K.I.Z, Prinz Pi, MoTrip und mehr über N.W.A.

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In drei Tagen wird der langerwartete N.W.A.-Epos »Straight Outta Compton« auch auf den deutschen Kinoleinwänden zu sehen sein. Und ganz sicher wird das Biopic der gefährlichsten Gruppe der Welt auch hierzulande die Kinokasse klingeln lassen. Bevor es uns am Donnerstag also ins Schwarzlicht-Theater verschlägt, haben wir schon einmal beim ein oder anderen deutschen Rapper nachgefragt, welche Verbindung sie zu N.W.A. haben und wie gespannt sie auf den Film sind.

 

Ich kam auf N.W.A. vor allem durch ältere Straßenleute, die sonst kein Rap gehört haben, aber meinten: »N.W.A., das ist es!« – und dass Ice Cube richtig cool ist. Das habe ich also bloß gepumpt, weil ich wusste, das gehört sich so.
Maxim (K.I.Z.)

Ich bin N.W.A.-Fan – war es aber noch nicht, als deren erste Sachen rauskamen. Dafür war ich noch zu jung. Ich freue mich aber auf den Film und werde da auch mit fünfzig Leuten reingehen. Und klar, auch »Fuck Tha Police« feiere ich – aber als Kreuzberger braucht man den Song nicht, um Hass auf die Polizei zu schieben.
Nico (K.I.Z.)

Als ich angefangen habe, mich für HipHop zu interessieren, habe ich nur Westcoast gehört – und natürlich war N.W.A. da ein großer Einfluss. Angefangen habe ich allerdings mit Snoop Dogg, über den ich irgendwann auf N.W.A. gestoßen bin. Ich war ein riesiger Eazy-E-Fan, das war mein Idol. Mit dem konnte ich mich am meisten identifizieren, weil er genauso klein war wie ich, aber eben auch der Frechste mit den freshesten Flows. Ich persönlich fand die Eazy-E-Soloalben daher sogar geiler als die N.W.A.-Platten, aber »Straight Outta Compton« war natürlich ungemein wichtig – und zwar nicht nur für all die Rapper, die davon beeinflusst wurden, sondern auch für mich, weil ich durch N.W.A. auf andere Rapper gestoßen bin wie MC Eiht. Und wenn man jetzt wiederum Leute wie The Game oder Kendrick Lamar hört, die ja auch aus Compton kommen, dann finde ich das wahnsinnig interessant, weil die nicht nur indirekt darauf aufbauen, sondern sich auch immer mal wieder direkt auf N.W.A. beziehen. Insofern habe ich wahnsinnig Bock auf »Straight Outta Compton«, die Trailer fand ich richtig krass. Ich glaube, das wird ein geiler Film!
Prinz Pi

Als ich gehört habe, dass ein Film über N.W.A. erscheinen soll, bekam ich direkt Angst. Nicht, weil in dem Film geschossen wird oder so, eher vor der deutschen Übersetzung. Der einzige Film, der in diese Richtung geht und gut übersetzt wurde, ist bis heute »Kids«. Auch der HipHopper Jesse Pinkman in »Breaking Bad« nervt stellenweise, yo. Ansonsten fällt mir zu N.W.A noch ein, dass MC Ren derjenige ist, über den am wenigsten gesprochen wurde, obwohl er der beste Rapper von ihnen war. Bei den Guten ist eben immer am meisten Platz zum Unterschätzen da. Deshalb werde ich wohl nie erfahren, wie es ist, überschätzt zu werden.
P.S.: Ich höre sehr gerne Lieder gegen die Polizei.
DCVDNS

Ich liebe Rap über alles, natürlich werde ich mir »Straight Outta Compton« ansehen – auch wenn ich damals noch zu jung war, sodass mich N.W.A. musikalisch nicht geprägt hat.
MoTrip

