UK Fam: Die besten Releases von der Insel // Kolumne

Lioness – »DBT (Remix)«

Der Remix von Lioness‘ »DBT« (Self-Released) duldet keinen Widerspruch. Eigentlich war es ein kurzer Freestyle von 2017, mit dem sie denen kontra gibt, die schwarze Frauen als »Dead Black Ting« – »totes schwarzes Ding« – beleidigen. Die Londonerin, die seit Langem Teil der Grime-Szene ist, zeigt harte Kante gegen Machos, die Frauen sexistisch und rassistisch beleidigen. Sie spittet: »Any time you bring us down, Imma raise up all of dem«. Wie auf‘s Stichwort tauchen auf dem rollenden Beat mit bratzigem Bass und fliegenden Hi-Hats schlagfertige Verbündete auf. Jeder einzelne Part der MC-Schwergewichte Little Simz, Lady Leshurr, Shystie, Queenie und Stush glänzt mit treffsicheren Punches und bissiger Delivery. »DBT Remix« macht nicht nur auf einen Ausdruck aufmerksam, der schnell aus den Mündern verschwinden sollte, sondern hat mehr als genug Nachdruck für den Turn-up.

slowthai – »The Bottom/North Nights«

slowthai aus Northampton hat ebenfalls Talent für scharfe Worte. In den vergangenen Jahren hat der MC mit teils vernuschelt und überdreht gelieferten Bars über düster rumpelnden Beats auf sich aufmerksam gemacht. Seine Single »The Bottom/ North Nights« (Toyitoyi / Black Dolphin) transportiert beklemmende Aussichts­losigkeit. Dabei wechselt er Tonlagen, klingt erst crazy, dann introvertiert und schrammt an der Grenze zum Horror entlang.

Rocks FOE – »Legion Lacuna«

Einen Hang zu Dunkelheit hat auch Rocks FOE. Über die tief grollenden Beats mit Killer-Basslines und peitschenden Hi-Hats seiner EP »Legion Lacuna« (Occulture XIII) zwischen unheimlicher Anspannung und kompletter Zerstörung rappt und schreit Rocks FOE mit Energie und Souveränität seine Battle-­Verse.

808INK – »When I’m About, You’ll Know«

Freund­licher geht es bei der EP »When I‘m About You‘ll Know« (Island) von 808INK zu. Dabei hatte das Duo mit den ersten Veröffentlichungen um 2015 noch eine vergleichbar düstere Seite zwischen Hass, Frust und dem letzten Hoffnungsschimmer gezeigt. Mumblez Black Ink und 808Charmer flexen bei ihrer neuen EP jetzt aber locker auf warmen Synthesizer-Akkorden, leicht beschleunigt groovenden Beats und langsamen House-Jams. Die beiden gleiten entspannt und souverän zwischen Rap und Gesang, greifen mal Afrobeats auf, geben sich dann als britische G-Funk-Gesandte und zelebrieren durchweg positive Vibes.

Text: Philipp Weichenrieder

Dieses Feature erschien in JUICE 186. Back Issues können jederzeit versandkostenfrei im Shop nachbestellt werden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here