Buddy: »Jeder denkt, dass alle Leute aus Compton brutale Gangmember sind. Ich bin es nicht« // Feature

Als Pharrell Williams vor acht Jahren an Buddys Tür klopft, scheinen die Weichen für eine große Karriere gestellt. Drei Jahre später ist Buddy 24 Jahre alt und der Hype ausgeblieben. Eine Kaytranada-Kollabo spült den Compton-Native vor einigen Monaten wieder in die Timelines. Acht Jahre nach seinem Einstieg ins Musikgeschäft fragen sich nun viele: Wer ist Buddy?

Alles beginnt in der Geburtsstadt des Gangstaraps. Als Simmie Sims wird Buddy 1993 in Compton geboren. Sein Vater ist Pastor, folglich verbringt Buddy viel Zeit in der Kirche – noch heute hört man seinem unbeschwerten Sound die Gospel-Fragmente an. Die Erinnerungen an seine Kindheit sind durchzogen von positiven Assoziationen, die dem klischeebehafteten Narrativ von Compton als einer Stadt der Gang-Kriminalität und Gewalt widersprechen: »Jeder denkt, dass alle Leute aus Compton brutale Gangmember sind. Ich bin es nicht. Meine Eltern hatten ein Haus, wir haben Gartenpartys geschmissen, Freunde kamen vorbei – das ist der Ort, an dem ich aufgewachsen bin«. Die kreativ-künstlerische Sozialisation bringt in schon in jungen Jahren auf die Bühne, er spielt als Kleinkind in Musicals und Theaterstücken mit. Seine späteren Erstversuche als Rapper haben folglich wenig zu tun mit den musikalischen Erben der Söhne Comptons um N.W.A, The Game oder YG.

Musikindustrielle Verstrickungen bringen den 15-jährigen Buddy 2009 mit Mastermind Pharrell Williams zusammen. Der ist begeistert und macht ihn postwendend zu einem Teil seines i-am-OTHER-Kollektivs. Etliche Studiozeit und viel kreatives Techtelmechtel später, kann Buddy mit »Awesome Awesome« einen Lowkey-Hit landen. Es dauert jedoch weitere zwei Jahre bis zum EP-Debüt. »Idle Time« ist ein Statement: Kendrick Lamar, Freddie Gibbs und Popgöre Miley Cyrus finden sich auf der Platte zusammen, die von Top-Produzenten wie Pharrell, Boi-1da und Chuck Inglish zusammengeschraubt wird. Doch ohne konzipierte Promo verpufft der Einstand. »Ich wollte die Musik einfach releasen. Ich hatte das Gefühl, dass ich sonst stehenbleibe«, sagt Buddy rückblickend. »Idle Time« fliegt angesichts der Gästeliste und Buddys Potenzial brutal unter dem Radar. Bereuen will er nichts: »Die Leute mögen die Songs. Wenn ich sie niemals releast hätte, hätte niemand die Chance gehabt, sie zu genießen«.

Vieles ändert sich, als Buddy Anfang dieses Jahres sein Elternhaus und Compton verlässt und nach Santa Monica zieht. Ein Wendepunkt, auch künstlerisch. Zusammen mit Qualitätslieferant Kaytranada entsteht im Mai »Ocean & Montana«, wo sich Buddy auf fünf Tracks zwischen HipHop, House und Soul bewegt, unpeinlich tanzbar und durchzogen von einer ergreifenden Tiefe, die trotzdem Luft für Spielereien lässt. Das Kollabo-Projekt ist einer der überzeugendsten Beweise für die harmonische Koexistenz tanzbarer Rhythmen und frischer Raps – fernab von durchgekautem Marimba-Geklimper und Dancehall-Imitaten. An der Seite von Artists wie GoldLink, Kaytranada oder Syd nimmt Buddy HipHop die Verkrampftheit. In instabilen gesellschaftspolitischen Zeiten wirkt er als verspieltes Individuum wie der personalisierte Ausbruch aus negativen Gedankenstrukturen. »Es geht nicht immer darum, alle anderen ändern zu wollen, denn das wird sowieso nicht passieren. Jeder sollte versuchen, sich selbst und seine Art zu denken zu reflektieren, um dadurch seinen persönlichen Höhepunkt zu erreichen«. Seinem eigenen persönlichen Höhepunkt hat sich Buddy im laufenden Jahr mit zwei großartigen Projekten bereits angenähert. Doch sein Album soll noch größer werden. Und Buddy ist sich sicher: »Es wird großartig«.

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