VAUU – Positive Melancholie [Interview]

VAUU
 

Wenn man mit 27 Jahren nicht mehr als jüngster Newcomer gehandelt wird, dann schafft man den Karrierestart eben in doppelter Geschwindikeit: Auf die Singles »TNT« und »Blau« folgt zunächst die gleichnamige EP und in Kürze nun auch ein Album, an dem derzeit noch fleißig mit Produzent Montana Beats gearbeitet wird. Mit seinem poetischen Rap lädt Vincent Bauck seine Hörerschaft in eine ganz eigene Welt ein. Eine Mischung aus Rap, Pop und elektronischen Elementen begleiten die ehrlichen Texte und schafft ein Gefühl von »positiver Melancholie«, wie er selbst sagt.
 

Mit 27 Jahren veröffentlichst du nun deine erste EP. Was hast du davor gemacht?

Oh, ganz vieles. Ich habe zum Beispiel im Zoo gearbeitet als Tierpfleger, ich war Barchef in verschiedenen Clubs und habe parallel immer irgendwie Musik gemacht. Ich habe mir dann gedacht, ich brauche jetzt mal ein Jahr Auszeit, in dem ich gar nichts mache und im Endeffekt habe ich dann nur Musik gemacht. So entstand dann auch die EP. Ich habe vorher nie etwas herausgebracht, weil ich es nie wirklich als gut genug empfunden habe und immer den Anspruch hatte, dass, wenn ich etwas veröffentliche, es zumindest annähernd meinen Vorstellungen entspricht.
 

Deine EP heißt »Blau«. Fasst »Blau sein« die Grundstimmung dieses Releases zusammen?

Ja, das ist eigentlich eine Mischung aus dem Gefühl der Traurigkeit – „I’m blue“ – und eben der Geschichte der Songentstehung. Ich bin damals nach dem Feiern ins Studio gegangen, war »blau« und habe dann den Beat gebaut. Das war aber gleichzeitig auch eine zerissene Zeit, in der ich eine Art »Blues« hatte, wie man so schön sagt. Ich glaube, das ist das tragende Element der ganzen EP. Wenn mich jemand fragt, was ich für Musik mache, ist der Obebegriff für mich immer eine »positive Melancholie«. Eine Melancholie, neben der man auch immer wieder viel Hoffnung und Positives findet. Auch das Album wird von dieser positiven Melancholie geprägt sein. Ich glaube, so könnte man mein Soundbild bezeichnen.
 


 

Im Gegensatz zur Single »Blau«, klingt »TNT« fast kampfbereit. Kann der Song als Folge der Aussichtslosigkeit von »Blau« interpretiert werden?

Jein. Ganz viele Leute haben mich gefragt, ob »TNT« tatsächlich so eine Art Kampfansage sein soll, mit der ich eben auf den Markt gehen will. Aber für mich ist der Track eher eine Art Statement, dass ich das, was ich mache und liebe nie aufgeben werde – egal welche Kritik daran aufkommt. Der Song ist eher eine Rechtfertigung für mich selbst als eine Kampfansage.
 

Du arbeitest derzeit an deinem Debütalbum, wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen dir und Montana Beats?

Das war eigentlich ein lustiger Zufall. Ich habe ein kleines Kellerstudio mitten in Kreuzberg, das ein paar Kumpels von mir mit aufgebaut haben. Und auf einen meiner Kumpels, Dazzle, mit dem ich zusammen einen Song aufgenommen habe, wurde Montana eines Tages aufmerksam. Dazzle hat dann unseren gemeinsamen Song an Montana Beats weitergeleitet, der mich wiederum in sein Studio einlud. Ich habe damals ein paar Songskizzen mitgebracht und dann sind wir irgendwie zusammengekommen.
 

Neben dem Texten produzierst du auch selbst. Wie läuft eine Produktion in diesem Fall bei dir ab? Steht zuerst eine Vorstellung vom Beat oder vom Text?

