Eine Ansage an meine Generation // Ein Kommentar von Falk Schacht

Karate-Andi
 
Als Rap-Musik liebender Teenager hatte ich es nicht immer einfach. Es fühlte sich so an, als würden mich meine Lehrer belächeln, aber auch meine Onkel und Tanten und der Rest der Gesellschaft. Rap und HipHop war nichts, was diese älteren Generationen ernst genommen haben. Ihre Meinung und ihr Urteil waren felsenfest. Und das, obwohl die Älteren per se immer die ­Verantwortung für sich beanspruchen. Ich habe mich ­damals immer gefragt: Wo nehmen die Älteren ihre Verantwortung wahr?
 
Ich habe sie gehasst, diese hängengebliebenen Sätze und Meinungen von alten Menschen, die ihrer eigenen Jugend nachtrauern und deshalb alles Nachfolgende schlechtmachen müssen. Glaubt nicht, dass sich einer dieser älteren Menschen mit meiner Kultur auseinandergesetzt hätte. Die Historie von Rap? Das ist doch eh keine Musik. Oder mir ein paar Fragen stellen, was ich daran finde? Sheesh, Dicka, was ein Teenager denkt, ist unerheblich. Sonst wären sie ja Erwachsene!
 
Ich habe diese Ignoranz immer abgrundtief verachtet, um nicht zu sagen: es als totale Dummheit empfunden, wenn ­vermeintlich offene und studierte Menschen mir halb so altem Jugendlichen gegenüber ihre ­komplette Elitearroganz auslebten. ­Inzwischen sind viele Jahre vergangen, und HipHop und Rap sind kräftig ­gewachsen. Nichtsdestoweniger treffe ich alltäglich immer wieder auf diese Ignoranz der ­Gesellschaft. Aber zum Glück gibt es genug Menschen um mich herum, die HipHop so lieben wie ich.
 
Aber schon seit langem bemerke ich auch hier, innerhalb der Szene, diese Eliteignoranz aus meiner Teenagerzeit. Dieses Mal kommen die Sätze aus der Richtung meiner Altersgenossen. Männer und Frauen um die vierzig, gerne auch schon drüber, die inhaltlich genau dieselben Sätze in Richtung junger Menschen ablassen, die sie selbst früher hassten zu hören. Das sei »alles kein HipHop mehr, keine Rap-Musik, der ist kein richtiger Rapper, es gibt keine Jams mehr, früher war alles besser« und so weiter.
 
Und ich kann wieder nur sagen: Ich hasse ­diese hängengebliebenen Sätze und ­Meinungen von alten Menschen, die ihrer eigenen Jugend nachtrauern und deshalb alles Nachfolgende schlechtmachen müssen.
 
Redet gefälligst mit den jungen Menschen von heute. Versucht sie zu verstehen. Fragt sie, warum sie etwas gut finden. Wenn ihr 16 wärt, würdet ihr genau dasselbe feiern. Sie ­repräsentieren euer jüngeres Ich in der Jetztzeit. Wenn ihr eurer Verantwortung nicht nachkommt, werdet ihr genauso gehasst und am Ende ­kulturell abgehängt wie die ­Generation der Alten, die uns genervt hat.
 
Text: Falk Schacht
Illustration: Christian Wegerich
 
Dieser Text war Teil unseres Jahresrückblicks in JUICE #164 (hier versandkostenfrei nachbestellen).
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