Schwesta Ewa – The Art Of Storytelling [Interview JUICE #161]

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»Cześć, du Pitschko, her mit dem Mikro!« Gute zweieinhalb Jahre sind seit dem ­zweiten Weihnachtsfeiertag 2011 mittlerweile vergangen. Und auch wenn dieser eigentlich so traute Dezemberabend dank dem Video zu »Schwätza« rückblickend tiefe Spuren in der deutschen Raplandschaft hinterlassen hat, scheint sich das Genre und seine ­Hörerschaft mittlerweile mit Schwesta Ewa arrangiert zu haben. So sehr, dass sich fast zwei Jahre nach dem »Realität«-Mixtape viele die »Entjungferung« auf ­Albumlänge ­herbeisehnen. Den Selbstzweifeln und Schlangenlinien auf dem geraden Weg zum Trotz rücken neue Rotlicht-Geschichten der Schwesta immer näher. Denn so viel ist sicher: Mehr Storys als du Lauch hat Ewa eh.
 
Wer das anzuzweifeln wagt, merkt schon beim Blick auf ihre Kindheit: Die Privatperson Ewa Müller ist vom Leben gezeichnet. Die ersten drei Jahre ihres Lebens wird sie von der ­eigenen Mutter im polnischen Köslin versteckt. Sie befürchtet, dass man sich an ihr oder Ewa für die Morde rächen könnte, für die Ewas Vater lebenslänglich hinter Gittern sitzt. Der Umzug nach Deutschland ist anfangs nur als ­Zwischenstation gedacht – das Ziel sind die USA. Doch Ewas Mutter wird während ihres Aufenthalts in Berlin eines Diebstahls überführt; die bereits bewilligte Green Card ist futsch. So wächst Ewa in Kiel auf. Zuerst im Asylbewerberheim, danach sechs Jahre in einem Frauenhaus. Zusammen mit Mama klaut sie im Discounter oder gräbt in ­Mülltonnen hinter Supermärkten nach abgelaufenem Essen. Für winterfeste Kleidung klettert die junge Ewa in Altkleidercontainer – ihre Mutter macht die Räuberleiter. Im Kindergarten wird Ewa als Ausländerin ­gehänselt. Sie wehrt sich mit Schlägen. Schon als Kind muss sie in psychologische Behandlung. Irgendwann heiratet ihre Mutter Günter Müller, Ewa nimmt den Namen ihres Stiefvaters an. Mutter und Tochter erhalten eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Mit 16 fängt Ewa an, in einer Kieler Bar zu kellnern. Im selben Gebäude befindet sich ein Puff – Ewas erster Kontakt zum Rotlicht; sie leckt Blut. Nach dem Realschulabschluss will sie raus aus Kiel, raus aus der Armut, Geld verdienen. Dinge besitzen. Keinen Hunger mehr leiden.
 

 
Die anschließende Zeit als Prostituierte im Frankfurter Bahnhofsviertel sorgt dafür, dass sich heute sämtliche Medien, von Springer bis öffentlich-rechtlich, um die spektakuläre ­Geschichte der »rappenden Nutte« reißen. Dass sie Licht am Ende des Rotlicht-Tunnels sieht, hat sie ­jedoch einer ­lebensverändernden Begegnung auf einer Party in Bonn Mitte des letzten Jahrzehnts zu ­verdanken: Giwar Hajabi alias Xatar findet in Ewa nicht nur eine ­Freundin, sondern erkennt auch ihr Star-Potenzial. Seine ­monatelange Überzeugungsarbeit führt dazu, dass Deutschrap seit eben jenem 26. ­Dezember 2011 um die vielleicht ­spannendste ­Künstlerin reicher ist, die das Genre bislang ­hervorgebracht hat. Xatars Funktion als Mentor führt jedoch auch dazu, dass Ewas ­Arbeitsweise alles andere als nullachtfünfzehn ist. Die engen Absprachen mit dem seit 2010 ­inhaftierten AON-Oberhaupt verlangsamen Ewas künstlerischen Schaffensprozess zwangsläufig. Doch Ende des Jahres soll das mit Spannung erwartete »Dr. Entjungferung«-Album [seit Veröffentlichung dieses Artikels in JUICE #161 wurde der Albumtitel in »Kurwa« geändert; das Album erscheint nun Anfang Januar, Anm. d. Red.] endlich in den Läden stehen. Zeit für eine ­Bestandsaufnahme.
 
