Pöbel MC: »Die metaphorische Backpfeife hilft auf jeden Fall« // Interview

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Pöbel MC hat die anhaltende Pandemie nicht verschwendet, sondern für viel künstlerischen Output genutzt. Angefangen beim Alter Ego Multilingual Mike und Ausflügen in elektronische Musik über die »Stress & Raugln«-EP bis zur neu erscheinenden EP »Backpfeife in Endlosschleife« hat der Pöbelmane sich kreativ ausgetobt. Auf seinem neuen Projekt verbindet er stabilen Battle-Rap mit ernsthaften politischen Statements, ohne dabei auf Humor zu verzichten. Wir haben uns mit Pöbel MC über sein Leben während der Pandemie, Musikvideos mit Storyline, die Umwandlung von Frust in Spaß, die Auswirkungen von #DeutschrapMeToo und Inspirationen von Memphis Rap unterhalten.

Foto: MarshlCeronPalomino

Das letzte Mal haben wir uns im März 2020 getroffen, das war noch in Person und kurz vor den ersten Einschränkungen. Dann kam die Pandemie und du hast in der Zwischenzeit ziemlich viel neue Musik rausgebracht. Wie lief diese Zeit für dich?
Pöbel MC:
Durch die Pandemie hatte man erstmal mehr Zeit und musste keine Auftritte spielen, Feiern gehen und seine Zeit mit Katern verbringen. Das hat sicherlich dazu beigetragen, dass ich in der Zeit mehr produzieren konnte. Außerdem hatte ich einfach Bock und gute Bedingungen, um neue Mukke zu machen. Ich hab ein kleines Studio, wo ich an den Produktionen rumbastele.

Mit »Multilingual Mike« hast du sogar einen ganz neuen Artist erschaffen.
Pöbel MC:
Das ist auch ein bisschen Pandemie-getrieben gewesen. Die Stilistik auf dem ersten Release »Nass vom Bass« ist so ein bisschen Russian Hardbass. Eine Anlehnung an einen sehr schnellen Techno-Style, der von ein paar russischen Künstler*innen betrieben wird. Das habe ich zu Beginn der Pandemie für mich entdeckt und fand es geil, weil es so viele Energie hat und gleichzeitig ein bisschen trashig und überdreht ist. Aber es ist trotzdem nicht albern, sondern vor allem doll. Außerdem hat das ein bisschen kompensiert, dass man selbst nicht Feiern gehen konnte und sich eher in irgendwelchen Buden mit Alkohol einen Bunten gemacht hat. In diese Richtung wollte ich gehen. Etwas, dass sich musikalisch und inhaltlich von Pöbel MC abgrenzt.

Hast du die russischen Untertitel im Kurzfilm »La Vida Loca auf Beats aus Osteuropa« deshalb reingenommen, weil die Musik von russischen Artists inspiriert ist?
Pöbel MC: Voll. Ich glaube es sind chinesische und russische Untertitel. Wir hatten das Glück, jemanden zu kennen, der sowohl Chinesisch und Russisch als auch Deutsch und Englisch kann. Eigentlich ist es nur ein Gag, der dieses Kunstkonglomerat ein bisschen weiterspinnen soll. Natürlich nimmt das Bezug darauf, dass dieser Stil auf Osteuropa Bezug nimmt. Ich glaube die Untertitel sind zum überwiegenden Teil auch Quatsch. Wir meinten, dass es so ungefähr stimmen sollte, aber eigentlich auch etwas ganz anderes drin stehen kann. Ich habe noch von niemandem in den YouTube-Kommentaren gelesen: »Hier, bei Minute 4:15, da stimmt der Untertitel nicht.« Das sind einfach begleitende Schriftzeichen, die einen eh schon extravaganten Gesamteindruck abrunden sollen. Aber ungefähr sollten die Untertitel stimmen, auch wenn ich es nicht kontrolliert habe, weil ich es nicht kontrollieren kann. (lacht) Es steht vermutlich nichts despektierliches drin, daher ist das ok.

