SAM [Interview]

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Man hat so ein wenig das Gefühl, dass die beiden Brüder Chelo und Sam quasi aus dem Nichts gekommen sind. Siemachen zwar schon seit ihrer Jugend Musik, doch ­bevor ­Chimperator auf die Jungs aufmerksam wurde, hatte sie keiner so richtig auf dem Zettel. In Stuttgart scheint die Stimmung ja bekanntlich etwas besser zu sein als im Rest von Rapdeutschland, so verwundert es nicht, dass auch SAM eine positive Sicht auf das Leben haben und sich diese auch in ihrer Musik widerspiegelt. Nach einer gemeinsamen Tour mit Labelkollege Cro und jeder Menge ­Festivals, kommt jetzt ihr erstes Album »TTB« [Two True Brothers].
 
In welchem Zeitraum ist die Platte entstanden?
Sam: Alles in allem hat sich die Produktionsphase über ein Jahr erstreckt. Wir waren 2013 sehr viel unterwegs, und wenn du dann an den Wochenenden live spielst, brauchst du auch erst mal wieder zwei Tage, um runter­zukommen. So bleiben dann noch Mittwoch und Donnerstag, um was fürs Album zu ­machen, weil du freitags schon wieder unterwegs bist.
 

 
Wo ist das Album denn entstanden?
Sam: Wir haben das ganze Album zu Hause aufgenommen. Zum Mischen und Mastern haben wir dann die Spuren verschickt.
 
Wie war es denn, die Spuren abzugeben und sie dann nach dem Master wieder zu hören?
Sam: Das war am Anfang auf jeden Fall sehr ungewohnt. Man hat sich schon an seinen Mix gewöhnt. Aber jetzt klingt es natürlich viel besser als vorher.
 
Wirkt sich das Tourleben positiv auf das Texten aus?
Sam:
Geht so, man erlebt natürlich ziemlich viel, aber man hat keinen Alltag. Du lebst quasi abgeschirmt von der Realität.
 

 
Ihr seid viel mit Cro unterwegs gewesen, der ja auch sehr junge Fans hat. Habt ihr überhaupt ein Bild im Kopf, wie ein SAM-Fan aussieht.
Sam:
Wir sind Carlo natürlich sehr dankbar, dass wir seine Fans abholen konnten. Die jüngeren Fans sind halt die cooleren, die stehen in der ersten Reihe und schreien mit. Die über 20-Jährigen stehen eher hinten und nicken mit dem Kopf. Da sind schon auch ältere Fans bei unseren Konzerten, aber ich könnte dir jetzt nicht sagen, wie ein SAM-Fan aussieht.
Chelo: Das wird jetzt auf unserer ersten eigenen Tour sehr spannend sein, zu sehen, wer da kommt.
 
Jetzt steht euer Debütalbum an, könnt ihr da locker rangehen oder macht sich die Anspannung bemerkbar?
Chelo:
Die Anspannung steigt auf jeden Fall, je näher wir dem Release-Datum kommen. Ich bin sehr gespannt auf das Feedback.
 
Differenziert ihr zwischen dem Feedback der Fans und dem Feedback von Musikjournalisten? Und sind euch Journalisten-Meinungen überhaupt wichtig?
Sam:
Egal, was ein Journalist über unsere ­Musik sagt, hat jeder da draußen seinen eigenen Musikgeschmack. Mir ist es schon wichtiger, was unsere Fans über die Musik sagen. Was haben wir denn davon, wenn irgendwelche Journalisten sagen, dass unsere Musik gut ist, sie aber keiner mag?
Chelo: Kritik ist natürlich wichtig und der eine oder andere Journalist wird das Album ­bestimmt verreißen und seine Gründe finden, schlecht über das Album zu sprechen.
 

 
Könnt ihr denn noch wertungsfrei die Musik eurer Kollegen hören oder analysiert man immer direkt?
Chelo:
Man hört das ganz klar anders als früher, weil man mittlerweile auch selbst weiß, wie das gemacht wird. Man hat durch die eigenen Erfahrungen mit dem Mischen und Mastern dann auch ein Bild im Kopf, wie es klingen sollte.
 
