Kings Of HipHop: Drake // Feature

Mehr noch, als dass Drizzy in zahlreiche Fehden geriet, wurde er von anderen Künstlern umworben. Ein Drake-Feature bedeutete einen Hit, »Fucking Problems« mit A$AP ­Rocky und Kendrick war 2012 dabei der erfolgreichste. Rocky und K.Dot fanden in ­Drake übrigens einen ihrer ersten Supporter und wurden von ihm mit auf »Club Paradise«-Tournee genommen. Kendrick durfte Drake sogar beim »Buried Alive Interlude« auf »Take Care« kurzerhand die Show stehlen. Ohnehin beanspruchte Drake bei den Hypes der Stunde stets ein Stück vom Kuchen für sich. Egal ob Futures »Tony Montana«, Migos’ »Versace«, Tinashes »2 On« oder ILoveMakonnens »Tuesday«: Drake remixte ab 2012 regelmäßig die Durchbruch-Singles interessanter Newcomer. Dabei meisterte er es stets, sich der Eigenarten des gefeatureten Künstlers anzunehmen, ohne seinen eigenen Style zu untergraben. Die Remixe waren ein Geben und Nehmen: Die Newcomer hatten mit Drake-Cosign den Freifahrtschein für alle Radiostationen der Welt, Drake selbst schöpfte aus den Zusammenarbeiten neue Einfälle für flowtechnische Variationen. »Einen neuen Flow zu finden, etwas zu machen, das ich vorher nie gemacht habe, das ist die größte Freude in meinem Leben«, sagte er im Interview mit The Fader.

Von dieser Freude steckte wahrlich einiges in Drakes drittem Album »Nothing Was The Same« von 2013. Zwar gab es darauf zahlreiche zwielichtigen Downtempo-Songs, die problemlos auch auf Drakes vorherigen Releases hätten stattfinden können, sowie mit »Hold On, We’re Going Home« die Clubpop-Single, die es eben auf jeder seiner Platten gibt, aber Drake konnte auch Straßenhits, die jeden Gangstarapper mit Neid erfüllten. Auf der ersten Single, dem schmetternden »Started From The Bottom«, versuchte er eine gerappte Hook so catchy wie seine gesungenen Chorusse klingen zu lassen. »Worst Behaviour« prämierte einen aufgeregt flowenden Drizzy im Abrechnungsmodus. Der auf »Take Care« angedeutete Arschloch-Aubrey randalierte jetzt völlig. Dem verunsicherten Anfangzwanziger, der immer kurz davor war, sich vom Fame unterkriegen zu lassen, durfte man dagegen ade sagen. »Ich würde nicht sagen, dass ich voll zufrieden bin. Aber das erste Mal bin ich stolz darauf, wo ich angelangt bin«, machte Drake seinen Entwicklungsschritt im Gespräch mit XXL deutlich. Er konnte jetzt selbstsicherer mit dem Erfolg umgehen, seine Familie dagegen drohte auseinanderzudriften: »Money got my whole family going backwards/No dinners, no holidays, no nothin’/There’s issues at hand that we’re not discussin’«, rappte er auf »Too Much«, dem er eine Gänsehaut-Premiere bei Jimmy Fallon schenkte. »Nothing Was The Same« war so street wie deep – und schoss Drake mit rund 650.000 abgesetzten Exemplaren in der ersten Woche noch weiter Richtung Himmel; eben dorthin, wo ihn auch das Ölgemälde auf dem Cover porträtierte.

Forbes-Listen-Garant Drake hatte sein Ziel, im Alter von 25 Jahren über 25 Millionen Dollar verdient zu haben, problemlos erreicht. Und was macht man damit? Richtig, expandieren. 2014 beschäftigte sich Drake vor allem damit, sein OVO-Team weiter auszubauen. Statt den Roster versatil zu gestalten, züchtete Drake sich eine Horde von Mini-Mes heran. Ein OVO-Act sollte genau wie Drake a) zwischen Genres wandern können, im besten Fall Rapper und Sänger zugleich sein, b) Musik für die Nacht machen, c) aus Kanada stammen, d) sich selbst mystifizieren und verschlossen gegenüber der Presse zeigen. Auf die OVO-Signings – PartyNextDoor, Majid Jordan, ILoveMakonnen und Roy Wood$ – treffen je mindestens drei der vier Kriterien zu. Aber was hatte Drake eigentlich plötzlich gegen die Presse? Im Februar 2014 gab er sein vorerst letztes Interview, nachdem der Rolling Stone ihn auf dem Cover in letzter Minute durch den verstorbenen Philip Seymour Hoffman ersetzte und eine Interviewaussage abdruckte, in der er Kanye West kritisierte.

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