Mädness – OG // Review

Grown-Man-Rap ist das hier schon lange. Über die Akzeptanz, dass Scheitern zum Leben dazugehört, formuliert Mädness auf »OG« meditative Gelassenheitsgebete.


(Mädness / Groove Attack)
Wertung: Vier Kronen

Es hat einen Umzug, ein JUICE-Cover und das umjubelte Kollaboalbum »Ich & mein Bruder« mit seinem Bruder gebraucht, damit Mädness endlich ankommen konnte. Aber damit meint er nicht Berlin, nicht Hessen, noch nicht mal irgendeine Szene oder Filterbubble. »Fick, woher ich komme, ich represent kein‘ Zufall«, heißt es auf dem epochalen Chor-Trap »Mässich«. Mädness ist ganz bei sich, »Team Allein«. Ja, sein Bruder hat gerade eines der Album-Highlights des Rap-Jahres abgeliefert, doch das spielt hier keine Rolle. Das vierten Album »OG« ist der Abschluss eines Reifeprozesses. Mädness hat sich freigemacht, alte Lasten liegen ad acta, die innere Reinigung ist abgeschlossen. Das heißt maximale Souveränität, die Zelebrierung der eigenen Unabhängigkeit und die Öffnung des eigenen Herzens. Grown-Man-Rap ist das hier schon lange. Doch zur Akzeptanz, dass Scheitern zum Leben dazugehört und Verantwortung nicht immer leicht ist, formuliert de Gude nun fast meditative Gelassenheitsgebete. Dass er sich das innere Kind bewahrt hat, ist für ihn kein Widerspruch zum Erwachsensein. Daher gibt er den ruhenden Kämpfer. Auch wenn die organische Neoklassizistik seiner Beats zu keinem Zeitpunkt einem esoterischen Approach folgt, stellt Mädness neben sein inneres Schattenkind nun auch sein inneres Sonnenkind. »OG« ist ein Manifest für Aufrichtigkeit. Das ist lustig, bierernst, aber immer geradeaus. »Ich kann dir nicht das Leben erklären«, heißt es an einer Stelle. Weder inhaltlich noch technisch überhöht sich Mädness, auch wenn er die Fähigkeit und Legitimation dazu hätte. Keine Besserwisserei, er weiß es besser. Im Abschlusstrack »Ich mach’s nochmal neu« mündet dieser Verlauf im vielleicht wichtigsten Schlüssel seiner Zufriedenheit: Dankbarkeit und Vergebung. Gegenüber seiner Mutter, seinem Bruder, gegenüber sich selbst. Mädness ist da, wo er immer hinkommen wollte. Ganz bei sich.

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