Als mir mein Vater Anfang der Neunzigerjahre ein paar HipHop-Schallplatten von den Geto Boys und Ice-T schenkte, begann bei mir eine suchtartige Gier nach dem schwarzen Gold. Als ich dann das erste Mal in den Vinylfächern eines Berliner Plattenladens nach Rapalben stöberte, erfolgte der erste Griff für mich als HipHop-Frischling nach den Gestaltungen der Cover und nach den Titeln. Meine erste selbstgekaufte Schallplatte: »Eazy-Duz-It« von N.W.A.-Member Eazy-E. Das Albumcover, der Künstlername, die Songtitel – das alles zog mich in seinen Bann. Ich konnte gar nicht abwarten, in die Platte reinzuhören. Kaum zu Hause angekommen, schmiss ich die Platte auf den Teller und pumpte mir den harten N.W.A.-Sound aus Compton in die Lauscher. Ich war sofort angefixt! Meine nächsten Platten: »N.W.A. & The Posse« und »Straight Outta Compton«. Neben Public Enemy und den Beastie Boys aus New York, der 2 Live Crew aus Miami und den Geto Boys aus Texas wurden N.W.A. für mich zu ständigen musikalischen Wegbegleitern meiner Jugend. Nicht nur die Musik, sondern die gesamte Inszenierung und das optische Auftreten faszinierten mich. Das war hardcore. Das war rough. Das hatte Attitüde! Für mich war N.W.A. die erste Band, die mich auch modisch inspirierte. Ich war zwölf Jahre alt und trug Klamotten von den Los Angeles Raiders, nur weil N.W.A. das auch taten. Auch heute bin ich noch stark vom modischen Einfluss dieser Zeit geprägt: tief ins Gesicht gezogene schwarze Snapback-Cap, dunkle Locs und fette Rope-Chain – das war der Look! Ich führe diese Tradition der späten Achtziger, frühen Neunziger seitdem fort. Soundtechnisch konnten dem Superproducer-Team aus Dr. Dre und Yella damals nur sehr wenige Produzenten das Wasser reichen. MC Ren und Ice Cube gehören für mich bis heute zu den schlagkräftigsten MCs, die es je gegeben hat. Eazy-E wurde für mich zu einer Art Idol. Stimmlich herausragend, textlich simpel, aber ungemein hervorstechend und geschäftlich ein echter Hai. Auch der oft in Vergessenheit geratene Arabian Prince, Gründungsmitglied der Gruppe, hat bei mir starke Spuren hinterlassen. Seine Solonummer »Panic Zone« begeistert mich bis heute wie kaum ein anderer Elektrorap-Song! Alles in allem kann ich mich vor diesen sechs Herren nur verbeugen und ohne Scham behaupten, dass ich ein echter N.W.A.-Fanboy war und es mein Leben lang bleiben werde! N.W.A. – the world’s most ­dangerous group! R.I.P. Eazy-E!
Frauenarzt (Die Atzen)

»Straight Outta Compton« ist bis heute die einzige CD, die nie meinen Wagen verlässt. Denn ohne dieses Album würde ich heute nicht rappen. Als ich den Clip zu »Straight Outta Compton« das erste Mal gesehen habe, war für mich klar, dass ich rappen muss. Dieser Mix aus Aggression und Reflexion war bis dahin einzigartig. Alleine wie der Song »Fuck Tha Police« aufgebaut ist, ist ein Geniestreich: N.W.A. sitzen vor Gericht und müssen von den Übergriffen durch die Polizei berichten. Das Ganze ist mehr als ein Song, eher wie ein Hörspiel, das dich die Erlebnisse live miterleben lässt. Diese Authentizität vermisse ich heute manchmal. Auch der Song »Dopeman« hat mich sehr geprägt. Ja, da waren der krasse Drogendealer und seine Bitches, aber da waren auch die Konsequenzen, die so ein Leben mit sich bringt. Ich denke, das hat mich am meisten geprägt. Was viele vergessen und was ich heute zum Glück bei einigen Rappern, auch aus Deutschland, wieder wahrnehme, ist, dass auch der Humor nicht zu kurz kam – siehe »A Bitch Iz A Bitch« oder »I Ain’t Tha One«. Ren und Cube waren ganz klar meine Inspiration, auch was den Flow betrifft: Ist der Beat hart, dann kill ihn und mach Action.
Tatwaffe (Die Firma)

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