BADBADNOTGOOD & Ghostface Killah – Sour Soul // Review

bbng
 
(Lex Records/Alive)
 
Unter Wu-Tang-Realisten gilt Ghostface Killah oft als einziges Clan-Member ohne Totalaus­fälle. Halbwegs kohärente Konzepte, gute raptechnische Ablieferei und der Verzicht auf allzu große Experimente in Sachen Beatpicking ließen den Mann nie so richtig in Ungnade fallen. Gleichzeitig erhöht dieses Rezept die Gefahr, dass Ghostface irgendwann oft genug Ghostface (oder Tony Starks) war, um auch für wohlgesonnene Hörer nicht mehr irre spannend zu sein. Seit dem von Adrian Younge produzierten »Twelve Reasons To Die« zeichnet sich aber ein Neo-Ghostface-ismus ab, der die nicht zu bestreitende Redundanz der Texte in ambitionierte Retro-Soul-Projekte hüllt. Mit Younge hat das damals so brillant funktioniert, dass das kürzlich erschienene »36 Seasons« wie ein fantasieloser Aufguss des Vorgängers klang. »Sour Soul« ist das dritte Album nach diesem Muster, eigentlich eine BadBadNot­Good-LP, auf dem das hochgelobte Jazz-Trio Ghostface Killah rappen lässt und sich dezent zurückhält. Die Band verkneift sich Ausflüge in freiere musikalische Gefilde zugunsten einer astreinen Rekonstruktion des analogen End­sechziger-Studio-Soul, zu dem Ghost so gerne rappt. Die Umsetzung dieser Ästhetik, mit Streichern und Horns nicht besonders typisch für BBNG, gelingt den Kanadiern unbestritten – und ist oft hörenswerter als die Rap-Strophen. Über weite Strecken bleibt der Backdrop so, dass der Hauptakteur sich wohlfühlt, ohne angemessen gefordert zu werden. Nur auf »Ray Gun« werden Ghost und Doom regelrecht an die Wand gespielt. Die Klasse und Spannung des längst veröffentlichten »Six Degrees« mit Danny Brown erreicht leider kein weiterer Albumtrack, und Ghostdini scheint auch selbst nicht so recht zu wissen, wohin die kurze Reise führen soll: Die Perspektive wechselt vom »stone-faced killer with a mask« über die Pimp-Erzählung »Tone’s Rap« hin zu »Nuggets of Wisdom« für ein besseres Leben. Weil »Sour Soul« aber nur eine halbe Stunde einschließlich dreier Instrumentale dauert, ist die Angelegenheit schon wieder vorbei, bevor richtige Ratlosigkeit aufkommen kann.
 

 

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