Review: SAM – TTB

SAM-TTB
 
(Chimperator/Groove Attack)
 
Moment. Fängt da wirklich das erste Album von zwei Brüdern Anfang 20 mit dem Gedanken an, das Rapding seinzulassen, weil es gar nicht so einfach ist – immer unterwegs und so? Klar, der Gedanke wird im Text gleich verworfen, und vielleicht bleibt der Einstieg nur aus einem Grund so in Erinnerung: Weil das die einzige echte Überraschung auf »TTB« ist. Denn ansonsten läuft bei SAM alles ziemlich geradeaus, seit sie 2012 im Roster von Chimperator und anschließend mit Cro in den ausverkauften Hallen des Landes gelandet sind. Nicht die schlechteste Ausgangsposition also, dafür ein umso größeres Problem für den Rezensenten, will er nicht nur am offensichtlichen Erfolgsrezept herumkritteln. Bringen wir’s also schnell hinter uns: Ja, wenn Raop ein Genre ist, liegt »TTB« mittendrin, der »für Fans von«-Verweis ist einfach nicht sehr subtil. Wenn man diesen Kontext aber einmal als gegeben betrachtet, kann man viel entspannter über ein wirklich rundes Debütalbum sprechen. Denn während die Welle von demonstrativ schwermütigem Emotionsrap kaum abreißen mag, ist die ehrliche Unbeschwertheit, die das schwäbische Duo hier, wie in den vergangenen zwei Jahren, an den Tag legt, ein viel selteneres Merkmal. Die »Two True Brothers« Samson und Chelo schütteln Mitsing-Hooks und die passend bouncigen Beats tiefenentspannt aus dem Ärmel, Samson erzählt grundsympathische Geschichten über Alltägliches und Nachfühlbares über den schnellen Erfolg. Dabei schrammt man leider oft ganz knapp daran vorbei, sich den Menschen hinter der Story wirklich verbunden zu fühlen, kriegt mehr Abziehbild als Familienalbum zu fassen und wird nebenbei immer besser darin, die Betonung des Endreims vorauszusagen. Aber gerade wenn man allmählich findet, es wäre jetzt genug der Simplifizierung, sind die 12 knapp gehaltenen Stücke auch schon vorbei. Und dann singt man plötzlich die Refrains vor sich hin. Es ist halt leicht, Pop doof zu finden. So eingängigen, positiven Rap zu machen ist hingegen ein nicht zu unterschätzendes Talent. Auf die Überraschung beim nächsten Album bin ich trotzdem gespannt.
 
Text: Ralf Theil
 

 

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