Lass uns über dein Leben als Künstlerin nach »Realität« reden. Wie hast du die Zeit danach wahrgenommen?
Das Mixtape hat’s ja nicht mal in die Top 100 geschafft! Ich hatte keinen Digitalvertrieb, und es wurde keine Promo dafür gemacht. Im Nachhinein hat es sich dann doch noch ganz gut verkauft. Viele, die ich auf der Straße treffe, kennen das Tape und finden es auch gut. Genau deswegen mache ich ja auch ­weiter. Nur ein paar hundert Platten zu verkaufen, ist schon eine Peinlichkeit. ­Heutzutage chartet jeder Rap-Idiot in den Top 10. Über meine Verkäufe war ich damals schon sehr traurig. Ich erhoffe mir für das neue Album jetzt keinen Top-10-Erfolg, aber wenigstens einen Chart-Einstieg – schon mit der 99 wäre ich zufrieden. Aber ich bin gespannt. ­Übrigens: Das »Dr.« in »Dr. ­Entjungferung« steht für Deutschrap; denn Deutschrap hat diese Entjungferung nötig.
 
Gab’s denn aufgrund des fehlenden ­wirtschaftlichen Erfolgs nach dem ­Mixtape einen Punkt, an dem du verzweifelt warst und daran gedacht hast, die Musikkarriere an den Nagel zu hängen?
Ja, ich habe mich gefragt: »Warum habe ich aufgehört, im Puff zu arbeiten, wo ich im Monat 20 bis 30 Mille verdient habe?« Auf einmal kann ich nicht mehr auf die Straße gehen, ohne dass die Leute Fotos mit mir machen wollen. Was habe ich davon? Das ist immer noch eine krasse Umstellung. Aber die ­Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht verdiene ich dann doch noch irgendwann ein bisschen Geld mit Musik. Aber ich habe genügend Konzertanfragen und das Medieninteresse ist weiterhin ungebrochen. Es reicht zwar irgendwie, aber mein Lebensstandard ist im Vergleich zu früher sehr gesunken.
 
Fühlst du dich denn mittlerweile im ­Musikbusiness zuhause?
Ich kenne mittlerweile viele Leute aus der Szene, mit denen ich mich gut verstehe. Und es gibt auch branchenintern genügend Leute, die mich feiern. Aber ich habe auch schon die eine oder andere Abfuhr kassiert, zum Beispiel wenn mich Leute nach einem Feature gefragt haben und ich dann mit Ach und Krach ins Studio gegangen bin, um schnell was aufzunehmen. Im Endeffekt tauche ich dann doch nicht auf dem Song auf. Ich habe mich schon ab und zu gefragt, ob ich wirklich so weit angekommen bin, wie ich mir das ­erwünscht hätte. Aber ich nehme das alles gar nicht mehr so ernst. Ich freue mich ­einfach auf mein Album und stecke da alles rein. Ich habe jetzt zwei Jahre nichts gemacht. Auch, weil ich das Label AON nicht blamieren möchte. Ich möchte, dass unser Boss das alles absegnet.
 

 
Du bist also auf seine Funktion als ­Mentor angewiesen.
Sehr sogar. Natürlich habe ich ab und zu mit ihm gestritten, weil ich bestimmte Lines einfach behalten wollte, die er gestrichen hatte. Aber er soll trotzdem alles absegnen. Dass er Ahnung von der Materie hat, habe ich schon damals gemerkt, als ich bei ihm in London gewohnt habe, während er dort studiert hat. Ich sehe mich immer noch als Amateur, und deswegen muss alles über ihn laufen. Mein Herz tut trotzdem weh, wenn ich sehe, dass andere Leute während der Zeit, in der ich gewartet habe, zwei Alben rausgebracht ­haben. Aus Loyalität zu meinem Chef habe ich Däumchen gedreht. Aber auch, weil es mich blockiert, dass er inhaftiert ist. Ssio rappt schon seit zehn Jahren, der ist nicht in dieser Form auf seinen Rat ­angewiesen. Ich hingegen habe Angst, dass der Zug abfährt und ich nicht einsteige. Und dann habe ich die Hosen vor ganz Deutschland ­runtergelassen, gehe gebückt und kann nicht mal mehr zurück in den Puff, weil jeder weiß, was ich getan habe. Ich habe schließlich auch Familie und will keinem meiner Brüder antun, dass mit dem Finger auf sie gezeigt wird, weil ich wieder im Puff ackere.
 
