Gianni Mae – Saucy // Review

Keine übertriebenen Hooks, keine Beats auf Abwegen, stattdessen fünf Tracks, die variieren, aber nicht kontrastieren, kurz: Gianni Maes Debüt-EP »Saucy« ist eine Visitenkarte, in knalligem Gelb und mit gefletschten Zähnen.

(Recordjet)

Konzentriert. Keine übertriebenen Hooks, keine Beats auf Abwegen, stattdessen fünf Tracks, die variieren, aber nicht kontrastieren, kurz: »Saucy« ist eine Visitenkarte, in knalligem Gelb und mit gefletschten Zähnen. Zwischen den Zeilen lässt sich erahnen, dass Gianni Mae schonmal eine kleine Karriere hinter sich gebracht hat, in Holland, auf Beats, die nach den Ferienfantasien eben jenes Landes klingen – ihre aktuelle Inkarnation knüpft daran zwar musikalisch nicht an, die Attitüde macht aber klar, dass sie ziemlich genau weiß, worauf sie keinen Bock hat. Heute zischt und spuckt Gianni Mae, wenn es sein muss, wirkt aber vor allem fokussiert, in voller Kontrolle, auf Beats, die unangenehm drücken, auch mal leicht verrutschen, vor allem aber kühl sind. Produziert haben jene Broke Boys, die vor gar nicht allzu langer Zeit Ufo 361 zu einer zweiten Karriere verholfen haben, und auch wenn es 2019 ungleich schwieriger ist, Meilensteine in die Trap zu hauen, könnte »Saucy« zu einem ähnlich definierenden Moment werden – gerade weil alles hier so stringent arrangiert ist. Skills werden ebenso beiläufig präsentiert wie ein Zungenschlag, der seine Jugend in Curaçao verrät, aber kein Gimmick ist. Mit Verortungen und Befindlichkeiten hält sich hier niemand lange auf, »Nothing’s Free« liegt direkt schwer im Magen, »Killin Em« klappt spitz daraus hervor, »They Say« poltert durch die Besteckschublade und wenn zu »M P R« mal etwas Wucht herausgenommen wird, dann sicher nicht, um versöhnlich zu stimmen: Geld, Macht und Respekt fordert Gianni Mae, und wer an dieser Stelle fehlende Facetten beklagt, kriegt in »Kung Fu« gleich noch eine Schelle mit. »Saucy« hat keine Zeit, halbgare Versprechen für eine ungewisse Zukunft zu bieten, und verspricht freilich gerade mit dieser Haltung unheimlich viel.

Text: Sebastian Behrlich

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