Beast Coast – Escape From New York // Review

»Escape From New York« ist dope, verliert aber nie den ermüdenden Charakter einer Open-Mic-Freestyle-Session.

(Beast Coast Media)

Wertung: Dreieinhalb Kronen

Die Beast Coast ist bislang das letzte große Movement des Big Apples. In quasi einer direkten Blutlinie zwischen Wu-Tang Clan und The Diplomats führte die Posse um Pro Era, Underachievers und Flatbush Zombies den NY-Rap und vor allem die YouTube-School Anfang des Jahrzehnts zurück auf gesampelte Beats, mehrsilbige Reime und bewusstseinserweiterte Spiritualität. Neoklassizismus, nannten das manche Gazetten, oder Neo-Boom-Bap. Die drei Crews sind Kritikerlieblinge. Das erste Posse-Album der Supergroup muss sich allerdings die Frage gefallen lassen, wohin die Reise sieben Jahre nach »1999« gehen soll. Denn »Escape From New York« erscheint zum einen gute fünf Jahre zu spät und stellt dann auch noch eine kreative Abkehr von bisher beschrittenen Pfaden dar. Mehr Gesang, mehr Trap, mehr Pop. Das ist weder verwerflich, noch eine Überraschung. Schon auf Joeys Schlüsselwerk »All-Amerikkkan Badass« oder »Vacation in Hell« von Flatbush Zombies zeichnete sich eine Sanierung der Faustformel um MPC-Drums und Sample-Loops ab. Der Titel »Escape From New York« ist aber auch programmatisch. »Unlocked my chains and I’m feelin‘ so free«, rappt Joey Bada$$ auf »Distance« beispielsweise. Doch den Weg in die kreative Freiheit bestreitet das Movement nicht geschlossen auf diesen Boom-Trap-Geschossen. Zwar hat man sich der basisdemokratische Idee hingegeben, jedem Mitglied einen Auftritt in den insgesamt 13 Liedern zu geben, aber die Stallordnung wird trotzdem nicht aufgebrochen. So treten die Zombies fast ausschließlich als Dreigestirn in Erscheinung, die Underachievers unterliegen im Bawrz-Hagel dieser »Jeder hat einen Part«-Politik fast unbemerkt und der heimliche Bandleader Bada$$ überstrahlt die Hauptversammlung mit jedem noch so kleinen Auftritt. Vielleicht hätte man das Unterfangen »Joey Bada$$ & Friends« nennen sollen. »Escape From New York« ist dope, verliert aber nie den ermüdenden Charakter einer Open-Mic-Freestyle-Session.

Text: Kilian Peters

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