Ssio – BB.U.M.SS.N // Review

Ssio-BB.U.M.SS.N.
(Alles oder Nix/Groove Attack)

Wertung: Fünf Kronen

Vorweg noch mal zum Mitschreiben für alle Unwissenden: Der Albumtitel versteht sich als Akronym für »Boombapisch ultraamnesisch melodischanaboler Straßenscheiß, Nuttööö«. Alle Klarheiten beseitigt? Dann weiter im Programm. Ansage Ssio: »Guten deutschen Rap machen jetzt Unterweltler/Und nicht nach Pisse stinkende Rucksack-Rapper.« Könnte man diplomatischer formulieren – nach Einverleibung von »BB.U.M.SS.N« wollen wir jedoch vorerst nicht widersprechen. Dabei muss von vornherein klar sein: Ssios Rap ist nichts Neues, eigentlich ist es alles andere als das. Vielmehr macht sich der Bonner Deutsch-Afghane eine recht simple Tatsache zum Vorteil: Als Straßenrap in Deutschland erste Erfolge feierte, hatte sich das Soundbild bei den großen Brudis aus Amerika und Frankreich bereits weg von samplebasierten Beats und hin zu synthielastigeren Produktionen entwickelt. Fast ein ganzes Jahrzehnt dackelten deutsche Gee-Rapper diesem Trend hinterher, ungeachtet der zeitlosen Freshness, die Biggies Ticker-Storys bereits 1994 auf einem Bumm-Klatsch-Klangteppich versprühten. Dementsprechend klingt »BB.U.M.SS.N«, als hätte man Havoc und Easy Mo Bee zwanzig Jahre alte DAT-Tapes abgezogen (»Vorspiel«, »Du hast noch nicht mal Kekse zuhause«), danach noch bei Warren G und Daz im Beatarchiv gewühlt (»Das Wasser ist nass«, »Schwarzer Afghane«, »Einbürgerungstest für schwererzieh­bare Migrantenkinder«), um schlussendlich knallhartes Swagger-Jacking bei Teddy Riley zu betreiben (»Bonn 17«, »Der Kanalreiniger«). Aber wenn das jemand darf, dann Ssio samt der von ihm beschäftigten Beatschmiede (die Alles-oder-Nix-Produzenten Reaf, Maestro, der eigentlich immer gute Gee Futuristic und Oldschool-Futurist Figub Brazlevic). Denn anno Zweitaubisendunddreibizehn ist es schwer, einen Straßenrapper zu finden, der es wie Ssio schafft, Wortwitz, verballert-ironischen ­Ticker-Humor und außergewöhnliche Rap-Skills zu einem derart runden Gesamtpaket zu schnüren. Da stört auch nicht, dass thematisch lediglich Nubitten geknallt, Kobiks gestreckt und Kibilos Obit an den Mann gebracht werden.

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