One Nation Under A Groove – die neuen deutschen Beat-Labels // Feature

Radio Juicy im Interview

»Vinyl ist nur ein Gimmick für den Käufer«

Inmitten der Wiege des deutschen HipHop, der Neckarstadt Heidelberg, hat sich um das kleine Label Radio Juicy eine Szene formiert, die von klassischem Lo-Fi-Boombap bis hin zu südstaatlichem OldSchool-Trap ein Spektrum umfasst, das nicht nur deutsche Vinyl-Sammler auf die Jagd nach den stets limitierten Kleinstauflagen gehen lässt. Dabei hatte Gründer Janis Koch anfangs nur eine Radioshow geplant.

MPMs »Hi-Hat Club«-Serie ist im Grunde genommen die Mutter aller deutschen Instrumental-Releases. Wie siehst du die Entwicklung der deutschen Beat-Szene?
Es ist auf jeden Fall interessant, da immer mehr Strukturen und Labels entstehen. Trotzdem distanziere ich mich von der Szene in Deutschland. Ich wünsche zum Beispiel MPM alles Gute, finde es aber schade, wohin die sich in den letzten Jahren entwickelt haben – die waren mal Trendsetter, jetzt orientieren sie sich an dem, was andere Labels schon getan haben. Ich arbeite mehr mit internationalen Künstlern zusammen – was in England oder den USA stattfindet, ist für mich gerade spannender.

Das erste Release von Radio Juicy war eine Instrumental-Compilation. Mit welcher Motivation seid ihr 2011 gestartet?
Ich habe mich schon immer viel mit Musik beschäftigt und damals mit einem Kollegen Mixes hochgeladen. Daraus haben sich eine Radioshow und später dann das Label entwickelt.

Du bist Gründer und Betreiber. Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Ich arbeite als Künstlerscout, Manager und Executive Producer in einem. Da viele unserer Künstler im Ausland sitzen, verläuft die Kommunikation oft via Facebook, Skype und Telefon, wir legen aber auch Wert auf persönliche Kontakte.

Euer Geschäft konzentriert sich auf Streamings und Digitalverkäufe. Hat sich etwas vom sogenannten »Vinyl-Boom« in den Verkäufen niedergeschlagen?
Wir haben mehrere Digitalvertriebe, über diese regeln wir die Digitalverkäufe. Vinyl ist nicht unser Fokus, sondern soll eher ein Gimmick für den Käufer sein. Das unterscheidet sich in der Konzeption aber nicht: Meistens habe ich eine Idee und versuche sie dann mit meinem Team so gut wie möglich umzusetzen. Ohne mein Team hätte ich es auch niemals geschafft, diese Standards zu erreichen.

Wo siehst du Radio Juicy in fünf Jahren?
Einfach weitermachen und schauen, was passiert. Ich bin auf jedes unserer Releases stolz, aber aktuell würde ich gerne mal wieder etwas mit Wun Two machen. Wir bringen auch bald eine 4-LP-Compilation mit einer Box raus. Darauf freue ich mich aktuell am meisten.

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