»Eine recht kalkulierte Single« – Iman Magnetic über Curse, Square One u.v.m. // Feature

Als Teil der Münchener Rap-Crew Square One und deren LP-Meilenstein »Walk Of Life« hat Produzent Iman Magnetic hiesige HipHop-Geschichte (mit-)geschrieben. Hier erzählt er uns die Geschichten zu drei seiner wichtigsten Beats.

Square One – State Of The Art (1999)

Der Song war eine ziemlich kalkulierte Single. Für unsere Auftritte hatten wir damals bloß vier eigene Songs, haben uns daher immer fremder Instrumentals bedient, vor allem von DJ Premier – dabei sind die Leute immer am meisten abgegangen. Ali [Rasul, MC von Square One; Anm. d. Verf.] forderte von mir daher einen »Nas Is Like«-Beat. Ich habe im Studio dann drei Tage lang nur an der Kickdrum herumgeschraubt, damit sie so klingt wie bei ihm. Irgendwann bin ich dann über das »I Wonder Where Our Love Has Gone«-Sample von Little Junior Parker gestolpert – der Track wurde unsere erfolgreichste Single.

 

Curse – Wahre Liebe (2000)

Damals war ich sehr geflasht von dem Track »Samurai« des französischen Rappers Shurik’n. Als ich eines Nachts nicht schlafen konnte und ein paar Platten auf Samples durchhörte, baute ich innerhalb einer Stunde einen Beat zusammen, der mich von der Atmosphäre her an »Samurai« erinnerte. Kurz zuvor hatte ich Curse kennengelernt, mit dem ich sofort auf einer Wellenlänge war, und da der gerade an seinem ersten Album »Feuerwasser« arbeitete, schickte ich ihm ein Beat-Tape. Zwei Beats davon hat er gepickt, und »Wahre Liebe« wurde die erste Single. Unser damaliger Verleger Götz Gottschalk sagte daraufhin, Curse hätte den Beat gekillt – und das stimmte. Sein Flow und seine Rhymes ergaben zusammen mit dem Beat die perfekte Symbiose.

 

Rasul – Movin’ On (2011)

Das war der letzte Track, den ich mit Ali gemacht habe, und fast hätte ich das Produzieren danach aufgegeben. Nach seinem Tod 2010 habe ich den Spaß daran verloren und fünf Jahre lang nichts mehr gemacht. Wir hatten Square One ja 2001 aufgelöst, und als Ali nach Vancouver gezogen ist, verloren wir uns aus den Augen. Erst 2009 haben wir uns durch Social Media wieder angenähert. Er wollte ein Soloalbum machen und hat mich nach Beats gefragt. Ali war ein sehr verschlossener Mensch, aber auf diesem Beat von »Movin’ On« erzählte er plötzlich frei von seiner Gefühlswelt. Ich habe ihm sofort geschrieben, dass ich den Track liebe, weil er darin seinen Gefühlen freien Lauf lässt. Das war die letzte Nachricht, die er vor seinem Tod von mir erhalten hat.

Iman Magnetics Album »Back To Square One« besteht u.a. aus remasterten und unveröffentlichen Beats für Square One aus der Schaffensphase von 1997 bis zur Auflösung der Gruppe 2001 und wurde am Freitag veröffentlicht. Eine Vinyl-Version gibt es bei Vinyl Digital.

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #186. Back-Issues können versandkostenfrei im Shop nachbestellt werden.

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