonny Black« auf LP-Länge hervorragend zu unterhalten – und auch musikalisch zu überzeugen. Ob auf mächtig donnernden Zeitgeist-Instrumentals oder auf jenen Stücken, die den ureigenen Bushido-Sound bedienen, also spärliche, ausschließlich von schwermütigen Streichern ausgeschmückte Beats, funktioniert Bushidos Chef-Stimme perfekt. Es ist ganz einfach: Den humorlosen Gangster gibt nach wie vor niemand so überzeugend wie Bushido. Sonny Black. Der King of Kingz.