Review: Kool Savas – Märtyrer

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(Essah Media/Sony Music)
 
Die Ankündigungen neuer Releases alter Helden sind ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite steht die in prägende Erinnerungen getränkte Vorfreude auf neues Material bewährter Künstler und die ungetrübte Hoffnung auf einen möglichen neuen Klassiker. Auf der anderen Seite die schiere und begründete Angst, dass die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllt werden und ein weiteres Idol aus Jugendtagen das selbst erschaffene Monument seines Œuvres leichtfertig zum Einsturz bringt. Im Falle Kool Savas darf man aufatmen – denn der Wieder-Berliner hat auf seinem vierten Soloalbum »Märtyrer« erfreulich vieles richtig gemacht. Zum einen legt er den Fokus auf das, worin ihm auch heute noch kaum jemand »das Wasser reichen kann wie Barkeeper«: technisch perfekt rappen und mit inbrünstiger Delivery über den Beat flowen. Keine Effekte und kein Schnickschnack (word to STF) – einfach Rap in seiner reinsten Form; die zwölf Songs markieren eine Besinnung auf Savas’ Wurzeln als MC, ohne dass man dabei einen Rückschritt ausmachen könnte (einen Schritt nach vorne allerdings auch nicht). In Sachen musikalischer Untermalung kann man dem 39-Jährigen ebenso wenig an den Karren fahren. Savas’ Geschmackssicherheit kommt vor allem im treibenden »Es ist wahr / S A zu dem V« (vom bewährten SAV-Produzenten Smoove) mit der gesummten Kindermelodie und im wuchtigen Titeltrack zur Geltung, für den wiederum KD Beatz verantwortlich zeichnet. Zudem hat Savas vermutlich gut daran getan, die Songs der neuen Platte nicht mit etlichen Features vollzuballern. Mit Masta Ace und Tajai hat er auf »The Essence« mit souverän agierenden alten Helden kollaboriert, für »Limit« holt er sich Alex Prince mit ins Boot. Die thematisch etwas einseitige Ausrichtung von »Märtyrer« (Battlerap eben) wird immerhin auf »Zweifel und Bestätigung« ansatzweise aufgebrochen, indem SAV Kritik an der Kritik übt – und dafür Laas Unltd. für ein paar schöne runtergepitchte Lines in die Booth geholt hat. Der Sinn der Zusammenarbeit mit Tim Bendzko im Intro will sich hingegen auch nach mehrmaligem Hören nicht so recht erschließen, aber sei es drum: Savas werkelt somit fleißig weiter an seinem selbst erschaffenen Monument – wenngleich mit »Märtyrer« eher in die Breite, weniger in die Höhe gebaut wurde.
 

 

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