Ich produziere immer alles selbst vor, so weit wie ich halt komme. Dann nehmen mir die Jungs oft den Rest ab und wir sitzen gemeinsam im Studio und gucken, ob es eine bessere Snare oder einen besseren Groove in den Drums gibt oder whatever. Die Texte schreibe ich aber in Gänze allein. Oft fange ich einen Song mit einer Gitarre an und spiele mir dann einen Beat zusammen, bis der mich irgendwie packt. Und dabei kommen mir meistens schon die ersten Song- oder Melodie-Ideen oder auch Schlagworte, an denen ich mich dann später beim Texten bediene.
 

Ist Rappen und Produzieren für dich unvermeidbar verbunden? Oder könntest du dir auch vorstellen nur als Rapper oder als Produzent tätig zu sein?

Jemanden zu produzieren ist zwar eine Aufgabe, die ich noch gar nicht so alleine stemmen könnte. Aber müsste ich mich entscheiden, könnte ich mir grundsätzlich eher das Produzieren vorstellen. Ich könnte mir niemals vorstellen, nur Songs zu schreiben und ich könnte auch nicht einfach nur so einen Beat picken. Da habe ich schon den Anspruch alles in gewissem Masse selber zu machen, weil ich die Musik so einfach mehr fühle. Ich beschäftige mich auch lange mit den Instrumentalen, bevor ich in die Song-Ideen gehen kann.
 

Deine EP hat einen ganz eigenen Sound. Worin lagen die musikalischen Einflüsse dafür?

Meine Einflüsse kommen von überall her. Das kann der absolute Mainstream oder absoluter Untergrund sein – und jedes Genre. Man kann immer irgendwas schönes rausfiltern für sich selber. Aber das Soundbild an sich und die Ästhetik jedes einzelnen Songs ist komplett mit den Jungs in nur einem Studio ausgearbeitet worden. Wir haben dafür ziemlich viel getestet und rangekarrt, allein an Vorverstärkern zum Beispiel eine ganze Reihe. Ich glaube, wir haben so etwas ganz eigenes geschaffen.
 

Auf »Blau« ist Sadi Gent zu hören. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ich habe Sadi in der WG von einer Freundin kennengelernt, wo wir zeitgleich immer wieder mal rumgehangen haben. Diese gemeinsame Freundin hat mir dann irgendwann »Lebensmüde« von Sadi vorgespielt und ich fand den Song einfach mega krass. Ich fand die Soundästhetik geil, die Beats krass und die Lyrics richtig gut. Dadurch sind wir ins Gespräch gekommen und irgendwann habe ich ihn mal gefragt, ob er nicht Lust hätte, einen Song mit mir aufzunehmen. Ich hatte dann zwei halbfertige Songs am Start und wir haben geguckt, bei welchem eine Kollabo passt. Sadi ist jemand, den ich musikalisch wirklich sehr schätze.
 

Gibt es denn schon ein Feature auf das man sich bei deinem neuen Album freuen kann?

Nein, für das neue Album haben wir bisher noch kein Feature organisiert. Es gäbe aber Leute, die ich schon krass feiere, und mit denen ich mir auch ein Feature gut vorstellen könnte. Ich finde zum Beispiel OK Kid, Bosse oder auch Tua richtig gut. Den finde ich textlich extrem krass und auch von der Produktion her unglaublich gut. Aber es gibt da, wie gesagt, noch nichts festes zu verkünden.
 

Kannst du sonst schon etwas über das Debütalbum verraten?

Das Ganze wird eine Mischung aus digital eingespielten Sounds und Bässen, aber auch Live-Instrumenten. Das Album wird also vom Sound her weiterhin digital, dabei aber auch noch organischer – bisher klingt der Sound ja sehr synthetisch. Vielleicht wird das Album auch einen Hauch poppiger, wobei der Sound grundsätzlich schon erdig bleibt. Und textlich widme ich mich wohl ganz der positiven Melancholie.