Wenn du sagst, dass Xatars Abwesenheit dich blockiert, schreibst dann überhaupt gerade Texte?
Klar, aber wenn ich ihm beim Knastbesuch erzähle: »Ich habe schon acht Songs aufgenommen mit den Texten, die du kennst. Ich habe geile Beats gefunden usw.«, dann sagt er nur: »Ganz ruhig! Ich hab den Beat nicht gehört, das heißt also, du benutzt den auch nicht.« Ich weiß, dass er nur das Beste für mich will, aber das wirft mich natürlich zurück. Und der Hype, der mal da war, ist inzwischen auch ein Stück weit verflogen. Aber wir telefonieren viel und kommen gut voran. (lacht)
 
Du hast gerade den bisher ausge-­bliebenen finanziellen Erfolg erwähnt. Wie wichtig ist dir das Materielle? ­Löst das Shoppen Glücksgefühle aus?
Sehr wichtig. Bei jedem Einkauf.
 
Das ist also eine Sucht.
Ja. Das ist sehr, sehr, sehr wichtig. Ohne das Geld könnte ich nicht weiterleben. Niemals könnte ich jetzt von dem Geld leben, das ich mit der Musik verdiene. Ich würde abkacken. Wahrscheinlich würde ich wieder Crack am Bahnhof rauchen.
 
Deine Cracksucht hast du erst letztens zum allerersten Mal in einem Interview erwähnt.
Ich hatte es schon mal bei »Brisant« erwähnt, aber die haben das rausgeschnitten. (lacht) Das ist die Wahrheit – ich wog 45 Kilo, bin jede Woche zur Apotheke, um mir eine Ammoniakflasche zu kaufen, und bin mit ’nem Löffel durch die Gegend gelaufen. Nase ziehen oder kiffen hat mich gar nicht mehr interessiert. Ich war nur mit meiner Flasche oder meiner Crackpfeife unterwegs. Eine Althure, eine Thai, hat mir das zum ersten Mal gezeigt. Ich war direkt süchtig. Gott sei Dank kann ich keine Spritzen ab. Wenn ich diese Phobie nicht hätte, weiß ich nicht, auf was ich sonst noch gekommen wäre. Aber Crack war ich direkt nach dem ersten Mal verfallen. Bis heute habe ich davon Flashbacks. Schon ekelhaft.
 

 
Wenn man an die Klischees rund ums Frankfurter Bahnhofsviertel denkt, kommt man zwangsläufig auf ­Prostituierte und Cracksüchtige. Du hast beides am eigenen Leib erlebt. Hast du keine Angst, dass diese Seite deines Lebens, die ja auch für den ­Boulevard sehr ­interessant ist, zu sehr von deinem Schaffen als Künstlerin ablenkt?
Doch, aber so ist das mit den Medien. Viele Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, haben genau damit zu kämpfen. Aber mich juckt das nicht. Wer mich feiert, der muss mich und meine Vergangenheit akzeptieren. Jeder weiß, dass ich die Wahrheit sage. Ich bin nicht stolz darauf, aber dieser Teil meines Lebens hat mich geprägt. Und das Erlebte hilft mir heute, spannende Texte zu schreiben. Die Medien machen doch eh was sie wollen mit einem. Ob es dann heißt: »Die Künstlerin« oder »Die Junkie-Nutte«, das ist im Endeffekt egal. Die Leute, die mich feiern, kennen und schätzen meine Persönlichkeit. Und wahrscheinlich sind meine Offenheit und Ehrlichkeit dafür auch zwei der wichtigsten Gründe.
 