Ihr habt ja die klassische Aufteilung einer Rapformation. Auf der einen Seite der Rapper und auf der anderen der DJ/Produzent. Wie viel lässt du dir, Sam, denn von deinem Bruder beim Texteschreiben sagen?
Sam:
Ich schreibe die Texte immer alleine, aber wenn ich Chelo meine Texte zeige und ihm gefällt eine Zeile nicht, dann mach ich mir Gedanken darüber und lasse mir auch von ihm sagen, wenn etwas nicht cool ist. Ich bin auch generell kein Fan davon, mit anderen Künstlern zu schreiben. Als wir angefangen haben, an dem Album zu arbeiten, habe ich mich mit ­Maeckes im Studio getroffen. Ich war schon immer ein riesiger Maeckes-Fan. Kody [Geschäftsführer bei Chimperator Productions, Anm. d. Red.] meinte dann, ich solle mich doch einfach mal mit Maeckes treffen. Wir haben uns dann getroffen und einfach nur geredet, wir ­haben nie an einem Song gearbeitet, sondern uns einfach nur unterhalten, wie ich gewisse Dinge angehen könnte. Das hat mir sehr ­geholfen und Inspiration gegeben.
 
Glaubst du, dass es wichtig ist, seine Texte so zu schreiben, dass der Hörer sich damit ­identifizieren kann?
Sam:
Ich bin mir nicht sicher, ob man das so mit Absicht machen kann. Das passiert einfach, wenn du ein Thema behandelst, das jeden betrifft, zum Beispiel Liebe, dann hat jeder einen Bezug dazu.
 
Habt ihr euch eigentlich bewusst gegen Rap-Feature-Gäste entschieden?
Sam:
Nein, eigentlich nicht. Unser Ziel war es, Samy Deluxe auf der Platte zu haben. Das ­hätte auch geklappt, aber als er in Stuttgart war, waren wir unterwegs und dann war er wieder weg. Hat also leider nicht ­geklappt, aber ich hoffe, dass wir das in der Zukunft mal nachholen. Wir wurden auch gefragt, ob wir jemanden auf der Platte haben wollen, aber uns ist einfach keiner eingefallen, der draufgepasst hätte.
 
Beschreibt die Platte einen besonderen ­Abschnitt aus eurem Leben?
Sam:
Das Album soll auf keinen Fall der Abschluss unserer Jugend sein und beim nächsten Album sind wir dann erwachsen. Wir wollen uns das Jugendliche so lange wir können beibehalten. Das Album beschreibt eher, was wir 2012 und 2013 so erlebt haben. Da ist ja so viel passiert: Wo wir überall waren, was wir gesehen haben und wen wir alles kennengelernt haben. Das muss ja alles auch verarbeitet werden.
 
Gibt es denn bei den ganzen Sachen, die ihr in den letzten zwei Jahren erlebt habt, trotzdem Highlights?
Sam:
Ja, auf jeden Fall. Vielleicht nicht so viele, aber da finden sich schon welche. Allein schon auf dem splash! zu spielen. Ich war überhaupt zum ersten Mal auf dem splash!
Chelo: Aber natürlich auch Sachen wie Rock im Park oder Summerjam. Wir haben da eröffnet, es war natürlich nicht megavoll, aber du hast gewusst, die Leute, die da sind, sind wegen dir da.
Sam: Auch wen wir kennengelernt haben. Ich war schon immer Samy Deluxe-Fan. Dann sitzen wir da mit ihm in einer Show für den ­Bayerischen Rundfunk und gehen mit ihm essen.
 

 
Ihr seid in den letzten zwei Jahren besonders live unglaublich viel in Erscheinung ­getreten. Chelo, würdest du sagen, dass bei einer Liveshow weniger Druck auf dir lastet, weil du nicht im Vordergrund stehst?
Chelo:
Wenn wir auf der Bühne stehen und das Gefühl haben, dass wir das Publikum noch nicht richtig überzeugt haben, dann muss auch ich mehr geben. Natürlich ist das in meinem Fall nicht die Stimme, aber ich stehe ja auch nicht nur tatenlos hinter dem DJ-Pult rum.
Sam: Das beantwortet auch die häufige Frage, warum wir beide SAM sind und nicht nur einer von uns performt. Wenn Chelo zu Beginn einer Show auf die Bühne geht und den Beat auflegt, dann sehen die Leute schon SAM, und sollte er dann irgendwas verkacken, haben wir als Gruppe versagt.
 
Glaubt ihr, dass sich mit der Veröffentlichung eures Albums etwas in eurem Leben ­verändern wird?
Sam:
Ehrlich gesagt, hoffe ich, dass sich gar nicht so viel verändert. Im Moment können wir Musik machen und verdienen Geld damit. Wäre geil, wenn das so bleibt.
Chelo: Es hängt natürlich auch viel vom Verkaufserfolg ab. Wenn das Album boomt, wird das nächste Jahr mega busy. Es gibt viele Menschen, die Lust haben, mit uns zu arbeiten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Jahr so weitergeht, wir ein weiteres Album nachlegen und viel live spielen werden. Das macht uns auch am meisten Spaß.
 
Text: Sascha Wieland
Interview: Sascha Ehlert
 
Dieser Artikel ist erschienen in JUICE #157 (hier versandkostenfrei nachbestellen).
 

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