Overlooked: Doubtboy – Skit // Feature

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In unserer Reihe »Overlooked« legen wir euch Musik ans Herz, die bisher keine Berücksichtigung auf juice.de gefunden hat, aber sehr hörenswert ist. Sei es, weil die Releasewoche zu voll war, weil andere Termine anstanden oder weil ein Release schlicht unter dem Radar geblieben ist – während man aufgrund des Coronavirus Zuhause bleibt und versucht, physische Interaktionen zu meiden, bleibt genug Zeit, diese Versäumnisse aufzuholen.

Es geht um Skits, Leute! Doubtboy führt das Konzept eines Albums ad absurdum und liefert eine Zusammenstellung von Skits. Das ist verwirrend, erfrischend – und doch gar nicht so weit von modernen Rapalben entfernt.

Warum noch komplette Tracks produzieren, wenn man schon mit dem essentiellen Kern eines Songs zufrieden ist? Der Erotik Toy Records-Abgesandte Doubtboy hat diese Idee zusammen mit Produzent mata konsequent zu Ende gedacht und daraus sein Album »Skit« gemacht. Und ja, selbstverständlich ist diese Idee abwegig und führt zu einem Produkt, das die gewohnten Vorstellungen eines Musikalbums boykottiert. Auf der anderen Seite spitzt Doubtboy mit »Skit« viele Entwicklungen von Rapalben der letzten Jahren zu und deckt ihre Logik auf. Die zwanzig Tracks des Albums wären vor einigen Jahren noch viel für ein Album gewesen, gehören mittlerweile, gerade bei Alben aus den USA, aber fast zum guten Ton. Schuld daran ist das Streamingzeitalter, das mit seinen Verwertungslogiken die Musik von Künstler*innen beeinflusst. Je mehr Songs sich auf einem Album finden, desto mehr Streams kann eine LP generieren. Und da ein Song bei Spotify als »gespielt« zählt, wenn er 30 Sekunden lang lief, braucht es keine ausufernden Hymnen, sondern eine catchy Hook und eine eng begrenzte Anzahl an Verses.

Wenig Sinn, viel Interpretationsspielraum

Doubtboy treibt diese Logik auf die Spitze und entzieht sich gleichzeitig jeder möglichen Anschuldigung, dass er diese Vorgehensweise nutzen will, um mehr Einnahmen zu generieren. Denn Doubtboys Musik ist Untergrund. Untergrund der weirden, experimentellen und spielerischen Art und Weise. Sich durch »Skit« durchzuhören ist genauso fordernd wie spaßig, denn die meisten Tracks bleiben unter einer Minute Spielzeit und liefern verschiedenste Soundentwürfe. Von in Gedichtform vorgetragenen Texten mit musikalischem Hintergrundrauschen, über klassische Reime auf BummBummTschack-Beats, bis zum dystopischen und verdrogten Trapbanger liefert Doubtboy alles, was man sich nur wünschen könnte. Die Fetzen von Lyrics machen es gleichzeitig unmöglich, einen bestimmten Sinn zu finden, und fordern dazu auf, der eigenen Interpretation freien Lauf zu lassen. Doubtboys Texte sind assoziativ, selbstreferenziell und persönlich, behandeln Rap, üben Gesellschaftskritik aus und rufen zur Revolution auf (wahrscheinlich). Ganz genau weiß das wohl nur der Künstler selbst. Vielleicht aber auch nicht.

»Skit« unterhält ohne Pause – und hat damit den meisten anderen Alben etwas voraus

Fakt ist: Es ist schwer, sich dem Fluss von »Skit« zu entziehen. Passt ein Track gerade nicht zum eigenen Geschmack, macht der Klick auf »Next« trotzdem wenig Sinn, denn die Laufzeit ist so kurz, dass man eh bald die nächste Skizze hört. Die eingesprochenen Werbeclips für die »Skit«-Vinyledition (limitiert) sorgen dazu auch bei Premiumnutzern für Spotify-Free-Feeling und sind einfach gute Comedy. Kurz: »Skit« unterhält ohne Pause. Und damit hat Doubtboys Projekt den meisten anderen Alben etwas voraus.

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