Niska: »Ich bin ein Neugeborener im Rap« // Interview

Wenn man in diesen Tagen über Rap in Frankreich spricht, kommt man an Niska nicht vorbei. Bereits seit den Neunzigern aktiv, hat er sich durch unzählige Freestyles, Mixtapes, Alben und nicht zuletzt seinen 172-Millionen-Youtube-Aufrufe-Hit »Réseaux« einen grenzübergreifenden Namen gemacht. Sein im September erschienenes Album »Commando« wurde bereits mit dreifach Platin ausgezeichnet, entsprechend voll ist derzeit sein Terminkalender. Dennoch nahm er sich zwischen zwei Konzertterminen in Paris Zeit für ein Interview mit uns.

Wie und wann hast du mit dem Rappen angefangen?
Ich bin im 91. Departement aufgewachsen, in Evry, in der Cité du Champtier du Coq. Ein guter Ort, um Musiker zu werden, denn dort tobt ein richtiger Konkurrenzkampf, es gibt eine ganze Reihe aufstrebender Bands. Ich habe früh mit dem Rappen begonnen, aber auch früh wieder aufgehört; anfangs hatte ich alle möglichen anderen Dinge im Kopf. Ich bin so was wie ein Neugeborener im Rap. (lacht)

Ich bin selber auch aus dem 91., aus Corbeil-Essonnes.
Ach, dann weißt du ja, wovon ich spreche. Es gibt viele Jugendliche, die rappen, überall in Frankreich. Aber im 91. brodelt es seit einigen Jahren richtig. Um auf deine Frage zurückzukommen: Ich habe relativ früh angefangen zu rappen, etwa mit 15, und dann habe ich nach zwei Jahren wieder aufgehört. Anfangs wollte ich gar nicht Rapper werden. Ich hab das nur aus Spaß gemacht, mit meinen Kumpels. Für mich stand damals fest, dass das nur eine Spinnerei war. Ich habe mich dann anderen Dingen gewidmet, weil ich gesehen habe, dass im Grunde alle um mich herum rappten.

Du dachtest also nicht, dass du mit Rap Erfolg haben könntest?
Nein. Du denkst an deine Familie und sagst dir, dass rappen vielleicht nichts für dich ist. Ich musste mich damals um andere Sachen kümmern. Außerdem rappen heutzutage viele Jugendliche, sodass es schwer einzuschätzen ist, ob man selbst talentiert genug ist oder nicht.

Aber zu sehen, dass andere Typen aus deinem Département wie PNL, MMZ oder zuletzt F430 und Al Kapote den Durchbruch geschafft haben, hat dich letztlich doch motiviert?
Natürlich ist es fantastisch, zu sehen, dass das 91. Département so an Bedeutung gewinnt. Andererseits hat es schon immer ein paar große Nummern gegeben: Diam’s, Sinik, die Großen eben. 2014/15 habe ich mich dann wieder mit Rap beschäftigt, diesmal ernsthaft. Ich hab wieder gefreestylet und hab Mixtapes rausgebracht. Ich bekam dabei Unterstützung und Hilfe von Rappern aus meinem Umfeld – von Gradur zum Beispiel. Das hat mir Kraft gegeben.

Geholfen hat dir auch dein Song »Matuidi Charo«, in dem du dem gleichnamigen PSG-Spieler huldigst. In dem Stück geht es um einen Aasgeier, der um seine ­Beute kreist. Und Matuidi feiert seither jedes seiner Tore mit dem Tanz der Geier des Champtier du Coq aus deinem Video.
Es ist natürlich großartig zu sehen, dass Blaise Matuidi, der damals für PSG spielte und heute bei Juventus ist, sich mit dieser Art von Widmung auf meinen Song bezieht. Ich hab immer drauf gewartet, dass er ein Tor schießt, um zu sehen, wie er den Geiertanz macht. Das hat tatsächlich für viel Wirbel gesorgt. Alle tanzen jetzt diesen Song! Aber der Rhythmus, der Text, Trap – das trage ich in mir und konnte es dadurch glaubhaft weitervermitteln. Durch Matuidi hat das Ganze auf jeden Fall noch mehr Aufmerksamkeit bekommen, auch über die Grenzen Frankreichs und Europas hinaus.

Mit deinem Stück »Réseaux« hast du es in Frankreich sogar geschafft, in den Charts für einige Tage den internationalen Hit »Despacito« von Luis Fonsi und Daddy Yankee in seine Schranken zu weisen. Bei Redaktionsschluss hatte der Song allein über 170 Millionen Klicks auf Youtube.
Ja, das ist verrückt, wirklich sehr beeindruckend. Das ist die absolute Anerkennung. Ich steh drauf! (lacht)

Du hast schon mit vielen großen Rappern gearbeitet: SCH, MHD, Booba, Maitre Gims. Auf deinem aktuellen Album hast du aber auch mit dem malischen Künstler Sidiki Diabaté kollaboriert.
Der Typ hat’s echt drauf. Ich wollte Sounds von diesem mythischen Instrument, der Kora. Es gibt verschiedene Kora-Modelle, und Sidiki Diabaté ist ein Meister, was die Handhabung dieses zweihändig zu spielenden Instruments betrifft. Es ist faszinierend, gemeinsam mit großen Künstlern zu den traditionellen afrikanischen Klängen zurückzukehren. Auch wenn es nur wenigen Leuten aufgefallen ist, diese Zusammenarbeit war sehr wichtig für mich und bedeutet mir viel. Auf dem Album ist das übrigens auch einer der wenigen Momente, in dem Harfentöne im Vordergrund stehen. Und: Diabaté Sidiki spielt auch Klavier. Der Typ war übrigens auch mal HipHop-Produzent, das weiß bloß keiner! Sidiki stammt aus einer großen Tradition von Kora-Spielern. Der Unterschied zu seinen Vorgängern besteht darin, dass er sich stark zur Toningenieurs- und Produzentenseite hingezogen fühlt. Er hat in mehreren afrikanischen Ländern Auszeichnungen erhalten, die mit den MTV Awards vergleichbar sind. Man sollte wenigstens einmal im Leben ein Konzert von ihm gesehen haben!

»Heute Rappen so viele, sodass es schwer einzuschätzen ist, ob man selbst talentiert genug ist.«(Niska)

Mit welchen englischsprachigen Rap-pern würdest du in Zukunft gerne mal was machen?
Ganz klar: Migos!

Text: Fred Hanak | Übersetzung: juliane seifert | Foto: Koria

Dieses Feature erschien zu erst in JUICE #184 (Jan/feb 2018). Back-Issues im Shop versandkostenfrei vorbestellen.

2 KOMMENTARE

  1. Rudolf the red nose reindeer had a very shiny nose! <3 Frohe Weihnachten euch allen da draußen!!!! Gute Nacht! Bei uns liegt sehr viel Schnee und wir haben eisige Temperaturen. Es ist so bitter kalt. Wie ist es bei euch meine lieben eichhörnchen?

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