Ich stelle mir das sehr schwierig vor, einerseits Künstlerin zu sein, dann aber auch mit dieser Vergangenheit so offen umzugehen. Noch dazu: Wenn du bei Facebook ein Foto von dir postest, ­bekommt das wesentlich mehr Likes und ­Aufmerksamkeit, als wenn du etwas rund um deine Musik postest.
Fast alle Interviews, die ich während meiner Karriere hatte, drehen sich zu 80 Prozent um meine Vergangenheit. Über meine Musik wollen wenige mit mir sprechen. Ich schaue mir gerne auch mal Kommentare an, und lese dann auch ab und zu: »Puff-Muff, wir können das nicht mehr hören.« Aber das ist ja nicht meine Schuld, die Fragen bleiben schließlich die gleichen. Ich freue mich trotzdem über jedes Interview, das ich kriege. Gleichzeitig bin ich immer noch aufgeregt, dass sich überhaupt jemand mit mir unterhalten ­möchte. Und die Tatsache, dass viel mehr Leute meine Bilder liken, als wenn ich etwas poste, das mit Musik zu hat, macht mir auch Angst vor meinem Album. Vielleicht würde ich mehr Geld verdienen, wenn ich mich mit Strapsen in die Küche stelle und einen Kalender daraus mache.
 
Hast du mittlerweile eine Routine ­entwickelt, was das Schreiben von ­Texten und das Auftreten angeht?
Ja. Im Studio merke ich, dass es vorangeht. Ich kann mich noch an die ersten Male mit Ssio im Studio erinnern. Er hat die Krise gekriegt, weil ich acht Stunden gebraucht habe, um einen Sechzehner aufzunehmen. Jede Zeile musste ich ungelogen fünfzigmal wiederholen. Mittlerweile gehe ich rein, rappe die Parts am Stück durch, und ein Text ist nach fünf bis zehn Minuten im Kasten. Da merke ich, dass ich mich weiterentwickelt habe. Bei Live-Auftritten habe ich immer noch Bammel. Ich bin jetzt gerade zweihundert Kilometer zum Interview mit Bauchschmerzen gefahren, weil du hier sitzt und ich Angst vor dem ­Gespräch hatte. Wenn ich dann auf einer Bühne stehe und Leute sehe, ist das noch mal was ganz anderes. Ich bin echt kein Showmaker und schon gar keine Komikerin. Ich bewundere es, wie Ssio da auch live ­diesen Spaßfaktor einbringt. Ich würde das auch gerne können, würde aber am liebsten immer alles ohne Pause durchrappen. So viele ­Rapper haben schon auf die Fresse ­bekommen oder es flogen Flaschen. Von daher wundert es mich, dass ich bisher nur einmal ein paar Bierspritzer abgekriegt habe.
 
Aber der dafür Verantwortliche hat dann auch seine Quittung bekommen, oder?
Ich hatte noch aus Spaß gesagt: »Wer ne Flasche schmeißen will, soll das bitte jetzt tun, damit ich Zeit zum Ausweichen habe.« Dann hat dieser Typ sein Bier geschüttelt. Ich hatte aber zum ersten Mal High Heels auf der Bühne an, so auf Lil‘ Kim für Arme. Wenn ich Turnschuhe getragen hätte, wäre richtig was los gewesen. Aber ich hatte ja so ne fette Ansage gemacht, deshalb musste ich das durchziehen. Also hab ich ihm das Mikro auf seinen Schädel gehauen. Als ich auf ihn zukam, meinte er noch zu mir: »Ey, Entschuldigung, Schwesta, das war nur Spaß.« Aber da war ich schon unterwegs und für ne Entschuldigung war’s zu spät. (lacht)
 
Ist aber auch logisch, dass du im Studio mehr Routine entwickelt hast als live.
Die ersten 15 Monate, nachdem das »Schwätza«-Video erschienen war, habe ich Live-Auftritte kategorisch abgesagt. Während der Zeit war ich mir sicher, dass ich immer reiner Studio-MC bleiben werde.
 

