Young Fathers – White Men Are Black Men Too // Review

youngfathers_cover(Big Dada)

Wertung: Vier Kronen

»File under: Rock & Pop« wird auf dem neuen Album der Young Fathers aus Edinburgh stehen. Das Trio macht den Mittelfinger hoch für HipHop im Speziellen und das Konstrukt Black Music allgemein. Als ob das notwendig wäre nach ihrem letztjährigen Album »DEAD«, das sich mit seinem schön kaputten Mix aus Indierock, Weirdo-Soul und tribalistisch-mystischen Beats und Chorgesängen den britischen Mercury Prize wirklich verdient hat. Keine Spur von Konventionen. Aber sie werden es selbst wohl besser wissen, was notwendig ist im Jahr 2015, sonst würden sie ihrer neuen Platte auch nicht so einen kämpferischen Titel geben. Es ist alles immer noch genauso im Arsch wie eh und je in Sachen Rassismus, Zuschreibungen und Ausgrenzung. Da wird auch die Band die eine oder andere Erfahrung gemacht haben. Ist es eine Flucht oder ein Befreiungsschlag, sich im neutralen Feld zu verorten? Pop und Rock sind ja auch nur sinnlose Zuschreibungen, und die Young Fathers machen eh das, worauf sie Bock haben. Ihre Persönlichkeiten, Wurzeln und Einflüsse geben da dann ganz automatisch den Ton an. Dieses neue Album steht »DEAD« in Sachen Qualität in nichts nach, nur das Songwriting ist einen Tick freier und skizzenhafter, roher und vielleicht ein bisschen unfertig. Die Fuzzyness ist gewollt, als Inspiration für die Platte liest man schließlich Namen wie Beck, Captain Beefheart, The Fall und Faust. Hört man – einerseits die Experimentierfreudigkeit dieser alten Rocker, aber manchmal auch altbackene Sounds. Orgeln und angejazzte Schlagzeugeskapaden sorgen gern für Kuddelmuddel. Gut, dass die Young Fathers immer einen Sinn für Hits haben und viel Hier-und-Heute-Vibe zwischen den ganzen geilen Lärm bringen. »Hang the hangman/Bang the gang bang/Call me John Doe/Let the good times roooooll« geht es ziemlich gutgelaunt und trötend im Song »John Doe« zu, einem der Hits. Es shuffelt, es handclapt und pfeift überall, aber kein Song gleicht dem anderen. Da prallen so hohe Level von Euphorie und Musikalität aufeinander, dass man Angst bekommt. File under: nicht zu fassen.

Text: Michael Döringer

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