Reezy – Teenager Forever // Review

Mit etwas mehr Mut und einem Tick mehr Tiefe hätte ein großartiges Album daraus werden können. So bleibt es eine gute LP eines Künstlers, der die Zutaten für noch mehr in den Händen hält.

(Twosides / Sony Music)

Wertung: Vier Kronen

Bausa, Rin, Shindy, Hurn – ganz offensichtlich hat Reezy etwas, das erfolgreiche Rapper anzieht wie das Licht die Fliegen. Doch was? Antworten findet man auf seinem Debütalbum, auf dem er sich neben kontemporären autotune-getränkten Rap-Parts an etwas versucht, das man entweder als Königsdisziplin oder hoffnungsloses Unterfangen bezeichnen könnte – er übersetzt R’n’B auf Deutsch, nein: Er übersetzt R’n’B für Deutschland. Und das macht er dank ausgeprägtem Melodie­gefühl und passender Instrumentalisierung ausgesprochen gut. Der Titelsong »Teenager Forever« macht direkt viel richtig und dient perfekt als Stimmungstest: Wer das mag, mag das komplette Album. Melodische Pianoeinlage, Drum-Wechsel in der Mitte des Songs – die Produktion transportiert einen authentischen, zeitlosen R’n‘B-Vibe, gepaart mit zeitgeistigen Zutaten, ohne zu kitschig zu werden. Zumindest meistens, denn die Flöte auf »PMW« hätte man sich sparen und »Paranoia2« hätte etwas mehr Kante in der Hook gut vertragen können. Anyway. Apropos Kante: Lyrisch bekommt man mit dem Opener tatsächlich den gehaltvollsten Track und in Ansätzen so was wie eine Geschichte geliefert. Das Album ist insgesamt kein lyrisches Meisterwerk. Worte sind eher Melodie- als Nachrichtenträger – und das so konsequent, dass man davon ausgehen kann, dass diese Entscheidung bewusst getroffen wurde. Aber ey, wenn anspruchsvolle Lyrics gegenüber anspruchsvoller Produktion zurückstecken müssen, ist das absolut in Ordnung. Gäste sind rar gesät und ordnen sich entspannt dem Vibe des Albums unter, obwohl mit Bausa, Yung Hurn, Nash und Eno beileibe keine kleinen Namen vertreten sind. Man kann festhalten, dass Reezy das Konzept »Album« verstanden hat und ein stimmiges Erstlings­werk abliefert. Mit etwas mehr Mut und einem Tick mehr Tiefe hätte ein großartiges Album daraus werden können. So bleibt es eine gute LP eines Künstlers, der die Zutaten für noch mehr in den Händen hält.

Text: Alex Metz

Hier findet ihr unser Interview mit Reezy zu »Teenager Forever«.

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