Lil Pump – Harverd Dropout // Review

»Harverd Dropout« ist nur eine Verlängerung des Medienereignisses Lil Pump. Damit bekommt die Online-Community das geliefert, was sie erwartet: Drug-Talk, Money-Talk, Sex-Talk, Einfach-egal-Talk. Hier überrascht nichts.

(Warner)

Wertung: Eine Krone

Das Vorab-Release der Kanye-West-Kollabo »I Love It« zeigt deutlich, was Lil Pump drei Jahre nach seinem Soundcloud-Hype noch ist: ein Internet-Meme. So lässt sich auch die Relevanz (sprich: Klicks und Schlagzeilen) erklären, die Pump – obwohl er durch gängige Bewertungsraster wie Musikalität, Inhalt und Kreativität fällt – zweifelsohne besitzt. Auf seinen Social-­Media-Kanälen erreicht er massenhaft Leute und füttert seine Followerschaft mit der Kunstfigur eines dauer-highen Hype-Rappers, der mehr Geld verdient als du in deinem ganzen Leben. Schon der Name des Albums ist auf Tweets von Pump zurückzuführen, in denen er behauptet, die Elite-Uni abgebrochen zu haben, um das Rapgame zu retten. Welcher Rapper sonst würde Social Media einen so starken Einfluss auf seine Kunst erlauben (s/o Sierra Kidd)? »Harverd Dropout« ist nur eine Verlängerung dieses Medienereignisses. Damit bekommt die Online-Community das geliefert, was sie erwartet: Drug-Talk, Money-Talk, Sex-Talk, Einfach-egal-Talk. Hier überrascht nichts. Producer Carnage liefert Pump glattge­schliffene Banger-Beats, mit denen das Album den industriell festgelegten Standards gerecht wird. Hier schlägt nichts mehr über die Stränge wie einst der übersteuerte Bass von »D Rose«, hier ist kein Hauch von Punk mehr zu hören, den die Lo-Fi-Produktionen versprühten, mit denen Pump noch vor drei Jahren Soundcloud eroberte. Und auch wenn er die nicht zu übertreffende Ignoranz von damals auf »Harverd Dropout« konsequent fortführt, ist sie nur noch eine Kopie der Kopie der Kopie. Ein Multimillionär, dem alles egal ist, ist etwas anderes als einer, dem alles egal zu sein scheint, der aber in Wirklichkeit mehrfach von der Schule geflogen ist und keine Ahnung hat, wie es mit ihm weitergeht. Aber Pump ist nicht mit dem Anspruch angetreten, HipHop zu bereichern oder ein brillanter Rapper zu sein, sondern: viel Geld damit zu verdienen. Er ist ein rappender Entertainer und kein entertainender Rapper. Wenn man das weiß, lässt sich Pump vielleicht besser verstehen.

Text: Daniel Zimmermann

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