50 Cent, Kendrick, Snoop Dogg: Wie sich US-Rapper gegen Waffengewalt positionieren // Liste

No guns allowed: Die Attentate von El Paso und Dayton haben gezeigt, dass die USA weiter ein Waffenproblem hat - Wie sich Rap bereits seit Jahren dagegen wehrt.

Ein Monat ist es her, dass in El Paso und Dayton 31 Menschen durch ein rechtsradikal-motiviertes Attentat ihr Leben verloren. Problematisch dabei: Zum einen natürlich das ideologische Motiv, zum anderen das Jahrzehnte alte Waffenproblem Amerikas. In keinem anderen westlichen Industrieland sterben so viele Menschen durch Schusswaffen wie in den USA – etwa 40 000 pro Jahr (wie die Süddeutsche Zeitung kürzlich titelte). Namhafte Gesichter der US-Musikszene wie Cardi B, Lizzo und Rihanna griffen in Folge dessen Präsident Trump an, während noch am selben Tag die US-amerikanische Sängerin Lana Del Rey ihren Song »Looking for America« aufnahm und in einem bereits 1,6 Millionen mal gestreamten Instagram-Video die folgende Strophe sang: »I’m still looking for my own version of America / One without the guns, the flag can freely fly/ No bombs in the sky, only fireworks and you and I«.

»I’m still looking for my own version of America / One without the guns«

Das Thema Waffengewalt beschäftigt seit Jahrzehnten auch die US-amerikanische Rapszene. Jüngste populäre Opfer von Waffengewalt wie Nipsey Hustle und XXXTentacion reihen sich ein in eine lange Reihe von Morden, an deren prominenter Spitze Tupac und the Notorious B.I.G stehen. Dem häufig auftauchende Vorwurf – HipHop betreibe Waffen- und Gewalt-Verherrlichung – lässt sich jedoch eine Reihe an Gegenbeispielen anführen, die einen Schulterschluss mit dem Anti-Waffen Song Lana Del Reys suchen. Die folgenden neun Songs erzählen Geschichten über die andere Seite des Waffenbesitz.

1. ScHoolboy Q feat. Kid Cudi – Dangerous

Der Zyklus der Gewalt

Die jüngste Rap-Perspektive zum Thema Waffengewalt ist dem im Juni 2019, einen Monat vor den Attentaten von El Paso und Dayton, erschienenen Track »Dangerous« von ScHoolboy Q und Kid Cudi zu entnehmen – expliziter in dem von Alexandre Moors konzipierten Video und in der darin verpackten Message. Während Q und Cudi sich textlich der Liebe (ersterer) und der Gefahr (letzterer) ihres Drogenkonsums widmen, transferiert das Video das Thema der Gefahr auf den Bereich der Waffengewalt. Dabei visualisiert es mit einer Missions-Szene eines Videospiels (GTA) die Ausweglosigkeit des Gewaltzyklusses und erteilt damit eine Absage an Gewalt jeder Coleur. Kein Trashtalk. CrasH-Talk!

2. YNW Melly – Murder On My Mind

Mordgedanken

Die Geschichte von Jamell Maurice Demons ist genauso schrecklich wie unverständlich. Beobachtet man die Streaming-Profile des 19-jährigen YNW Melly, so wird man Zeuge davon, wie schnell es im Jahr 2019 gehen kann. Mellys Spotify-Profil weist bereits ein Kanye-West-Feature sowie 300 Millionen Streams auf seinem erfolgreichsten Song »Murder On my Mind« auf – dabei ist letzterer ein Zeugnis einer traurigen Realität.

Der Rapper aus Gifford (Florida) wurde Mitte Februar 2019 von der Polizei verhaftet und sitzt seither in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, mit seinem Kumpel YML Cortlen zwei seiner Crew-Mitglieder erschossen zu haben. YNW Sakchaser (Anthony Williams) und YNW Juvy (Christopher Thomas Jr.) waren im Oktober 2018 an einem manipulierten Tatort tot aufgefunden worden. Nachdem die Ermittler zunächst von einer »gewöhnlichen« Gang-Schießerei sprachen, fand man schnell Beweise für die Beteiligung Mellys an diesem Fall. In seinem Track »Murder on my Mind« arbeitet Melly diese Geschichte auf und schockt mit Zeilen wie: »Wake up in the morning, I got murder on my mind/ AK-47, MAC-11, Glocks, and niness«. Der Song beschreibt die Geschichte als ein Missgeschick des Protagonisten – die Beweislast spricht dagegen. Im Song wird nicht mit Waffen geflexxt, vielmehr verdeutlicht er die bittere Realität, für die sie sorgen können.

3. Kendrick Lamar – BLOOD.

Hoffnung aufs Überleben

Das mit dem »Pulitzer-Preis« gekrönte Album »Damn« von Kendrick Lamar hält eine weitere Geschichte aus dem Bereich Gewaltverbrechen bereit. Das Intro »BLOOD«, der zugleich kürzeste Song des Albums, erzählt eine verknappte Story, die Raum lässt für Interpretationen. Kendrick hilft dabei einer alten, blinden Dame über die Straße, von der er in Folge dessen erschossen wird, weil er wie viele aus seinem Umkreis vom richtigen Weg abgekommen ist – »and became damned«.
Am Ende des Albums greift Kendrick den Erzählstrang im Song »DUCKWORTH« erneut auf und erzählt die Geschichte des bewaffneten Anthony »Top Dawg«, der eine KFC-­Filiale ausrauben will, in der Kendricks Dad, Ducky, ­arbeitet – sich dann aber auf Grund Duckys Großzügigkeit dagegen entscheidet. Dass der Protagonist dieses mal nicht erschossen wird, gehört zum Konzept des lebensbejahenden Albums, in dem Kendrick die Ketten des Gewaltkreislaufs zerbricht und exemplarisch darstellt wie die Thematisierung von Waffengewalt in einem hoffnungsvollen Ton stattfinden kann. Der Song »BLOOD«, er übt nicht nur Kritik, er spendet im Verbund mit seiner Fortsetzung auf »DUCKWORTH« gleichfalls Hoffnung.

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