Brockhampton – Iridescence // Review

(Question Everything / RCA)

Wertung: Fünf Kronen 

Obwohl sich Brockhampton während der Produktion dieses Albums entschlossen, mit Ameer Vann das Gesicht ihrer »Saturation«-Serie aus der Gruppe zu werfen, hat das der Qualität ihres Outputs keinen Abbruch getan. Vielmehr ergreifen die anderen Mitglieder erfolgreich die Chance, »Iridescence« ihren persönlichen Stempel aufzudrücken. Vor allem Joba (»New Orleans«, »District«) entwickelt sich immer mehr vom Hook-Lieferanten zum emphatischen Frontmann. Nahtlos an dessen Vorgänger anknüpfend bleibt »Iridescence« von der ersten Sekunde an rastlos, intensiv und brutal ehrlich. Sexualität, Depressionen und Zukunftsängste werden von Brockhampton ebenso ungefiltert thematisiert wie die Tücken des neu gefundenen Erfolgs. Matt Champion stellt fest: »Big ass house and big ass car don’t add up when you die alone« und auf »Tape« beichtet die Gruppe Fehler und Verluste, die ihr Leben zwischen den Flughäfen und Showbühnen der Welt im letzten Jahr verursacht hat. Und selbst wenn die eine oder andere Zeile etwas dick aufgetragen daherkommt, kauft man dieser Band den Hang zum Melodramatischen ab. Konträr dazu klingt die Produktion größtenteils so, als hätte man Pharrell Williams zu N*E*R*D-Zeiten im Death-Grips-Studio eingesperrt. Das kann, genau wie die sehr spezielle Delivery einiger Mitglieder, gewöhnungsbedürftig sein, manifestiert aber weiter einen Trademark-Sound. An seinen Höhepunkten (»Berlin«, »J’ouvert«) ist »Iridescence« eine Cypher, getragen durch fulminante Drums, Sirenensounds und manipulierte, energiegeladene Vocals. Das grenzt schon mal gerne an Reizüberflutung, aber das große Talent der Gruppe liegt genau dort, wo die Tracks wild über den Hörer herfallen, die Stimmung durch eingängige Hooks oder Mitsing-Passagen aufzubrechen. Was letztendlich dabei ­rauskommt, ist so etwas wie Post-Pop-Punk-Rap, der unglaublich eindringlich wirkt und dazu inhaltlich und musikalisch so spannend umgesetzt ist, dass er ob seiner Einzigartigkeit auch beim fünften Album Bock auf mehr macht. 

Text: Maximillian Hensch

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here