Es ist ein echt liebevolles Projekt geworden. Das Video hat mich direkt an die ersten beiden Videos aus deiner kommenden EP »Backpfeife auf Endlosschleife« erinnert, die auch eine zusammenhängende Story erzählen. Hast du dort mehr Energie reinstecken können, weil du in der Pandemie diesen kreativen Freiraum hattest?
Pöbel MC:
Mein Interesse dafür hat schon mit dem Multilingual Mike-Projekt angefangen: Sich eine Story überlegen, Drehbuch schreiben und das mit anderen realisieren. Auch bei Rapvideos finde ich diesen Mehrwert gut, wenn neben dem eigentlichen Song noch eine absurde Story stattfindet. Das Gegenstück wäre wahrscheinlich ein reines Performance-Video, wo es um bestimmte Ästhetiken geht, die Leute benutzten, um bestimmte Assoziationen mit ihrer Musik herzustellen. Zum Beispiel, dass sie Straße sind, sich mit Mode auskennen oder Drogen nehmen. Das kann auch viel Flavour haben und die Musik unterstützen, aber zumindest zuletzt fand ich es lustig, dazu noch eine Story zu erzählen. Dadurch hält man das eine Video mit dem anderen interessant, weil sie sich ergänzen und nicht entkoppelt stattfinden. Jemand, der das auf einem ziemlich hohen Niveau gemacht hat, ist Dizzee Rascal. Der hat einige lustige Storyline-Videos, die oft eng mit dem Song verknüpft sind. Da kommt im weiteren Sinne eine Inspiration für originellere Videos her, bei denen ich mich eben nicht nur mit fünf Hanseln vor eine Ruine stelle und von schräg unten gefilmt wird.

Hast du dir Leute gesucht, mit denen du die Story geschrieben hast, oder war das erstmal eigene Ideenumsetzung?
Pöbel MC:
Der Plot, was auf welche Weise passiert und wie die Elemente ineinandergreifen habe ich mir selber überlegt. Wenn ich mit anderen ein Video realisiere, kommen im Prozess und selbst am Drehtag noch Kleinigkeiten dazu.

»Hinter den politischen Punchlines steckt natürlich ein ernstes Thema, aber ich will das halt locker angehen, weil ich mir selbst nicht anders zu helfen weiß. So kann ich mir selbst und anderen etwas Mut machen, darüber auch zu lachen und sich nicht nur fertigzumachen.«

Pöbel MC über politischen Rap mit Humor

Hattest du während Corona mal eine Phase, wo du wenig Energie hattest und nichts auf die Reihe bekommen hast?
Pöbel MC:
Ne, glücklicherweise nicht. Eigentlich hatte ich immer Hustle, der mich nicht zu doll übermannt hat. Ich habe einfach versucht, meine Freizeitaktivitäten an das, was möglich ist, anzupassen. Dabei habe ich oft festgestellt, dass es mir schon Spaß macht. Die Sommer waren zwar nicht vollwertig, aber ganz ok, weil man draußen mit Leuten hängen und Bier trinken konnte. Man konnte vielleicht nicht in Clubs, es haben keine Festivals stattgefunden und ich konnte keine Auftritte spielen – das ist schon eine Einschränkung. Ich merke, wie mich das in meiner grundlegenden Lebensqualität beeinträchtigt hat. Aber so eine richtige Leidensphase, wo ich mit den Umständen total gehadert habe, gab es nicht. Ich konnte die ganze Zeit gut ausgestalten. Sei es mit Ideen, die im Studio umzusetzen waren, sei es durch … (überlegt kurz) Wenn man irgendwelche Hobbies hat, die eh illegal sind, dann ist es auch egal, ob’s gerade erlaubt ist oder nicht. (lacht) Spaß beiseite, aber davon bin ich schon eher verschont geblieben. Trotzdem kann ich nicht sagen, dass es mich gar nicht gejuckt hat.

