Review: Kollegah – King

Kollegah_King
 
(Selfmade Records/Universal)
 
Nun ist es offiziell: Kolle ist König. Binnen kürzester Zeit hat er mit »King« die Goldgrenze für 100.000 verkaufte Einheiten geknackt, kurzerhand einen neuen Rekord im hiesigen HipHop-Spiel aufgestellt und damit selbst einstigen Feinden wie Fler Respekt abgetrotzt. Bleibt die wichtige Frage offen, ob der kommerzielle Erfolg zulasten der Kunst ging, und man darf wohl aufatmend konstatieren: nein. Denn Kollegah macht diesmal alles richtig und überzeugt in sämtlichen Belangen. Seine technische Versiertheit bringt er in jedem einzelnen Stück zum Ausdruck und haut mit beeindruckender Beiläufigkeit die übelsten Wortspiele raus (»Dein Alki-Vater … kann sich kaum normal bewegen, fängt zu saufen an um zehn/Und will erst mal ein Glas um die Uhrzeit exen wie im Dinosaurier-Museum«). Gleichzeitig lässt er in Stücken wie »Morgengrauen« oder »Regen« aber auch spannende Einblicke in das Seelenleben des Felix Antoine Blume zu, dem Menschen hinter der Kunstfigur Kollegah. Und nicht nur, dass diese Stücke zu den stärksten des Albums zählen, sie machen den 29-Jährigen plötzlich ansatzweise greifbar und sorgen für die nötige Balance zwischen den obligatorischen Schwerpunktthemen wie Statussymbole, Selbstbeweihräucherung und der Glorifizierung krimineller Machenschaften. Auch die fünf Features sind sinnvoll gewählt, alle Beteiligten fügen sich hervorragend ein. Ob Kollegahs Label-Kollegen Genetikk und Favorite, sein »JBG«-Partner Farid Bang, der gute Casper oder Westcoast-Legende Game – allemann liefern souverän ab und verpassen »King« den nötigen Schuss Abwechslung. Die Beats stammen vorwiegend von Hookbeats & Phil Fanatic, KD-Beatz und den United Hustlers, die dem Düsseldorfer genau die musikalischen Klangteppiche unter den gestählten Körper wuchten, auf denen die G-Tales des Bosses am besten zur Geltung kommen: Synth-geschwängerte Boombast-Bretter mit Trap-Snares und stimmigem Ghetto-Vibe. Der Umstand, dass auch davon immer mal wieder abgewichen wird, unterstreicht einmal mehr, wie sehr man im Hause Selfmade darauf geachtet hat, »King« richtig rund zu machen. Bleibt also festzuhalten: »King« ist king. Stellt sich jedoch gleichzeitig die Frage: Was soll hiernach noch kommen? Denn wenn man erst mal König ist, hat man sämtliche Aufstiegschancen verspielt.
 

 

 

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