Lloyd Banks – H.F.M. Hunger For More 2

»It’s mostly tha voice«, hat ein kürzlich verstorbener Rapper einmal gesagt. Eine Weisheit, für die auch der ewige G Unit-Zweitligist Lloyd Banks mehr Regel als Ausnahme zu sein scheint. Sein reibeisernes Organ alleine jedoch dürfte für den Initialerfolg »The Hunger For More«, seinen hart erarbeiteten Spitznamen »Punchline King« und Kanyes spätes, aber doch berechtigtes Twitter-Statement kaum ausreichend gewesen sein: Einer der »most underrated« im Rap-Game sei er, gab Mr. West für alle Welt zu Protokoll. Und mit der Erfolgssingle »Beamer, Benz Or Bentley« im Nacken war schließlich nicht nur das Twitter-Volk wieder gewillt, Herrn Banks ein Ohr zu leihen. Im Hause G Unit war auch 50 Cent bereit, den Karren als Executive Producer aus dem Dreck zu ziehen. Fraglich nur, ob es hierfür überhaupt des großen Mentors bedurfte, oder ob Mr. Banks nicht nur ein wenig Zeit gebraucht hatte, um zu Topform zu finden.

Denn alle jene großartigen Züge, die er auf »Rotten Apple« so sträflich vermissen ließ, strahlen auf »H.F.M. 2« umso heller: Besagte reibeiserne Stimme scheuert am Trommelfell, während Banks jenen namensgebenden Hunger zur Schau stellt, den Fifty bereits vor drei Alben verloren hat. Noch beeindruckender sind die Stimmungen, die er zu erschaffen weiß, sei es die absolute Tristesse und Hoffnungslosigkeit seines Heimatsviertels (»Home Sweet Home« mit Pusha T), verbitterte Rachegedanken (»Father Time«), hemmungsloses Clubgeprahle (»Start It Up« an der Seite von Kanye, Fabolous und Swizz Beatz) oder selbst das scheinbar ehrlich gemeinte Liebesgeflüster auf »I Don’t Deserve You« – keine Sekunde zweifelt man an der Ernsthaftigkeit dahinter. Auf musikalischer Seite eröffnen die vorwiegend unbekannten Produzenten den Langspieler als klares Straßen-Statement, bis Banks mit »Start It Up« die Clubabfahrt eröffnet, die erst von den Jungs der J.U.S.T.I.C.E. League gegen Ende des Albums wieder in gemächliche Bahnen gelenkt wird. Und auch wenn wie wohl bei allen G Unit-Releases echte Überraschungsmomente fehlen, als hoffentlich dauerhafte Zementierung seines neu gewonnenen Status hätte Lloyd Banks wirklich größere Fehler begehen können, als ein derart fesselndes Album abzuliefern.

G-Unit/ EMI

Stefan Zehentmeier

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