Ich finde gerade die neue EP ist ziemlich spaßig und locker geworden. Dort wird viel mehr gute Laune vermittelt, als ich erwartet hätte. Gerade aufgrund der eher belastenden und teilweise frustrierenden Themen, die du ansprichst.
Pöbel MC:
Ja genau, aber wenn ich es schaffe – und ich schaffe es meistens, solange es mir überwiegend gut geht – kann ich viel Frust und Stress in Humor transformieren. Wenn irgendwelche Querdenker ihren Schwachsinn zu wissenschaftlichen Themen erzählen, von denen sie gar keine Ahnung haben, dann ist das zwar erschreckend und man kann sich über die gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen für den Pandemieverlauf berechtigterweise aufregen. Aber so richtig Einfluss darauf habe ich als Einzelperson auch nicht. Da komme ich an den Punkt, wo ich es lieber mit Humor nehme. Die Leute erzählen so einen krassen Scheiß, dass ich mir nur noch an den Kopf fassen kann. (lacht) Es ist auch ein bisschen witzig, was sich die Leute anmaßen und für krude Aktionen bringen. Es ist halt absurd. Wenn man privilegiert genug ist, macht es die Absurdität dieser Zeit ein Stück weit unterhaltsam, sich in seiner Nische zurechtzufinden. Damit sind die ernsthaften Themen schon aufgegriffen. Hinter den politischen Punchlines steckt natürlich ein ernstes Thema, aber ich will das halt locker angehen, weil ich mir selbst nicht anders zu helfen weiß. So kann ich mir selbst und anderen etwas Mut machen, darüber auch zu lachen und sich nicht nur fertigzumachen.
Ich habe zuletzt auf meinen Social Media-Accounts auch weniger politische Inhalte verbreitet, als ich es in der Zeit davor gemacht habe. Auch, weil ich gerade bei Instagram das Gefühl habe, dass sich Ebenen dort so komisch vermischen: Entertainment, Selbstdarstellung, Selbstbewertung, harte inhaltliche Fakten und Probleme. Das alles ergibt einen Wust von Inhalten, bei denen man die Ernsthaftigkeit bestimmter Themen nicht mehr wahrnimmt und alles in einem diffusen Rausch von Wahrnehmungen verschwimmt. Das würde ich gerne aufteilen. Ich finde besser, wenn seriöse Nachrichtenseiten für Berichterstattung zuständig sind und irgendwelche von Dullies wie mir betriebenen Social Media-Netzwerke für HalliGalli da sind. Deshalb habe ich das reduziert und politische Themen eher über das musikalische angeschnitten. Ich versuche einen entspannteren Blick zu bekommen, ohne dass sich das Problem dadurch verkleinert. Aber man muss für sich selbst eine gewisse Positivität im Umgang mit diesen Dingen bewahren, so problematisch vieles auch ist.

»Leute sagen, dass sie sexualisierte Übergriffe im Rapkontext aufarbeiten und systematisch behandeln wollen und dann stellen sich dem irgendwelche Typen nach dem Motto entgegen: „Ey, ich hab‘ aber seit dreißig Jahren ‚Fotze‘ gesagt und Rape-Jokes gemacht – das ist HipHop. Personen, die das problematisieren, haben die ganze Geschichte nicht verstanden.“ Da denke ich mir schon, dass diese Typen vielleicht eher was an der ganzen Sache nicht verstanden haben.«

Pöbel MC über #DeutschrapMeToo

Du nennst Instagram auf der EP eine »Verblödungsmaschine« und sprichst auch sinnlose politische Diskussionen in Twitter-Blasen an. Hat dich die Form des politischen Aktivismus auf Social Media einfach genervt?
Pöbel MC:
Ich glaube, dass Netzwerke wie Twitter und Instagram gar nicht dafür geeignet sind, komplizierte, politische Themen wirklich abzubilden und zu diskutieren. Insgesamt muss man da wieder zurück zu einer eher qualitativen Auseinandersetzung. Aktuell ist die viel mehr quantitativ. Ich kann aber nicht sagen, dass ich es prinzipiell ablehne. Du hast natürlich die Möglichkeit, schnell zu mobilisieren und Leute für Themen zu emotionalisieren. Das ist in einem politischen Prozess und bei der Kritik von Verhältnissen auch wichtig. Dabei wird es aber schnell oberflächlich und es geht um interne Auseinandersetzungen, die an den übergeordneten Themen wenig ändern. Das verliert sich dann in unproduktiven Social Media-Auseinandersetzungen, anstatt geschlossener zu überlegen, was wirklich sinnvoll und hilfreich ist. Dem versuche ich mich zu entziehen und verlagere diesen Bereich in die Musik. Ohne deswegen zu sagen, dass ich eh nichts ändern kann und deshalb nicht mehr an der Debatte teilnehme. Ich versuche mich darauf zu konzentrieren, was ich beitragen kann. Das ist Musik, die vielleicht empowernd und unterhaltsam ist. Mir schreiben häufiger Personen, die sagen, dass sie sich durch bestimmte Sachen angeregt fühlen oder es ihnen Kraft gegeben hat. Das ist in diesem Sinne mein Beitrag, den ich lieber gut ausforme, anstatt in allen möglichen Bereichen der Social Media-Selbstdarstellung meinen Furz dazuzugeben.

Macht Sinn. Wenn deine Musik Leute wirklich empowert und sie dabei noch eine gute Zeit haben, ist das wahrscheinlich das Beste, was du mit deiner Kunst erreichen kannst.
Pöbel MC:
Definitiv. Ich fühle mich dann schon sehr wertgeschätzt und bin froh darüber, dass Leute so empfinden. Für mich ist das eine der stärksten Auswirkungen, die Musik haben kann, wenn ich mich emotional abgeholt oder in bestimmten Wahrnehmungen gestärkt fühle. Das als musikschaffende Person der Community von Musikhörenden zurückzugeben, ist natürlich ein gutes Gefühl.