 
Wie war das damals mit K.I.Z. auf Tour?
Es war lustig. Ich habe ja immer ein paar Strip-Tänzerinnen dabei. Die K.I.Z.-Fans haben wahrscheinlich meine Tänzerinnen mehr ­gefeiert als mich. Die Jungs hatten mich vorher noch gewarnt, dass viele ihrer ­bisherigen Vorgruppen ausgebuht wurden. Dass dann im Endeffekt nie Buhrufe kamen, hat mir ein bisschen die Angst vor dem Auftreten genommen.
 
Um noch mal auf das Album zu ­sprechen zu kommen: Das Mixtape hatte ja viele Battle-Tracks, auf denen einfach ­Ansagen gemacht wurden. Planst du jetzt auch, die vielen persönlichen Aspekte, die immer wieder in Interviews zur ­Sprache kommen, in Songs auf dem Album zu verarbeiten?
Genau, jetzt kommt die Story-Ewa. Es gefällt mir, Geschichten zu erzählen. Ich habe auch gemerkt, dass es langsam genug »Ich komm mit Basy und zerschlag deinen Kopf«-Tracks gab. Natürlich wird’s das auch geben, aber ich konzentriere mich auf Storytelling. Ich könnte locker mit den Sachen, die ich erlebt habe, fünf Alben oder mehr schreiben.
 
Straßenrap wird ja oft dadurch ­interessant, dass er Hörern aus dem Mittelstand eine Welt näherbringt, die sie selbst nicht kennen. Die Schnittpunkte zwischen deinem Lebenswandel und dem des durchschnittlichen Hörers sind wahrscheinlich eher gering.
Ich wollte auch schon früher anfangen, Storys zu erzählen, aber Giwar hat Schiss ­bekommen und gesagt: »Was damals in Bonn passiert ist, das können wir nicht auf Songs erwähnen! Wir können denen nicht ­erzählen, wie du damals in Kopenhagen im Knast gelandet bist!« Anfangs dachte er vielleicht, dass wir das einfach so machen wie Biggie und Lil‘ Kim. Dann war das Feedback auf mich ­mitunter sehr negativ. Seine Reaktion darauf war zunächst, mich vor zu viel Ehrlichkeit zu warnen. Alles ­preiszugeben, wäre zu viel für einen Normalo, meinte er. Am Ende würden die Hörer denken, dass alles erfunden sei. Mittlerweile hat er aber verstanden, dass mich das ausmacht. Er sagt mir: »Wer kann mehr von der Straße erzählen als jemand, der auf der Straße gelebt hat? Mach einfach.« Und da blühe ich auf. Solche Storys aufzuschreiben, ist auch in gewisser Art ­therapeutisch. Das tut meinem Puff-Schaden gut.
 

 
Du hast mehrfach erwähnt, dass es dir gut tut, aus deinem ­Leben zu ­erzählen, und dass du so auch ­traumatische ­Erlebnisse verarbeiten kannst. Machst du dir auch Gedanken bezüglich deiner sozialen ­Verantwortung und wie deine Hörerschaft das aufnimmt, was du so rappst?
Meine soziale Verantwortung? (Pause) Nein, die spüre ich nicht. Es ist alles wahr so. ­Manche Leute können damit besser ­umgehen, andere nicht. Wenn mir jetzt jemand vorwirft, dass viele kleine Mädchen in mir ein falsches Vorbild sehen, dem kann ich nur entgegnen, dass ich ganz genau weiß, dass ich kein Vorbild bin. Meine Vergangenheit ist klar. Aber vielleicht gebe ich ja einigen Mut. Jeden Tag bekomme ich Nachrichten von Mädels, die mir schreiben, dass ihnen meine Musik Kraft gibt. Vielleicht bin ich ja doch irgendwie ein Vorbild, weil ich zeige, dass man es aus jeder erdenklichen Dreckssituation irgendwie rausschaffen kann. Aber eigentlich ist es mir wurscht, was die Leute denken. Ich muss mich nicht schämen, wenn ich in den Spiegel schaue. Und meine Leute stehen hinter mir. Das reicht mir. ◘
 
Dieses Interview ist erschienen in JUICE #161 (hier versandkostenfrei nachbestellen).
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