20 Jahre Fruity Loops: HipHop-Revolution aus Belgien // Feature

Illustration: Lennart Menkhaus, www.lennartmenkhaus.net

Doch hat FL Studio nicht nur Befürworter. So ist es vor allem die signifikante Klangfärbung – ein angeblich leicht plastischer Unterton –, die FL-Studio-Produktionen für manche HipHop-Musiker zu einem roten Tuch machen: »Ich bin viel auf analogem Shit, mache aber mit allen Programmen Beats – außer Fruity Loops«, erzählte Travis Scott einmal Complex. »Fruity Loops hat einen Eigenklang, der sehr wack ist. Du kannst darin nicht vernünftig mixen.«
Auch der deutsche Producer Rooq, der unter anderem Credibil, Witten Untouchable, aber auch Veysel mit unterschiedlichem Instrumentalwerk versorgte, arbeitet zwar mit Musiksoftware, kann FL Studio allerdings nichts abgewinnen: »FL Studio ist patternbasiert, und damit bin ich noch nie klargekommen.« Aber auch Rooq räumt ein: »Ich finde, abgesehen von meinen persönlichen Präferenzen, dass FL Studio den Sound einer ganzen Generation geformt hat. Es hat ja auch kaum noch was mit dem ursprünglichen Fruity Loops zu tun und ist heute eine komplette, unglaublich komfortable und gut ausgestattete DAW.«

Der Sound einer Generation

Rooq spielt auf einen spezifischen Einfluss von FL Studio an, der sogar noch fundamentaler ist, als zur Demokratisierung des Producings beigetragen zu haben: Denn die sogenannte Piano-Roll, die tatsächliche Kompositions-Amplitude in FL Studio, erlaubt es, Noten und Sounds millimetergenau zu verschieben, sodass Elemente beliebig oft zwischen Achtel- und Sechzehntelnoten verschoben werden – eigentlich eine technische Randnotiz, aber extrem effektiv. »Du siehst alles und kannst es überall hinbewegen«, kommentierte Hit-Boy gegenüber dem Fader.
Der pattern-basierte Step-Sequencer wurde vor allem mit dieser Funktion ad absurdum geführt – die stotternden Hi-Hats aus Cardi Bs »Bodak Yellow« oder die getriggerte Snare aus Shindys »ROLI«? Beides Ergebnisse desselben Verfahrens. Klar, triolische Hi-Hat-Programmierungen und Drumrolls finden sich auch schon auf HipHop-Beats der Achtziger und Neunziger, doch weitaus weniger elementar als heute. Ohne dieses Einwirken von FL Studio würde sich der tatsächliche HipHop-Sound heute anders anhören. Somit hat Fruity Loops bereits jetzt das Rhythmusbild von HipHop für immer verändert – abgesehen von dem Umstand, dass ähnliche Entwicklungen auch im EDM-Bereich stattgefunden haben, wo Künstler wie Avicii oder Deadmau5 ganze Weltkarrieren aus FL Studio heraus produziert haben. Bono soll bei der Einführung des iPods übrigens gesagt haben, Apples Mp3-Player sei die genialste Erfindung für Pop-Musik seit der E-Gitarre. 2018 könnte diese Aussage lauten: »FL Studio ist die vermutlich genialste Erfindung für Pop­musik seit dem iPod.«

Dieses Feature erschien erstmals in JUICE #185. Back Issues können im Shop versandkostenfrei nachbestellt werden.

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