Die überzeugendste politische Auseinandersetzung auf der neuen EP hat aus meiner Sicht auf »Boys Cry« stattgefunden, wo du männliche Strukturen und das Männlichkeitsbild im Deutschrap generell behandelst. Hast du wirklich das Gefühl, wie im Song angedeutet, dass sich in der Szene, gerade nach #Deutschrapmetoo im letzten Jahr, etwas tut und sexistische Strukturen aufgebrochen werden?
Pöbel MC:
Nö, das gar nicht. Es gibt eher eine Lagerbildung, wo das eine Lager nichts mit dem anderen zu tun haben will. Dementsprechend kann man gar nicht mehr von einer einheitlichen Deutschrap-Szene oder -Community sprechen. Aber die Entstehung des Tracks hat auf jeden Fall etwas damit zu tun. Leute sagen, dass sie sexualisierte Übergriffe im Rapkontext aufarbeiten und systematisch behandeln wollen und dann stellen sich dem irgendwelche Typen nach dem Motto entgegen: „Ey, ich hab‘ aber seit dreißig Jahren ‚Fotze‘ gesagt und Rape-Jokes gemacht – das ist HipHop. Personen, die das problematisieren, haben die ganze Geschichte nicht verstanden.“ Da denke ich mir schon, dass diese Typen vielleicht eher was an der ganzen Sache nicht verstanden haben. (lacht) Auch das ist wieder ein bisschen lächerlich. Der Song knüpft da an, aber ich glaube nicht, dass ein ganzheitlicher Transformationsprozess angestoßen wurde. Ich glaube, der kommt wenn dann eher gesamtgesellschaftlich und mit den Jahren aus der Kultur und wird nicht innerhalb von schon sozialisierten Personen neu ausgehandelt. Ich glaube, dafür ist es viel zu statisch gehalten. Stattdessen gibt es jetzt einen Teil der Rapszene, der den anderen Teil nicht hört und umgekehrt. Ab und an kommt es über die Differenzen in der Weltanschauung zu Entladungen, aber ansonsten besteht das weit entfernt voneinander.
Vielleicht auch nicht ganz, es klingt etwas einseitig. Es ist schon so, dass die Grenzen des Sagbaren durch die Diskussion im Rap-Mainstream ein bisschen zurückverschoben wurden und eine gewisse Sensibilität gegenüber sexistischen Texten und Gewalt gegen Frauen besteht. Ich glaube, die besteht bei vielen Leuten aber nicht aus Überzeugung, sondern um sich vor Kritik zu schützen und nicht in irgendeine Art von Shitstorm oder geschäftlich ungünstiger Position zu kommen.
Es gibt viele Phänomene: Leute, die sich wirklich ein bisschen reflektiert haben. Leute, die das aus Kalkül mittragen. Und natürlich Leute, die das für sich ausschlachten und die »offensive Widerständigkeit« gegen eine progressive, zeitgemäße Auseinandersetzung mit Rap für sich reklamieren und damit den »genialen, provokativen Move« bringen.

Würden Backpfeifen gegen letztere Leute helfen?
Pöbel MC:
Ich glaube, dass tiefgreifendes Umdenken nicht unbedingt mit Backpfeifen-Pädagogik zu erreichen ist. (lacht) Aber es ist schon so, dass man eine Backpfeife metaphorisch deuten kann, so wie es wahrscheinlich gemeint ist. Solchen Positionen und Akteuren sollte ein Kunstbereich nicht einfach so überlassen werden. Dementsprechend ist das weitergefasste Battle künstlerisch-lyrischer und argumentativer Art natürlich überaus sinnvoll und angebracht. Das führt dazu, dass verschiedene Stimmen gehört werden und man sich kritisch mit Sachen auseinandersetzt. Von daher hilft die metaphorische Backpfeife auf jeden Fall.
Das ist seit jeher meine Vorstellung von Battle-Rap gewesen. Nicht in der eher traditionellen Ausrichtung, dass man blind auch in Richtung von schwächeren battlet. Sondern so, dass man Machtstrukturen und Autoritäten angreift und sich damit tiefgreifender auseinandersetzt. Was im ganz klassischen Sinne sogar noch mehr der Tradition von Battle-Rap entspricht. Das lässt sich darauf übertragen, dass man die lyrischen Schellen dann in diese Richtung verteilt. Wenn Leute glauben, dass sie auf ihrer Egomanie kleben bleiben können und sich nicht damit auseinandersetzen, dass es kulturelle und gesellschaftliche Erscheinungen von Sexismus gibt, die in Musik reproduziert werden.

