Review: Chuck Inglish – Convertibles

Chuck-Inglish-Convertibles
 
(Sounds Like Fun/Federal Prism)
 
Man könnte sich das so vorstellen: Chuck Inglish sitzt auf einem weißledernen Möbelstück, hier ein Eazy-E-Poster, dort ein ­Testarossa im Maßstab 1:24, ­daneben Schuhkartons. Er hört das letzte Daft-Punk-Album, vielleicht »7 Days of Funk« und immer noch »When Doves Cry«. Die Achtziger. Vage über Musikalität und ein nächstes Level sinnierend, beschließt er, »Convertibles« solle sein Prince-Album werden. Klar, Chuck ist nicht Prince, aber immerhin einer, der mit den Cool Kids dieses Achtziger-Ding originell in den Mainstream hipstern konnte. Was nun als sein erstes Soloalbum erscheint, ist also auch nicht Prince – nur ist es leider nicht mal wirklich Chuck Inglish. Fürs Studio schnappt er sich Mike Einziger, Gitarrist von Incubus, der gleichzeitig mit Odd Future, den ­Neptunes und Avicii anbandelt, und verteilt Stile und Features über ­»Convertibles« wie Haftnotizen. 16 Mikrofongäste auf zwölf Songs lassen ihn dann auch kaum in ­Verlegenheit kommen, einen roten Faden oder gar bemerkenswerten Tiefgang zu entwickeln. Schon auf vorab bekannter Ware wie dem Disco-Stampfer »Legs« mit Chromeo oder ­»Came Thru/Easily«, auf dem vorrangig Ab-Soul und Mac Miller scheinen, degradiert Chuck seinen eigenen Part irritierenderweise zu schmückendem Beiwerk. In seiner Gesamtheit oszilliert das Album unentschlossen zwischen swaggy ­Pinot-Gepoppe, ­Südstaaten-Anleihen und The Clipse in harmlos. Schwer zu verkraften sind vor allem das unsägliche Clubgedengel »Mas O Menos« und irgendwas Käsiges mit Gefühlen (»Hurt You Back«). Da ist es natürlich nett, dass Vic Mensa, Chance, Bronsolini und Mikey Rocks reinschauen, aber so ganz reicht’s eben nicht. Bis auf zwei, drei Ausnahmen ist »Convertibles« dabei durchaus hörbar und streckenweise sogar unterhaltsam. Aus der ignoranten Leichtigkeit des Seins ist allzu leichte Kost geworden. Dass Chuck hier einem ­Retro-Style ­hinterherhechelt, den er mit etabliert hat, entbehrt nicht einer ­gewissen Tragik.
 
Text: Ralf Theil