Bobby Basil – Come Down To Me (prod. Alfred English) // JUICE Premiere

Mit Rejjie Snow und seinem wunderbaren Album »Dear Annie« reckte vergangene Woche endlich ein irischer Künstler die Flagge für den westeuropäischen Inselstatt in die Höhe. Die Raplandschaft in Éire war bis dato eher überschaubar: neben Rejjie Snow hat es das Duo Hare Squead, unter anderem auch durch Co-Signs von Masego und Goldlink, an den Rand des Nerd-Universums geschafft, ohne jedoch wirklich auszubrechen. Der Umstand, dass irische Künstler noch nicht im Mainstream passieren, bedeutet jedoch nicht, dass es im Rap-Untergrund des kleinen UK-Bruders nicht auch brodelt und rumpelt.

Als Bobby Basil 2012 in Shankill, einem kleinen Suburb von Dublin, anfängt Musik zu machen, wird die lokale Presse auf den Noch-Teenager aufmerksam. Damals agiert Bobby noch im Tag-Team mit seinem Ex-Partner, die gemeinsam das Duo Dah Jevu bilden und lokale bis regionale Anerkennung einheimsen. Seit 2015 geht man in Dublin getrennte Wege und Bobby Basil seinen eigenen. Während sich der musikalische Output von Dah Jevu am frühen Odd-Future-Sound bediente und thematisch wie klanglich teilweise abseitige Wege ging, die gerne mal okkulte, dunkle Ästhetik zitierten, fokussiert sich Bobby im Alleingang nun vornehmlich auf die Drake’sche Themenpalette: Beziehungen jeglicher Art. Ob zu Freunden, Frauen oder eben die Beziehung zu sich selbst – Bobby Basil verpackt Introspektivität, Selbstbewusstsein und Abhandlungen über den täglichen Struggle zwischen dem Druck, seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, und oberflächlichen Begegnungen mit Menschen in ein künstlerisches Gesamtkonzept. Seine Musik hat zudem etwas Selbstzerstörerisches – nicht umsonst zählt er unter anderem Kurt Cobain und Tekashi 6ix9ine (»Despite the alligations against him, I only notice him for the music he makes and try to stay un bias«) zu seinen Einflüssen. Er selbst beschreibt seinen Künstler-Duktus wie folgt: »My music is based around my frustrations with friendships, girlfriends and difficulties trying to keep a healthy family life when being 24 and my selfish aspirations for wanting more attention inside my own ignorance«.

Auf »Come down to me« werden diese Elemente von einer melancholischen 808-Stütze getragen, die sich in der vorhandenen Soundpalette nirgends so richtig einordnen lassen will. Allgemein bedient sich Bobby verschiedenster Styles, seien es Trap-Sounds oder Post-Grime-Anleihen. Er setzt auf Ästhetik, ob in seiner Musik, seinen Videos oder seinem Instagram-Profil, der wie ein Online-Auftritt einer Modezeitschrift wirkt. Er ist begeistert von der abstrakten Kunst Benne Basquiats und hat ein Faible für Retro-Streetwear. Doch glattgebügelt wirkt das alles nicht, denn Bobby lässt die Risse in der Hochglanz-Fassage bewusst zu. So lernt man den jungen Mann aus Dublin durch seine Musik kennen. Und genau das möchte er auch.

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