YG – Still Brazy // Review

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(Def Jam / Universal)

Wertung: Fünf Kronen

Man könnte es als Ehrung missverstehen, dass der Secret Service »Still Brazy« noch vor ­Veröffentlichung Korrekturlesen wollte. Wie YG im Interview mit DJ Whoo Kid erzählte, ­kontaktierte ihn das ­Schutzorgan des US-Präsidenten, um die Albumtexte ­einzusehen, ­nachdem auf »FDT« dem republikanischen (würg!) ­Präsidentschaftskandidaten Gewalt angedroht wurde. Tatsächlich blendete man ­daraufhin einige kritische Textstellen aus. Mit den allerhöchsten Behörden will es sich der OG, ­respektive der Major, dann doch nicht ­verscherzen. Für die Polizei macht er aber keine Ausnahme: Als YG im letzten Jahr in Studio City in L.A. ange­schossen wurde, vermeldeten die Ordnungshüter, dass er sich »äußerst unkoope­rativ« in der Aufarbeitung des Überfalls gezeigt hätte. Immerhin: Mit seinem ehemaligen Taktgeber DJ Mustard spricht YG seit der Coachella-­Friedenspfeife wieder. Ganz der Blood, lesen sich die letzten Jahre seit dem großartigen Debüt »My Krazy Life« wie das (Achtung, Zynismus) Bilderbuch-Narrativ eines Gangsta­rappers. Was im Privatleben für Schlaflosigkeit sorgte, sollte sich positiv auf sein kreatives Schaffen auswirken: Der Highschool-Dropout aus Bompton hat für sein zweites Album genug Trust Issues und Dramen abzuhandeln. Wo früher DJ Mustard die Bässe furzen und Finger schnippen ließ, erweckt nun DJ Swish seinen inneren DJ Quik, während Terrace Martin Parliament-Querdenker George Clinton zitiert. »Still Brazy« greift geschmackssicher das Soundbild der Golden Era der Wesküste auf, ohne in die Retro-Trap zu fallen. Auf der 2Pac-Referenz »Who Shot Me« macht er die Paranoia greifbar, die das ganze Album durchzieht: »Damn, did the homie set me up … My thoughts dark as fuck.« Von den 2Dopeboyz-­Kollegen zum »most socially consicous« Gangstarap-Album der letzten 20 Jahre erkoren, erzählt »Still Brazy« die letzten ­filmreifen Jahre im Leben des Keenon Jackson als G-Funk-Blockbuster. Aber kann Gangstarap überhaupt unpolitisch sein? YG selbst würde wahrscheinlich von ungeschönter Alltagsbeobachtung sprechen. ­Indem er aber prä-bürgerkriegsähn­liche Zustände, institutionellen ­Rassismus, ethnische Ghettoi­sierung und die gesellschaftliche Spaltung in den USA auf den Punkt bringt, wird er unfreiwillig zu einem der wichtigsten und authentischsten politischen Repräsentanten seiner Generation.

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