Auf jeden Fall die stabilere Auslegung von HipHop, beim Battle gezielt zu schauen, wen man angreift. Was mich zu einem anderen HipHop-Thema bringt, nämlich den Bezug zu Memphis Rap auf deiner EP. Die hat ein Cover im Pen & Pixel-Stil und auch in den Beats und Flows kann man ein paar typische Elemente aus dem Dirty South entdecken. Habt ihr euch da von Rap aus den Staaten beeinflussen lassen oder hattet ihr auch Inspirationen aus der deutschen Memphis Rap-Nische?
Pöbel MC:
Es ist ein Konglomerat aus anderen Sachen, die ich in letzter Zeit gehört habe, vor allem von Ramirez. Da habe ich besonders das Album »The Playa$ Manual« und den Song »The fo Five« gehört, die schon stark an Memphis Rap angelehnt sind, aber auch einen Westcoast-Flavour haben. Damit habe ich viel Spaß gehabt und auch ältere Releases von ihm gehört. Manche Tracks sind an einigen Stellen davon inspiriert, aber auf meine Art und Weise umgesetzt. Im Deutschrap-Bereich kenne ich die Memhpis-Sachen vor allem aus dem HME (Hutmacher Enterntainment) Camp. Auch wenn es inhaltlich oft in eine ganz andere Richtung geht, finde ich das musikalisch gut gemacht. Es hat eine gute Atmosphäre und Power. Da habe ich auch ein paar Sachen gehört, aber kann nicht sagen, inwieweit mich das dann inspiriert hat. Ich höre halt Sachen, gehe ins Studio und da steckt dann alles, was man in der Vergangenheit gehört hat, mit drin. Natürlich auch viel von den eigenen lyrischen Vorstellungen. Aber ich feiere schon einiges davon, weshalb man diese Elemente auf der EP hören kann.

Als nächstes steht dann aber schon mal wieder eine Tour an, wenn die Pandemie langsam zur Endemie wird, oder? Ich nehme mal an, dass du nach einer so langen Pause eh sehr viel Bock hast, die Energie rauszulassen.
Pöbel MC:
Ey, das hatte ich schon 2020. Die geplante Tour zu »Bildungsbürgerprolls« wurde von 2020 nach 2021 nach 2022 verschoben. Dementsprechend stehen jetzt im März erste Termine der Tour an, die eigentlich 2020 stattgefunden hätten. Mal schauen, ob das klappt. Ich bin auf jeden Fall zuversichtlich und habe auf jeden Fall Bock zu spielen. Wobei ich überwiegend Bock habe, richtige Konzerte in dem Sinne zu spielen, dass die Leute ausgelassen sein können, keinem strengeren Hygienekonzept folgen müssen und die volle Kapazität des Ladens ausgeschöpft werden kann. Die Zwischenlösungen mit Beschränkungen oder durch Livestreams waren schon ein guter Weg, um sich zu helfen. Aber verglichen mit einem zünftigen Livekonzert macht das nicht ganz so viel Spaß. Ich habe letztes Jahr nur zwei wirklich vollwertige Konzerte spielen können, in Köln und Wiesbaden. Das war mega stark! Das ist mir erst wieder bewusst geworden, was so ein Konzert eigentlich ist und wie das sein kann. Nachdem man anderthalb Jahre lang Sitz-Open-Airs und Streams gewohnt ist, war das so »Woah krass! Was machen die Leute hier?« In Köln sind die Leute eh besonders ausgelassen, da hat die erste Reihe immer mit den Händen auf die Bühne geschlagen. Man kennt das sonst vom Skateboarding, wo manchmal mit den Boards auf den Boden geschlagen wird, wenn jemand einen starken Trick gemacht hat, weil das so ein lautes Geräusch macht. So einen Krach haben die auch gemacht und ich war so: »Ey, das ist mir fast ein bisschen viel. Was machen die Leute?« Dann sind random Personen aus der ersten Reihe auf die Bühne gekommen und haben eher ungefragt Saltos in die ersten Leute im Publikum gemacht. Da hab‘ ich mir auch gedacht: »Digger, frag doch vorher!« Aber es war alles egal, es war richtig entfesselt. Ich brauchte erstmal fünf Minuten, um darauf klarzukommen, dass ein Konzert eigentlich genau so ist und sein muss! Wenn das wieder so sein kann, freue ich mich extrem darauf. So eine Art der Eskalation schätze ich sehr.

Interview: David Regner

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