Slowthai – Nothing Great About Britain // Review

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(Universal)

Wertung: Fünf Kronen

Allein dieses Cover! Der Blick in die Vergangenheit auf’s »Original Pirate Material«. Wo beim Skinnermike aber der Sozialbau noch romantisiert wurde, ist’s 2019 voller Müll, und anstatt eines schönen menschenleeren Architektur-Pics hat man hier eine Handvoll junger Menschen im Bild; und zwei Union Jacks. Es ist gewissermaßen das Upgrade des ersten Klassikers, den der britische HipHop in den Noughties hervorgebracht hat. Was für Fußstapfen! »Nothing Great About Britain« ist ein Kunstwerk. Im Zentrum dieses Kunstwerks steht einer, der offenbar von den Herrschenden an den Pranger gestellt wurde und trotzdem lacht. Ist er der Jesus des Sozialbaus? Vielleicht. In jedem Fall ist er der Protagonist dieses wundersamen Albums. Wundersam deshalb, weil es so ein unwahrscheinlicher Release ist. Ein Album-Album: mit Anfang, Mittelteil und Ende, einer Dramaturgie. Ein Album ohne Hits, das unbedingt durchgehört werden muss. Das von vorne bis hinten neue Ideen ausprobiert, ohne zu nerven. Das mal leise ist, meistens laut und wild, aber ohne zu stressen. Das einen Menschen in den Mittelpunkt stellt, radikal individualistisch dessen Weltsicht darlegt und gerade deshalb Mut macht und ein Gefühl von Gemeinschaft stiftet. Mut, wütend zu bleiben, ohne dabei Empathie zu verlieren. Mut, die eigenen Ansprüche an die Welt zu formulieren, ohne andere aus dem Auge zu verlieren. Mut, eigene Gedanken zu haben, ohne großen Aluhut. Das erscheint zu hochtrabend, zu romantisch, zu wasauchimmer? Dann fuckoff! Dieses Album ist nicht für dich. Wenn du bisher nicht abgeschreckt bist, dann aber ist dieses Album vielleicht doch für dich – und unter diesen Umständen solltest du diesem jungen Kerl, den sie Slowthai nennen, unbedingt 33 Minuten deiner Aufmerksamkeit widmen. Es wird das beste sein, was dir an diesem Tag widerfahren ist. P.S Das war dir jetzt zu wenig Musikbeschreiberei? Eeeh, du weißt was ich gleich schreiben werd – also lass ich’s halt.

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