Lance Butters – BLAOW // Review

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(Four Music/Sony Music)
 
Als ersten Vorboten zum bis dato unbetitelten Album veröffentlichte man über die Kollegen von 16bars Anfang März das Video »Lance Butters: zu Besuch im Studio«. In dem Clip sieht man den Rapper wider Erwarten nicht in einem verrauchten Kellerstudio an neuen Battletracks schrauben, sondern zusammen mit Ahzumjot und weiteren Musikern in den altehrwürdigen Hansa Studios Berlin sitzen und an einem neuen, wärmeren Sound feilen. Am Ende steht ein vor Pathos triefender Track, auf dem Ahzumjot die Hook singen und Lance eine inhaltsleere, aber schön klingende Phrase nach der anderen raushauen darf. Siebeneinhalb Minuten, in denen Lance Butters sämtliche Erwartungshaltungen im Keim erstickt, die Hälfte der deutschen Rapszene vorführt und den Humor im Kosmos Deutschrap damit auf ein neues Level gehievt hat. Kurz nach Veröffentlichung wurde die allgemeine Verwirrung um die 180-Grad-Wende mit dem ersten offiziellen Video »Deal With It/Raw« aufgelöst, und auch den naivsten Fans da draußen wurde klar: Alles nur ein Scherz. »Blaow« setzt nahtlos da an, wo die vorherige EP »futureshit« aufgehört hat. Hausproduzent Bennett On macht, dass es nun noch mehr scheppert, rumpelt und knarzt, ohne dabei das Feingefühl für die richtigen Ecken und Kanten zu verlieren. Auch Lance hat technisch noch eine gute Schippe draufgelegt, während sich seine Lyrics weiterhin auf zwei Aussagen herunterbrechen lassen: Lance ist der Shit! Du bist scheiße! Untergrundrap, Poprap, catchy Hooks, mehrsilbige Reime, Doubletime, Straßenrap, Disstracks – einfach alles kacke. Dem setzt er entgegen: eingängige Beats, begreifbare Reime, straighte Aussage. Böswillig könnte man dieses Album als Stillstand aus Resignation schimpfen. Wer alles scheiße findet, läuft Gefahr, für nichts zu stehen. Doch vielleicht genügt das auch, wenn man »Blaow« analog zu oben beschriebenem Video als erfrischenden Gegenwind zum sich mittlerweile erwachsen wähnenden und immer mehr dem Radiopop anbiedernden Deutschrap versteht.
 

 
Text: Patrick Lublow
 

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