Lena vs. The Beats: »Ich würde nicht mit dem erfolgreichsten deutschen Rapper ein Feature machen, nur um erfolgreich zu sein.« // Feature

-

Freche Interviews und der letzte deutsche Sieg beim ESC: Wer mit Lena Meyer-Landrut immer noch die 19-jährige Schülerin assoziiert, die mit »Satellite« Geschichte schrieb, ist selbst schuld. Zehn Jahre später macht Lena großartigen Pop, der erwachsen klingt und trotzdem Spaß macht. Pop – okay. Aber Lena in der JUICE? Das klingt unklar, ergibt aber bei genauerem Hinschauen durchaus Sinn. Ob ein splash!-Besuch im Privaten oder professionelle Zusammenarbeiten mit Ramz, Genetikk oder Little Simz: Lenas Affinität für HipHop ist nicht von der Hand zu weisen.

Genetikk feat. Lena
Lang lebe die Gang (2017)


Wie erinnerst du dich an die Zusammenarbeit mit den Jungs?

Das war halt ein richtiges Corporate-Ding. Netflix hat angefragt und wollte uns anlässlich einer Serie [Marvel’s »The Defenders«; Anm. d. Verf.] zusammenbringen. Es gab vorher schon ein paar andere mögliche Zusammenstellungen, wo dann aber jeweils einer der beiden Parts nicht so richtig Bock drauf hatte. Bei Genetikk konnten sowohl ich als auch die Jungs uns das vorstellen. Also haben wir uns getroffen, fanden uns sympathisch und haben den Song geschrieben. Da wurde auf jeden Fall
was zusammengeführt, was in Deutschland nicht so üblich und normal ist. Genetikk polarisieren natürlich. Ich achte darauf, Leuten gegenüber keine Vorurteile zu haben, merke aber, dass ich mich davon auch nicht ganz frei machen kann. Ich bin froh, Genetikk unabhängig von dem, was sie als Künstler nach außen hin präsentieren, als private Menschen kennengelernt zu haben. Wir haben uns megamäßig gut verstanden.

Mit welchem anderen deutschen Rapper könntest du dir vorstellen
zusammenzuarbeiten?

Das ist ein bisschen weird, das jetzt zu sagen, weil das wie eine Bewerbung klingt. (lacht) Ich glaube, es kommt wirklich auf den Vibe an und ob man sich gut versteht. Ich bin ein absoluter Pop-Künstler und hab bisher hauptsächlich auf Englisch gesungen. Auf Deutsch nur, wenn es gepasst hat und organisch war. Das Letzte, was ich will, ist auf irgendeinen Hype-Zug aufspringen. Ich würde nicht mit dem erfolgreichsten deutschen Rapper ein Feature machen, nur um erfolgreich zu sein. Aber es gibt schon einige. Ich liebe zum Beispiel Summer Cem. Und Kelvyn Colt! Ich liebe es, wie er seine eigene Welt kreiert. Seine Visuals sind unglaublich! Ich feier den Typen sehr.

Serious Klein
Voodoo Money (2018)

Das ist aber jetzt kein Track von Kelvyn Colt, den ich nicht kenne, oder?

Nein. Das ist Serious Klein aus Bochum.
Nice. (durchstöbert das Netz) Okay, der war bei COLORS. Fünfzehn Beiträge auf Instagram, der Coole, ey. (lacht) Aber klingt geil!

Musstest du dich zu Beginn deiner Karriere daran gewöhnen, auf Englisch zu singen?
Ich habe mit englischen Songs angefangen, weil ich mich nie so richtig mit deutscher Musik identifizieren konnte. Es gab immer ein paar Sachen, die ich als Teenie auf den »Bravo Hits« cool fand, aber ich war noch nie Fan deutscher Musik. Also hat es für mich voll Sinn gemacht, auf Englisch weiterzusingen. Jetzt fühlt es sich für mich natürlich an. Ich kann mir durchaus vorstellen, auch mal auf Deutsch zu singen, aber das muss intrinsisch passieren. Ich müsste erst mal eine Stimme finden, ich müsste Worte finden. Ich bin niemand auf Deutsch. Ich hab keine Sprache, keinen Vibe auf Deutsch. Das ist nichts, was man einfach so macht. Deswegen finde ich es cool und gut, wenn deutsche Künstler englische Musik machen. Klar, manche davon haben dann auch englischsprachige oder internationale Wurzeln – sowohl Kelvyn als auch Serious Klein wirken nicht wie die klassischen Deutschen von nebenan, die jetzt auf Englisch Musik machen.

Little Simz
Venom (2018)

Maschineee! Mann, ich lieb die so doll. Sie hat einen unglaublichen Flow und so eine kranke Energie, vor allem auch auf der Bühne. Sie ist einfach die Beste. Unabhängig von der Musik, auch menschlich. Sie hat ein so gutes Herz, eine so tolle Ausstrahlung, so positiv. Von A bis Z nur Liebe für Simz.

Habt ihr seit ihrem Feature auf deinem letzten Album Kontakt?
Ja, wir sind Instagram-Freunde. (lacht) Wir antworten uns gegenseitig auf Storys und schreiben ein bisschen. Auf dem splash! haben wir uns gesehen.

»Bei mir wird alles auf die fucking Goldwaage gelegt, ich muss aufpassen.« – Lena

Der Track ist eine direkte Ansage an gesellschaftlichen Sexismus. Ist es dir auch wichtig, dich zu solchen Themen zu äußern?
Ich merke, dass es mir immer wichtiger wird. Mit steigendem Alter bekomme ich mehr Mut, mich zu positionieren. Ich bin allerdings in einer anderen Position als die Rapper, weil ich nicht die Narrenfreiheit habe, einfach alles zu sagen, was ich denke. Bei mir wird alles auf die fucking Goldwaage gelegt, ich muss aufpassen. Ich verliere aber immer mehr die Angst und spüre einen inneren Antrieb, meinen Mund aufzumachen für Themen, die mir wichtig sind und am Herzen liegen.

Drake feat. Black Coffee, Jorja Smith
Get It Together (2017)

(singt Jorja-Part mit) Scheeeeiße! Für immer hören, für immer! So schön. Ich liebe die poppigen Sachen von Drake, weil ich halt einfach Popmusik liebe. Ich bin aber auch ein riesengroßer Fan von Jorja Smith. Diese ganze Riege von SZA über H.E.R. bis Kali Uchis – gefühlt ist das mein Zuhause. Das läuft bei mir durch. Ich liebe Jorja für ihre wahnsinnige Stimme, für ihre guten Texte, ihre schönen Visuals – sie ist für mich das Gesamtpaket der Zeitgeist-Künstlerin. Die Zusammenkunft ist megageil. Ich liebe »More Life« des Todes, ich bin aber auch ein großer »Views«-Fan. Aber eigentlich sind alle Alben von Drake geil, auch die älteren.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here